Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 27.1911

Page: 114
DOI issue: DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/architektonische_rundschau1911/0124
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Seite 114.

ARCHITEKTONISCHE RUNDSCHAU

1911, 10.

Die Füllbretter sind durchweg er-
neuert, ebenso die unteren Fachwerke, die
im Gegensatz zu den oberen mit reicher
Musterung nur glatte Ausmauerung haben.
Das Gebäude ist jetzt ebenfalls gleich-
förmig gestrichen; auch hier sind Unter-
suchungen nach den alten Farben vorge-
nommen: anscheinend hatten Stiele und
Riegel früher einen tiefroten Anstrich, der
Farbenton ist auf der Rückseite der Ab-
blätterungen des jetzigen dicken Ölfarben-
auftrages ganz deutlich zu erkennen.


jüngerer Zeit; einzelne Felde der Lang¬
seiten zeigen noch Reste einer reichen
Musterung, so daß wohl anzunehmen ist,
daß auch im Giebel ursprünglich reichere
Ziegelmuster waren.
Holzteile und Ausmauerung sind heute
gleichförmig grau gestrichen, genauere
Untersuchungen nach alten, früheren Farben¬
tönen haben ergeben, daß sich unter der
dicken, grauen Ölfarbenschicht ein schwar¬
zer Anstrich der Stiele und Riegel befand,
ähnlich wie bei den meisten Häusern in
Isernhagen. Wie bei den Fachwerken,
konnte auch bei einigen Füllhölzern die
ehemalige rote und blaue Bemalung fest¬
gestellt werden.
2. Haus Spellerberg. Das Haus
ist im Jahre 1586 erbaut; es hat die gleiche
Grundrißanlage wie die etwa hundert Jahre
jüngeren Häuser in Isernhagen (folgen in
einem der nächsten Hefte. — Die Red.):
in der Mitte die große Diele oder Tenne,
vorne rechts und links Einzelräume, ebenso
am Ende der Tenne.
In seinem Äußeren ist das Gebäude
im Laufe der Zeit stark verbaut. Der Giebel
links ist erst im achtzehnten Jahrhundert
vorgebaut, der Ladeneinbau rechts stammt
aus neuester Zeit. Der Torriegel zeigt noch
gut erkennbare Spuren der alten Anlage —
bogenförmig angebrachte Kopfbänder — wie
bei den alten Bauernhäusern in Isernhagen.
Die starken Eichenfachwerke sind noch gut
erhalten. Die jetzt einfach abgeschrägten
Balkenköpfe und Konsolen waren früher
reich profiliert und geschnitzt, wenigstens
deuten einige gut erhaltene Konsolen der
linken Langseite darauf hin. Die Konsolen und Balkenköpfe des Giebels
sind wahrscheinlich später abgeschlagen. Spuren einer solchen Verstümme-
lung sind noch gut erkennbar.

Bauten auf Gut Zehna bei
Güstrow in Mecklenburg.
Architekten: H. Distel & A. Grubitz, b.d.a.,
in Hamburg.
Hierzu Tafel 97/98.
Das Gut wurde im Sommer 1909
von Dr. W. Schrader in Ham-
burg angekauft. Es umfaßt annähernd
5000 Morgen. Die Baulichkeiten des
Hofes, welche aus dem Lageplan er-
sichtlich sind, waren beim Ankauf
ziemlich verwahrlost. Es fehlte so
gut wie alles, was zu einem land-
wirtschaftlichen Betriebe gehört. Mit
Ausnahme einer kleinen Tümpel-
leitung war weder auf dem Gutshof
noch im Dorf gutes Wasser zu haben.
Zum Dreschen war jedoch eine
Lokomobile vorhanden.
Die Tätigkeit der Architekten (H. Distel & A. Grubitz in
Hamburg) begann mit einer Anzahl Umbau- und Reparatur-
arbeiten, denen sich nacheinander neue Schweine-

Gittertüre in der Einfriedigung Architekt: Stadtbaurat Prof. H. Erlwein,
der Auferstehungskirche Ausführung: Karl Örtel Söhne
in Plauen bei Dresden. in Dresden.


Wirtschaftsgebäude auf Gut Zehna.
Eingang.

Architekten: H. Distel & A. Grubitz, b.d.a.,
in Hamburg.

Ställe, Fohlenställe, Hofscheunen, Remisen,
Arbeits- und Kutschpferdestall mit Arbeiter-
wohnungen, Feldscheunen und das Wirtschafts-
gebäude anschlossen. Nach dem Vorschlag der
Architekten wurde dieses zur Zentrale für den
ganzen Betrieb gemacht. An der Ecke mit weit-
ausbauendem Erker befindet sich das Wirtschafts-
bureau, so daß von da der ganze Hof überblickt
und beaufsichtigt werden kann. Dicht daneben,
mit bequemer Verbindung zum Bureau, liegt die
Wohnung des Inspektors; getrennt davon die
Wirtschaftsküche für die sämtlichen Arbeiter.
Da das Gut Zehna etwa 10 km von der
Bahnstation abliegt, auch kein Gasthaus im
Dorfe ist, wurde der Mansardenstock des Wirt-
schaftsgebäudes für Fremdenzimmer und zu
Wohnungen für die auf dem Gute arbeitenden
fremden Handwerker eingerichtet. Im Spitz-
boden sind die bei landwirtschaftlichen An-
lagen so wichtigen Räucher-, Fleisch- und
Apfelkammern usw. untergebracht, während im
Keller eine Kühlanlage geschaffen wurde. Im
Querflügel befindet sich die zentrale Wasser-
anlage, deren Wasserturm das Gesamtbild be-
herrscht und interessant macht, sowie die zen-
trale Kraftanlage mit einem Dieselmotor der
Firma Friedrich Krupp, Germaniawerft, in Kiel-
Gaarden. Der Kraft- und Beleuchtungsbetrieb
im ganzen Gatshof ist elektrisch und von den
Hanseatischen Siemens-Schuckert-Werken aus-
geführt worden. Im Unterkeller sind die Kessel
der zentralen Warmwasserheizung untergebracht,
die später vermittelst Fernleitung das Herrschafts-
haus mitheizen sollen. In den oberen Ge-
schossen des Querflügels befinden sich die
Wohnungen für den Gärtner und den Maschinen-
meister.
Das Zusammenfassen der ganzen Anlage
bedeutet im Betriebe eine außerordentliche Er-
loading ...