Deutscher Wille: des Kunstwarts — 30,1.1916

Page: 226
DOI issue: DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/deutscherwille30_1/0280
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Wir wollen uns auch im Kriege nicht nur die „Großkultur", wir wollen
uns auch die „Feinkultur" nicht schmälern lassen. Aber damit ist das
nicht getan, daß wir es mit oder ohne Pathos sagen. Wir müssen diesen
Bestrebungen auch durch gelegentliche Ankäufe dienen. Ich rate einfach
praktisch, sich solche Bücher bei Gelegenheit häufiger anzusehn. Man lasse
sich doch zunächst einmal von den genannten Verlegern ihre Kataloge
kommen! A


Cant und Geschäft

Wieder etwas zum Thema „Das Bild in der Weltlüge"

^^^^einer Ansicht nach werden die letzten hundert Millionen diesen
^R/Krieg gewinnen", sprach seinerzeit Lloyd George. „Wir haben
^'^d'schon früher mit silbernen Kugeln gesiegt, wir gaben Europa Geld
in dem größten Kriege, der bisher je geführt wurde, und dieser Krieg wurde
gewonnen." „Wir^ können das auch, ergänzen wir, es ist nämlich Ge«
schäftsanlage, denn: „Wir werden nicht nur unsern eigenen tzandel, aus»
genommen den mit europäischen Ländern, vollkommen behalten, sondern
auch einen großen Teil des feindlichen tzandels hinzugewinnen, so daß
sich bald eine Menge Beschäftigung ergeben wird." Aber trotzdem: wer darf
von einem Kriege der Konkurrenz reden! Iohn Bull erklärte den Krieg,
um das edle, aber schwache Belgien vor einer Verletzung seiner Neutralität
zu schützen. Diesen Schutzkrieg für Belgiens Freiheit führte er für solchen
Zweck eigenartig, das ist wahr. Daß er unsre tzandelsschiffe kaperte, war
alter schlechter Brauch, wir müssen's auch so machen und verdenken's ihm
nicht. Daß er beim Fahnden auf Germans und ihr Gut gelegentlich die
Rechte der Neutralität verletzte, ging ihm sicherlich sehr gegen's Gemüt, da
er doch vom Fall Belgien her so feinfühlig in Völkerrechtsachen war. Daß
er die Einfuhr deutscher Waven sperrte, sieht gewiß nur ein ganz klein
wenig nach Geschäftskrieg aus. Aber im Ernst: ist der Krieg einmal er«
klärt, so muß ja jedes ehvenhafte Mittel recht sein, das den Gegner viel-
leicht zum Nachgeben zwingen kann. „Iedes ehrenhafte?^ In dem Punkte
denkt Iohn Bull nun mal anders. Sie sind so damned erfinderisch, die
Germans, sie haben so viel Patente. All right: pfeifen wir auf die Ab-
machungen über Patente, erklären wir den Diebstahl am geistigen Eigentum
der Deutschen erlaubt. Der Patentschutz wird aufgehoben, aber das ge-
nügt noch nicht. Setzen wir Ausschüsse ein, um die Nachahmung deutscher
Patente zu fördern, anders ausgedrückt: rufen wir nicht nur auf zur
Gaunerei, organisieren wir sie mit staatlicher tzilfe! Es gibt nun sozu-
sagen: königlich großbritannischeDiebstahl-Verwertungs-
Amter. Noch nicht genug: das geht nach Iohn Bulls Ansichten unmöglich
an, daß der Angehörige eines Landes, so da Belgiens Neutralität ver-
letzte, von einem Briten Schulden bezahlt bekommt. So wird verboten,
Schulden nach Deutschland zu bezahlen. Und immer noch nicht genug:
es wird als ein Verbrechen erklärt, als ein mit Gefängnis zu ahnden-
des Verbrechen, daß einer gegen Deutsche in Deutschland seinen gesetz-
lichen und moralischen Geldverpflichtungen jetzt entspricht. Nun habt
ihr Vollmachten für fair play, nun zieht hinaus, ihr frischernannten könig-
lich großbritannischen Kommissionen, die ihr in den neutralen Ländern
studieren sollt, wie man am ausgiebigsten englische Waren da einführe,
wo die Leute zwar deutsche haben wollen, aber dank eurem Befreiungs-

226
loading ...