Deutscher Wille: des Kunstwarts — 30,1.1916

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hauses, 326 von den 383 höheren Beamten der Regierungen der Einzel»
staaten, 2^2 von 277 Oberrichtern und Richtern der obersten Gerichtshöfe
der Einzelstaaten, 29 von 32 Generalen des amerikanischen Heeres. Diese
überwiegend angelsächsische Abstammung des Führertums im Volk der
Vereinigten Staaten erklärt zur Genüge die deutschfeindliche tzaltung
Amerikas im Kriege. Freilich, sie schließt durchaus nicht aus, daß dieses
Führertum nicht auch Lngland gegenüber tatkräftig besondere amerikanische
Interessen zu wahren wüßte. Englands Weltmachtstellung muß zwar
geschützt werden, denn was diese erschüttert, erschüttert auch die herrschende
Stellung des Angelsachsentums in den Vereinigten Staaten. Deswegen
kann aber doch das britische Weltreich dem angelsächsisch regierten Amerika
botmäßig gemacht werden. Das britische Weltreich und die britische Welt»
macht sollen erhalten bleiben, aber unter mehr oder weniger verschleierter
Vormundschaft und Führung Amerikas. Dahin zielen auch die Schieds--
vertragsvorschläge, die Amerika bei den kommenden Friedensverhand»
lungen den europäischen Staaten machen möchte. Britische Seeherrschaft
und amerikanisch-britisches Welthandelsmonopol, „Freiheit der Meere",
soweit amerikanische Boden«, Rohstoff- und Geldmonopole eine Seeherr-
schaft an und für sich überflüssig machen, Unantastbarkeit der Vorherrschafts-
ansprüche der Rnion in ganz Amerika, schiedsgerichtliche Erledigung von
Streitfällen über Zustände und Vorgänge in Ländern, wo die Union
militärisch schwach, europäische Mächte oder Iapan aber stark sind: das
sind die tzauptrichtlinien der amerikanischen - Friedenspolitik. Und das
amerikanische Kriegsflugwort: „Amerika wird diesen Krieg gewinnen!"
kann sich erfüllen, wenn die europäischen Kriegsteilnehmer den amerikani-
schen „Pazifismus^ nicht mit seinen eigenen Waffen zu schlagen, wenn
sie amerikanischen Schiedsvertrags- und ähnlichen Vorschlägen nicht andere
Vorschläge gleicher Art entgegenzusetzen wissen, die dem Ideal eines
dauernden europäischen oder eines Weltfriedens näher liegen. lm'!

OttoCorbach

E

Botho Sigwart

r ist jung gestorben. Kameraden haben ihn schwer verwundet vom
Schlachtfeld getragen. Als dann die Nachricht von seinem Tode
durch die Blätter ging, da erinnerte sich wohl der und jener, in
Musikberichten dem Namen Botho Sigwart schon begegnet zu sein,
die Allgemeinheit aber wußte kaum um den Künstler und sein Werk.
Woher hätte sie die Kenntnis auch haben sollen! Federgewandte Freunde,
die sein liebenswürdig stilles Talent zum Genie aufgeblasen der Mitwelt
in begeisterten Feuilletons aufgedrängt hätten, standen nicht um ihn, und
ihn selbst hielt zarte Scheu davor zurück, die Öffentlichkeit mit seiner Person
zu behelligen und eine Figur in der Reklamekomödie der jungen Tonsetzer
von heute zu spielen. So kannten ihn nur die wenigen, die aufgehorcht
und sich seinen Namen gemerkt hatten, als sie im Konzertsaale oder bei
anderer Gelegenheit seinen „Marienliedern^ begegnet waren. Diese fan-
den den Weg in die Offent'lichkeit ziemlich rasch, nachdem eine Anzahl vorher
erschienener Gesänge kaum Beachtung gefunden hatte. Auch ein Streich-
quartett, das Henri Petri noch aus der Taufe gehoben hatte, wurde ge-
legentlich von berühmten Kammermusikvereinigungen gespielt, und Wüllner
Erug an verschiedenen Orten ein größeres Bruchstück aus der Ilias mit der

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