Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 3.1969

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Poznámky

í M. Lamač, Jíafevič u jeAo oAr-MA. Výtvarné umění
8—9, Praha 1967, 373.
s Kazimír Malevič, O wepredmehw?% weíe, Bratislava
1968,30.
3 O. Čep an, Afalevíčcv gMprewa^zwMa. Výtvarné
umění 8—9, 216.
4 Leták vitebského tvořivého výboru č. 1. Výtvarné
umění 8—9, Praha 1967, 394.
s „Moderně architektonické teorie vytvárajú nový
názor na architekturu minulosti, hodnotiac ju, členiac
a triediac nie podlá striedania dekoratívnych slohov
v ich tzv. volnej následnosti, ale podlá konštrukčných
systémov, materiálov a postulovaných funkcií, podlá
požiadaviek, ktoré spoločnost kládla na architektonické
diela. Tam, kde kritériom je funkčnost a specifická úče-

lovost, pýtáme sa nie po volnej následnosti mód, ale
skúmame, do akej miery je dom domom, dielňa dielňou,
obraz obrazom a báseň básňou so zretelom na potřeby
a požiadavky rozvrstveného konzumenta."
(K. Teige, sňw&y u &da?U, Praha 1966, 559.)
3 Tamtiež, 343.
? Estetika IV, Praha 1965, 348 (překlad V. Zykmunda).
SK. Teige, ahw&y n Praha 1966, 131.
s Múveszet dokumentációs központ kozleményei III,
Budapest 1967, 35.
7" R. Kalivoda, RredAovor A vý&erM 2 apfaov
aúw&y u Praha 1966, 9.
77 L. Kassák, čAweAu, Praha 1963, 40.
72 K. Teige, Nve% ahw&y u Praha 1966, 538.
73 Tamtiež, 123.

Der ost- und mitteleuropäische Konstruktivismus
im Lichte seiner programmatischen Theorien
(Versuch einer Komparatistik)
Wenn wir nur die Werke betrachten und programmatische Erklärungen beiseite lassen, so ergibt sich aus den
bisherigen Kunsthistorischen Forschungen, dass die Reliefs Tatlins aus den Jahren 1913 und 1914, am Beginn des
Konstruktivismus standen. Diese Werke schliessen sich einem bestimmten Zeitabschnitt des Kubismus an,
besonders an Picassos Material-Kollagen der Jahre 1912 bis 1914, mit denen sich Tatlin während seines Aufenthaltes
im Frühjahr 1913 in Paris, vertraut gemacht hat.
Die Oktoberrevolution bricht mit den romantischen Auffassungen von Kunst und Gesellschaft. Malevič
formuliert im Jahre 1920 die These: „Nicht der Pinsel, sondern die Feder ist das Werkzeug des Künstlers". Er
wird zum Organisator des neuen Kunstschulwesens, in den Mittelpunkt seines Schaffens steht jetzt die Architektur,
das Kunsthandwerk und die Typografie. ,,Weg mit der Kunst. Es lebe die Technik! Die Religion ist eine Täuschung,
die Kunst ist eine Täuschung! Hebt die letzten Verbindungen des menschlichen Denkens mit der Kunst auf!
usw . . .,, heisst es im Programm der konstruktivistischen und produktivistischen Gruppe vom Jahre 1918, das von
Tatlin, Rodčenko, Stepanová u. a. unterzeichnet wurde. Zum Unterschied von dieser Gruppe, der sog.
„Veschtschetnitzi", vertritt die Gruppe um Gabo und Pevsner in ihrem sog. Realistischen Manifest, Ideen, die
später auch Kandinskij in seinem Essey „Über das Geistige in der Kunst" vertreten hat. Diese Ideen basieren auf
philosophische Ansichten von Tschernischewskij,resp. auf Feuerbach und antizipieren die klassische Abstraktion, sind
also kaum mit dem Konstruktivismus vereinbar.
Der spezifisch mitteleuropäische Konstruktivismus ist ein bewegliches Phenomen. Er zeigt sich anders im
Vergleich zum osteuropäischen, und anders, wenn wir ihn mit dem deutschen, holländischen oder westeuropäischen
Konstruktivismus vergleichen wollen. Sein besonderes Faktum ist, im Vergleich mit dem westeuropäischen
Konstruktivismus, der Einfluss der Folklore und der nationalen Volkskunst, welche z. B. in der Slowakei, die
Grundbasis dieses vorwiegend internationalen Stils kennzeichnet.
Bei der kunsthistorischen Eingliederung des mitteleuropäischen Konstruktivismus ist beachtenwert, dass er sich,
zum Unterschied vom westeuropäischen Konstruktivismus, vom Expressionismus distanziert und nicht vom
Kubismus und Futurismus, wie es z. B. in Russland und auch im Westen der Fall ist. Dieser laute antiexpressio-
nistische Ton ist nicht nur im Bauhaus zu verspüren, sondern auch bei den polnischen Formisten und bei K. Teige
und dem tschechischen Devětsil.
Auch das Pathos vom Handwerklichen und ein gewisses theoretisches Ethos, fasst bis an die Spitze getrieben,
ist ein Charakteristikum des mitteleuropäischen Konstruktivismus. Doch die dreissiger und vierziger Jahre, in
welchen der Surrealismus seine Hegemonie erreicht, haben die Ungültigkeit eines jeden, ausserhalb der Ästhetik
stehenden Dogmatismus, erwiesen.

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