Deutscher Wille: des Kunstwarts — 30,1.1916

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Der neue „Gesundbrunnen"
ist da!

^er neue Iahrgang des „Gesund-
^brunnens^, der für M?, ist da!
Der Volkskalender des Dürerbun«
des gehört zu den wenigen deut-
schen Buch-Anternehmungen, die
der Krieg gefördert hat: seine
Verbreitung hat so stark zugenom-
men, daß wir diesmal schon die erste
Auflage mit 70 000 wagen durften.
Besonders in den Schützengräben
ist er gut Freund geworden, mögen
nun die Leser das ihrige tun, um
durch weiteste Verbreitung des neuen
Iahrgangs die Volkskalender«Be»
form überhaupt zu fördern, wegen
welcher er da ist. Der „Gesundbrun-
nen^, der jetzt 75 Pfg. kostet, leistet
nach dem „tzeb mich auf!", das den
Schulentlassenen statt zu Kneipe und
Schundkino den ersten Weg zu edle«
ren Freuden weisen soll, die brei-
teste Vorbereitung im deutschen
Volke aller Parteien und Konfessio-
nen für „Dürerbundarbeit" über-
haupt. Aber seine Güte brauchen
wir wohl nicht zu reden, nachdem
sie von Männern aller Richtungen
mit soviel Wärme anerkannt ist.
Also wir bitten: den Gesundbrun-
nen zum Feste möglichst oft ins
Feld: daß er da willkommen, ist er-
wiesen. Ferner: unter möglichst
viele Tannenbäume! Und schließ-
lich: mit zwei Worten darin an
recht viele als Neujahrsgruß!

Dürerbund

Freiheit

^v-'ur der gute Wille ist frei. Es
^^gibt keine freien Institutionen
und Gesetze; denn die nützen dem
nichts, der nicht den Willen oder
nicht die Kraft zur Freiheit hat.
Wo aber Wille und Kraft vorhan-
den ist, da ergibt sich eine entspre-
chende Verfassung ganz von selbst.
Wer nicht tzerr ist über die schlechten
Triebe seiner Batur, der kann auch
eine politische Freiheit nicht ver-
stehn, geschweige denn zu seinem
Vorteile gebrauchen, dem wird sie
im Gegenteil gefährlich; denn wo die
Freiheit fehlt, da führen die Frei»
heiten zum Verderben. Freiheiten
ohne Freiheit sind vom Baume ge-
stobene Blüten, mit denen die Winde
spielen. (Ls gibt Dinge, die nie
frei sein dürfen, wenn die Freiheit
gedeihen soll: die animalen Triebe
unserer Ratur. Sie gehören nicht
in das Gebiet der Freiheit hinein,
wohl aber helfen sie es bauen, wenn
sie, bezwungen und gelenkt vom
überlegenen Willen, ihre gewaltigen
aber blinden Kräfte einem höheren
Zweck unterordnen. Nur der Geist
kann frei sein. Nur aus dem In-
nern erbaut sich die Freiheit. Lin
Volk ist frei, wenn es die Kunst ver-
standen hat, die Gesetze des innern
Lebens zu Richtlinien des äußern zu
erheben, wenn es in seiner politi-
schen Betätigung den Prinzipien des
Geistes Ausdruck gibt.

tzermann Kutter

Unsre Bilder und Noten

ans Lichtenbergers „Karolinenplatz^. Schnee, Regen drein,
und dasjenige darüber, was man in London die „Erbsensuppe" nennt,
das Gemisch aus Nebel und Rauch. Sähe man aber zu eben dieser
Stunde von einem Alpenvorberg über Land, so leuchtete rings das feier-
liche Blau mit der strahlenden Sonne, und nur ganz drunten, eben über
München hin flösse die „Suppe", schöner gesagt: schwebte das Rebelmeer.
Sehn wir doch hin: da oben erkennt man ja die Sonne von hier unten auch!
Rnd überhaupt: häßlich ist es doch im Rebel wahrlich nicht. Nicht ein-
mal in einer SLadt und an einer Stelle, wo der Nörgelmann vielleicht

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