Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 3.1969

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Zwanziger Jahre allmählich zu lockern. Damals
kamen viele aus den verschiedensten Emigrationen
heim. Diese schufen einen neuen Stromkreis, dem
sich ein Teil der fortschrittlichen Intelligenz
anschloss. Einige der in diesen Jahren entstandenen
Zeitschriften, die nach Beachtung im übrigen
Europa strebten, sind sowohl auf literarischem
wie auf künstlerischem Gebiet ein wichtiges Forum
für Aufsätze, die die neuen Ideen bekanntmachen.
Die Arbeiten des Bauhaus begannen bereits bei
uns bekannt zu werden. Zwar erreichten sie anfangs
nur im engsten Kreise positiven Einfluss; doch
war auch Gegnerschaft und Spott dazu gut, um
die Aufmerksamkeit zu erregen. An ihnen fehlte
es tatsächlich nicht, besonders bei den offiziellen
Bau-Stellen. Das kann nicht Wunder nehmen;
war doch damit ganze bauliche Anschauung in
Gefahr, ja, ausserdem auch noch ihr gesellschaft-
liches Ansehen!
Die Einbürgerung zeitgemässer Bau-Ideen
beginnt mit der Ausstellung der Arbeiten von
Farkas Molnár im Jahre 1925, die die allgemeine
Meinung stark bewegt hat. Anfangs brachten seine
Aufsätze in Fachzeitschriften und Tagesblättern
nur Tatsachenberichte über die im Ausland, vor
allem in Deutschland errichteten Wohnbau-Sied-
lungen, über die funktionellen baulichen Neuerun-
gen, über die Typisierung, von der Entwicklung
des neues Systems, und von den Arbeiten von
Gropius und Le Corbusier. Später erschienen
überzeugende grundsätzliche Aufsätze aus seiner
Feder: über die zeitgemässe Wohnung der kleinen
Existenzen, die Ausnutzung des Wohnraumes,
über die Städteplanung. Die Erweiterung der
Baugedanken auf das gesellschaftliche Gebiet
brachte in das Leben des Baufaches einen revo-
lutionären Klang. Die auf die neuen Ideen auf-
merkenden Architekten fanden Verbingung mi-
teinander in Zusammenkünften und trugen mit
ihren Diskussionen zu einer Bereinigung der Frage
von der Rolle des Architekten bei. Sie untersuch-
ten
1. den Zusammenhang zwischen Wohnung und
zeitgemässer Lebensweise,
2. die rationalen Bebauugsmethoden;
3. Die Planung funktioneller Städte beziehungs-
weise Siedlungen.
Im Jahre 1929 wurden mehrere von ihnen auf
den CIRPAC Kongress in Frankfurt eingeladen.
Heimgekehrt, gründeten sie dessen ungarische

Sektion. Ihren Gesichtspunkten entsprechend ver-
öffentlichten sie diesbezügliche Arbeiten von
Architekten in der CIPRAC Nummer des Archi-
tekten-Blattes ,,Ter es Forma" (RAUM und
FORM). 1929 bekommen sie Gelegenheit, ihre
Ideen zu verwirklichen und gelangen mehr und
mehr zu konkreten Aufgaben. Anfangs waren sie
besonders bei der Formung der Garten-Siedlungen
mit Einfamilienhäusern beteiligt. Die 1930—
1931 erbaute Mustersiedlung am Pasarét ist
bereits ihrem Eingebungen zu verdanken, wenn-
gleich viele der teilnehmenden Architekten die
modernen Formen hier nur nachahmten. Die
Arbeiten von Farkas Molnár, József Fischer und
von mehreren jungen Architekten hingegen dienten
nicht der Mode, sondern dem baulichen Fort-
schritt. In ihre Bauten ist bezeichnend: Eine
Komposition, die auf den gut proportionierten
Gesamtbau begründet ist, ferner eine Fassadenbil-
dung mit wohlprop ortionierten Fenstern und Wand-
flächen; ihre Grund und Aufrisse variieren, der Inne-
raum. das Interieur erscheint in seiner Formung ele-
gant funktionel. Sie studierten eifrig die Lebensweise
der einzelnen Villenbewohner, sowie den Platz,
auf dem das Bauwerk stehen sollte. Später ver-
wendeten sie, von ausländischen Erfahrungen
ausgehend, die Siedlungsformen der Zeilenbauten.
Eine bedeutende Leistung waren die Hochhäuser,
die die Arbeitsgruppe der fortschrittlichen Archi-
tekten an dem heutigen ,,Platz der Republik"
erbaute und die in Nord-Süd-Richtung gestellt
wurde. Auf der Ausstellung ,,Wie bauen wir gut,
billig und modern" von 1932 wmrden die neuen
Baumaterialien, Strukturen, Installationen, die
verschiedenen baulichen, Heiz- und Isolierungs-
Verfahren gezeigt. Alle Architekten brachten
Pläne von flachgedeckten Häusern, es gab Lösun-
gen mit Doppelhaus, zweifache Wohnungen, fer-
nen die vom Standpunkt der Städteplanung der
Zukunft so wichtige Lösung mit Zeilenbauten.
Über bereits geschaffene Bauten erschienen
Publikationen in ungarischen und in anderen
europäischen und auch japanischen Fachzeit-
schriften. Die Werke dieser Architekten spielten
auf mehreren internationalen Ausstellungen eine
Rolle; als Avantgarde-Leistungen riefen sie das
Interesse des Auslandes wach und zwar in solchem
Masse, wie niemals zuvor oder danach.
Die vielen wertvollen Schöpfungen der mit dem
Bauhaus in Verbindung stehenden, zielstrebenden

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