Deutscher Wille: des Kunstwarts — 30,1.1916

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Ick weet en simpel Liedje ...
Twee Worden sein genuch,
om't Liedje samtefatten:

Te laat erst, dann te fruch!

Een Flinder, all lang gestorven,
ehr de moiste Ros ontbluit ...

Len Rosje, iverflenzt en verdorven,
ehr de Flinder het Flerkje ontpluit ...
klagt sutjes, Fedelsnaren,
de Lente is lang vorbei,
de Somer is hengefahren,
tzerfst en Winter nahbei ...

Klagt sutjes, Fedelsnaren!

All»Trörnis is nahbei
vor mei . . .

Speelt sachtjes, Fedelsnaren,
weent sutjes, sutjes äut!

Speelt sachtjes, Fedelsnaren ...

— Snickt diepe Smart wel läud?
De Snaren sein all gesprongen ...
De Somer is vorbei,
mein Liedjen is äutgesongen,
tzerfst en Winter nahbei ...

De Snaren sein all gesprongen ...
All-Trörnis is nahbei ...
nahbei. PoldeMont

Flinder — Falter; moiste — schonste; Flerkje ontpluit — Flügel entfaltet;
snickt — schluchzt; läud — laut.

Vom tzeute fürs Morgen

Verbündung als praktische
Kulturpolitik

enn sich Menschen zu einem
Bunde zusammentun, so Pslegt
das in den ernsthafteren Fällen zu
einem bestimmten Zweck, mit einem
nach Möglichkeit klar umrissenen
„Programm" zu geschehn. Was dem
Programm nicht entspricht, wird ab-
gelehnt. So haben wir in unserm
öffentlichen Leben zahllose Vereini-
gungen, deren Programme neben
viel Trennendem auch manches
haben, das ihnen gemeinsam ist.
Aber dieses Gemeinsame bearbeiten
sie nicht gemeinsam, sondern jeder
für sich; eben weil sie „so vieles
trennt", lehnen sie mit dem Tren«
nenden auch das Gemeinsame ab.
And da liegt unsrer Mei»
nung nach ein tzauptfehler
der praktischen Kulturpoli-
tik.

Beispiele: Der Konservative ist
für tzeimatschutz, weil er die Volks«
tumswerte der tzeimat wahren will.
Der Sozialdemokrat ist gleichfalls
dafür, weil der Arbeiter die Ver»
unstaltungen von Stadt und Land,

die ein nach äußerlichsten Nützlich-
keitserwägungen arbeitender Kapi-
talismus hervorruft, verurteilen
muß. Es ist aber durchaus nicht
leicht, beide so zusammen zu bringen,
daß sie in der gleichen Organisa-
tion für tzeimatschutz arbeiten. Oder:
der gläubige Katholik ist für ge-
diegene Volksliteratur, der aufge-
klärte Liberale nicht minder. Aber
es ist ein schwieriges Kunststück, beide
soweit zusammenzubringen, daß sie
in der gleichen Organisation sür die
Verbreitung wenigstens der Volks-
literatur arbeiten, die sie beide
für vortrefflich halten. Wär es
anders, wir hätten längst schon
ganz andre Vertretungsmöglichkei-
ten gegen die Nur-Geschäftsleute,
wenigstens für das, worüber wir alle
einer Meinung sind.

Daraus ergibt sich als Aufgabe:
eben das, was allen gemeinsam als
gut und fördernswert erscheint, aus
den trennenden Gegensätzen rings-
um herauszuheben und die verschie-
denen Kräfte aus den verschiedenen
Lagern für das, was sie ja alle
wollen, zusammenzuspannen. Bei-
spiel: Außer dem, daß jede poli-
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