Deutscher Wille: des Kunstwarts — 30,1.1916

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nenlernen der alldeutschen Melnun-
gen sollte nicht ein „Deutsches
Dageblatt^ empfohlen werden (das
es gar nicht gibt)> sondern natür-
lich die „Deutsche Tageszeitung". —
In dem draußen an der Front
ohne literarische Hilfsmittel ge-
schriebenen Aufsatz „Kriegs-Philoso-
phie aus dem Schützengraben", den
wir im zweiten Augustheft brachten,
sind einige Zeilen Hebbels falsch
angeführt worden. Sie lauten rich-
tig: „Des Weibes Keuschheit geht
auf ihren Leib, Des Mannes Keusch-
heit geht auf seine Seele, And eher
zeigt sich dir das Mägdlein nacktz
Als solch ein Iüngling dir das Herz
entblößt."

Eintracht

ist ja alte historische und be-
^trübende Wahrheit, daß es eine
größere Kampfesfreude für den
kampfesmutigen Deutschen überhaupt
nicht gibt) als den Streit mit dem
eigenen Landsmann. Der Streit mit
dem Landsmann ist ja ein natio-
naler Sport, wie bei uns, so auch
bei andern Völkern der Welt; ein
Bürgerkrieg ist immer das Fürchter-
lichste, was man haben kann, in
allen Ländern; aber bei uns Deut-
schen noch fürchterlicher, weil er bei
uns mit mehr Liebe durchgefochten
wird wie jeder andere Krieg.

(B i s m a r ck im Herrenhaus am
23. März (887.)

Unsre Vilder und Noten

ir bitten den Leser, das steindruckartige Blatt vor unserm Hefte
ein wenig anch auf die Technik der Vervielfältigung zu würdigen;
man darf es schon ein Kunstblatt nennen, es ist auch keine Farben-
autotypie. „Alte Stuben" von Fritz Beckert — als sie eingerichtet
wurden, mag der Korse im Land gewesen sein. Beckert ist ein Binnenraum-
Maler, wie wenige sind: er malt auf das Malerische, aber nicht nur aus
das Malerische hin, er hat auch ein feines Gefühl für die Stimmung der
Bewohner und stellt uns so mit jedem seiner Bilder einen „Genius loci"
vor. Der Ortsgeist dieser Räume hier war kein Protzengeist. Prunkhaft
ist in dieser Ginrichtung nichts, als etwa die Doppeltür, die auf das Be-
dürfnis deutet, zwei Räume zur Gesellschaft zusammenzuziehn, im übrigen
ist alles schlicht. Aber von wie feiner Kultur ist es! Zugleich von welcher
Heiterkeit und von welcher Ruhe! Wollen wir uns nicht doch daran ge-
wöhnen, statt von Biedermeier-Zeit von Goethe-Zeitzu sprechen? Ls
ist doch sinnlos, mit einem alten Spottnamen eine Zeit zu beantworten, die
in so vielem Wichtigen eine deutsche Blütezeit war.

Das zweite Blatt zeigt uns mit dem Bildnis eines Soldaten von Willy
Geißler den neuen Stahlhelm, von dem in der RundMau unsres
Heftes gesprochen wird.

Hinten vier Studienblätter von Otto Greiner, dem eben Verstorbe-
nen, dem dieses Heft einen kurzen Nachruf widmet. Es sind vier Proben
nach der von tzans Singer in Baumgärtners Buchhandlung zu Leipzig
herausgegebenen Sammlung „Zeichnungen von Otto Greiner", dem vierten
Bande der „Meister der Zeichnung". Wir empfehlen den Band. Auf
andre Greinersche Blätter kommen wir vielleicht später zurück.

Die Kopfleiste dieses Heftes ist von Otto Bauriedl gezeichnet.

^ber die Notenbeilage wird in dem Rundschaubeitrage von Lugen Meh-
^ler über Hans Pfitzners „Klage" gesprochen.

herausgeker: Qr K o. sserd. Avenarius in Dresden-Blasewitz; verantwortlich: der Herausgeber —
Verlag von Georg D. W. Lallwey, Druck von Kastner L Lallwey, k. Hofbuchdruckerei in München —
In Ssterreich-Ungarn sür herausgabe und Schriftleitung verantwortl.: vr. Richard Batka in Wien XIII/«
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