Deutscher Wille: des Kunstwarts — 30,1.1916

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sollen wir denn mit den Ausdrücken
nicht abwechseln? Wir haben nicht
einmal etwas dagegen, wenn andre
Blösf, Blaff oder Bluff sagen. Wir
bitten nur auch für uns um Gnade.
Mit dem tzinweis auf „Regeln"
das Leben der Sprache einschrän»
ken? Das machen wir nicht mit.
Eine Sprache lebt vom Anbewuß-
ten, vom Sprach gefühl. Und nun
von dieser Kleinigkeit genug! — A
In dem Beitrag „Klatsch und
Geschichte" im zweiten Oktober--
heft ist ein störender Druckfehler
stehen geblieben. Statt: „Diesmal
aber ließ es sich immerhin ver«
meiden" muß es heißen „... ver--
wenden^.

Einer in allen

-^ind wir Bürger, das heißt or-
^ganisch eingefügte Glieder eines
Gemeinwesens, so geht jeden ein--
zelnen von uns die Krankheit jedes
Teiles dieses Gemeinwesens genau
soviel an, wie das tzerz die Krank-
heit des Kopfes oder die tzand das
Abelbefinden des Fußes angeht.
Kein Glied leidet, ohne daß das
Ganze leidet. Darum hat jedes
Glied das Bestreben und die Be--
fugnis, jedem andern Gliede von

dessen Krankheit zu helfen. Daraus
folgt mit zwingender Notwendigkeit,
daß jedes im Staate geschehende
Anrecht nicht bloß den einzelnen
trifft, dem es zugefügt wird, nicht
bloß das stark unpersönliche Ganze,
in welchem es vorkommt, sondern
durchaus jeden, neben dem es ge«
schieht. Ls ist schiere Albernheit,
nicht ans Löschen zu denken, wenn
des Nachbarn tzaus brennt: denn
eine Wendung des Windes, ein
verzettelter Funke kann mein eige--
nes Dach in Flammen setzen. In
der moralischen Welt haben wir es
noch dazu nie mit einem Neben-
einander, sondern stets mit Orga-
nismen zu tun, deren Glieder sich
weit näher angehn als die tzäuser
von Nachbarn: das Gute wie das
Böse ist nun einmal nach Zarathu--
stra und dem Evangelium ein Reich.
Aberdies ist ein Gift stets um so
zerstörender, je höher der Ort ist>
in welchem es erzeugt wird. Die
aus Menschen entstandenen Mias--
men sind auf physischem wie ethi--
schem Gebiete gefährlicher als alle
andern Miasmen und darum un--
bedingt sofort, wo sie sich zeigen,
zu verjagen und, wenn es irgend
angeht, zu vernichten. Lagarde

Unsre Bilder und Noten

eröffnen das tzeft mit einem Bildnis von Leibniz, das
Ficquet gestochen hat.

Im Text ist ein Beiträglein zugunsten der tzunde — unterstützen wir's
durch ein Hunde-Bild des in Dresden lebenden Deutschböhmen Emanuel
tzegenbarth. Der ist besonders geschätzt, weil er ein guter Maler
ist. Er ist aber auch ein trefflicher Tierkenner. Das ist einer tzundeseele
nichts leicht Erträgliches, solch einen frechen Doggenstöpsel den Napf aus--
schlecken zu sehn — was soll man aber machen, wenn der tzerr: „wollt
ihr wohl!" sagt. Wie die beiden Großen ernst im „Stillgesessen" ver-
harren, das hat tzegenbarth lustig gefühlt und ohne jede Aufdringlichkeit
mit tzumor belebt.

Die Illustrationen gehören zu dem Beitrag über neuen Bilder-
mißbrauch der Entente.

Die Kopfleiste und das Schlußstück sind von Emmy Singer, und
zwar aus dem hübschen Buche tzans Klöpfers „Vom Kainachboden^, das
bei Nlrich Moser in Graz erschienen ist.

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