Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 3.1969

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zu seinem Suchen, und welche bereits den barocken
malerischen Charakter verlässt und uns in die Zeit nach
Kupecký und seine unmittelbare Epigonen führt, d.h.
in das letzte Viertel des XVIII. Jahrh.
Auf Grund des Angeführten wird das erste Mal fest-
gestellt, dass es sich um eine alte Kopie des Originals
handelt, das uns nicht erhalten blieb und von welchem
wir bisher nur durch die graphische Kopie Haiďs oder
deren Variante Kenntnis erlangten. Und zweitens und
insbesondere: Ján Kupecký malte das Porträt Matthias
Bél's zumindest in zwei Varianten, von denen eine
durch die graphische Reproduktion Johann Jakob
Haid's festgehalten wurde, während die andere durch
die neu entdeckte Kopie eines unbekannten Malers aus
dem Ende des XVIII. Jahrh. erhalten blieb, und in den
Sammlungen des Museums in Rimavská Sobota identi-
fiziert wurde.
Der Autor benützt die Gelegenheit, um im letzten
Teil seines Beitrages den Gedanken aufzuwerfen, inwie-
fern zwischen Ján Kupecký und Matthias Bei eine nähere,
bisher unbeachtete Beziehung bestanden haben könnte,
welche auch einige Momente aus der Lebensgeschichte
Kupecký's zu erklären imstande wären.
V on Kupecký ist uns bekannt, dass er ein geheimer,
nonkonformistischer Anhänger der religiös-politischen
Bewegung der Böhmischen Brüder gewesen war. Bei
M. Bei überrascht es wiederum, dass er im Laufe der
Zeit an der slowakischen Wiedergeburt mitgewirkt
hatte, und die hussitische Tradition hochhielt. Es ist
eine interessante Übereinstimmung der Ansichten und
eine der geistigen Fesseln zwischen den beiden Männern,
die einander, wenn schon nicht anders, anlässlich der
angenommenen Reisen Kupecký's aus Wien über Bra-
tislava in das Elternhaus im nahen Bösing kennengelernt
haben konnten. Ausserdem weist der Autor auf die
Psychologie der gesellschaftlichen Minderheitsgruppen

hin. Sowohl Kupecký als auch Bei waren Protestanten,
Angehörige einer unterdrückten Minderheit, die ihrer
Zukunft nicht sicher war. Die Teilhaber eines solchen
gemeinsamen Minderheitenschicksals wissen in der Regel
voneinander, namentlich wenn sie in führenden Stellungen
sind, und unterstützen sich gegenseitig, zumindest in
moralischer Hinsicht.
Unter Kupecký's Werken überrascht ziemlich das
Gemälde ,,Der Kuruzzer Kämpfer", mit welchem der
Maler im ganzen eindeutig seinen Standpunkt gegen den
Kaiser, gegen Habsburg offenbart. Es wäre nicht uninte-
ressant zu wissen, auf wessen Veranlassung Kupecký
dieses Bild gemalt, hatte, wer und wo ihm als Modell
stand usw. Es ist eine Frage, ob auf den Maler nicht eben
Matthias Bei in dieser Richtung eingewirkt hat? Denn
M. Bei wurde noch im Jahre 1709 in Banská Bystrica,
wo er vor Bratislava wirkte, von den siegreichen Kaiser-
lichen zum Tode verurteilt wegen Mitarbeit mit den
aufständischen Kuruzzen und erreichte nur mit Mühe
und Not seine Freilassung.
Es gibt noch ein Moment, das der Aufmerksamkeit
wert ist. Es ist offensichtlich, dass M. Bei, ein Anhänger
des Pietismus, den Verkehr mit der alten protestantischen
Freistadt Nürnberg aufrechthielt, wo im Jahre 1723
seine Programmschrift ,,Hungariae antiquae et novae
Prodromus" herausgegeben wurde. Es ist bestimmt
nicht ohne Interesse, dass sich eben an diese Stadt auch
Ján Kupecký wandte, als er sich entschloss, aus Wien zu
emigrieren und dass ihm der Nürnberger Senat die
Bewilligung zur Einwanderung im 1723 erteilte.
Der Autor ist sich dessen bewusst, dass es sich hier
vorläufig um Vermutungen handelt, die sich auf indirekte
oder vermittelte Andeutungen stützen. Deren Ziel besteht
darin^ behilflich zu sein, auf einige heimische Momente
und Zusammenhänge im Leben Kupecký's ein Licht
zu werfen.

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