Deutscher Wille: des Kunstwarts — 30,1.1916

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Ich sah die schwarzen Schatten tanzen,
im Herz quoll auf Gebet und Fluch —
da riß ich gierig aus dem Ranzen
ein abgegriffnes schmales Buch.

Und bei der blassen Abendröte,
die schüchtern durch das Trübe brach,
las ich im guten Wolfgang Goethe
die kleinen Frühlingslieder nach.

Ich weiß nicht, was sich in mir dehnte,
da brach um mich der harte Zwang,
ich weiß nicht, was sich in mir sehnte
im wunderlichen Äberschwang.

Da schrie in mir die Lust zum Leben

und jubelte ihr Gloria,

sich tausendfältig zu erheben

und — war noch nie dem Tod so nah.

Da fühlt ich aus dem wilden Wehen,

aus all dem Quall und Schall der Wut

sieghaft den neuen Mensch erstehen:

edel, hilfreich, gut. Max Barthel

chmter der Schlacht
M ls ich so durch die Straßen ging,

^besah ich zärtlich jedes Ding.

Der tzäuser wohlgefügte Wand,
der Fenster abendlichen Brand,
das Kind, das durch die Gassen sprang,
der Frauen leidbeschwerten Gang,
und wo ich wanderte und schritt,
da ging ein stilles Leuchten mit.

Sonst sehnst du dir die Seele wund
und liegst im Graben wie ein tzund,
im Sprenggranatenzisch und --Braus —
und hier steht ruhig tzaus an tzaus,
das Ackerland, das Wiesenland,
der Friede und die Mädchenhand ...

And du? und du? das Leben lacht

und hat mich wieder stark gemacht. Max Barthel

Vom Heute fürs Morgen

Pflicht

in russischer Novellist erzählt in
der immer wieder überraschend
wirklichkeittreuen Art der Russen die
Geschichte des rechtlichen Polizisten
N., der seine Lebensaufgabe darin
erblickt, Rechtwidrigkeiten zu ver-

hüten. Auf der SLraße schlägt ein
Iunge den andern; N. eilt herzu
und verfolgt den Schläger, mit Auf-
opferung der Behaglichkeit seines
fetten Körpers holt er ihn ein
und bringt ihn vor Gericht. Eine
Schnapsverkäuferin benutzt ein tzohl-

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