Deutscher Wille: des Kunstwarts — 30,1.1916

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Loö des Meeres^

„Die See ist die Hochstraße des Erdballs. Die See ist der Paradeplatz
der Nationen. Die See ist der Tuminelplatz der Kräfte und des Unter-
nehmungsgeistes für alle Völker der Erde und die Wiege ihrer Frei«
heit. Die See ist die fette Gemeindetrift) auf welche alle wirtschaftlichen
Nationen ihre Herden zur Mastung treiben. Wer an der See keinen
Teil hatz der ist ausgefchlossen von den guten Dingen und Ehren der Welt,
der ist unseres lieben Herrgotts Stiefkind. In der See nehmen die
Nationen stärkende Bäder, erfrischen sie ihre Gliedmaßen, bilden sie ihren
Geist und machen ihn empfänglich für große Dinge, gewöhnen sie ihr
körperliches und geistiges Auge in weite Fernen zu sehen, waschen sie
sich jenen Philisterunrat vom Leibe, der allem Nationalleben, allem

Nationalausschwung so hinderlich ist.. Seefahrende Leute lachen

über das Hunger- und Sparfystem am Boden kriechender Nationalöko-
nomen, wohl wifsend, daß die See an guten Dingen unerschöpflich ist
und daß man nur Mut und Kraft haben müsse, sie zu holen. ... Die
Flagge ist die Seekrone der Nation. Man setze der deutschen Nation
die Krone auf und das übrige wird sich finden.^

„Daher weist auch die Geschichte kein einziges Beispiel auf, daß ein
versklavtes Volk sich in der Schiffahrt hervorgetan HLLLe/

Vom Heute fürs Morgen

Denkt ans nächste Jahr!

nsre tzeere halten durch, es wird
wohl auch im gesamten Zehn«
bunde keinen wirklich Rnterrichte--
ten geben, der noch an ein militä«
risches Besiegen Deutschlands glaubt.
Die tzoffnungen derjenigen unsrer
Feinde, die nicht im Rausche den-
ken, richten sich ausschließlich aufs
Aushungern. Wie steht es damit?
Die Ernte war größer als seit lan-
gem, und auch der Viehstand hebt
sich wieder. Anderseits wird Ru-
mänien, wenn wir's besetzen, als
Nährquelle zunächst doch nur tröp--
feln, und die Zufuhr über die Gren-
zen nächstes Iahr wahrscheinlich ge«
ringer werden, als voriges und die-
ses. Die Meinung der Sachverstän»
digen ist einstimmig: kein Zweifel,
daß wir durchhalten können, so-
gar besser als letztes Iahr, aber nur
unter der Bedingung guter, will
sagen: besserer Wirtschaft, als
bisher.

Wilhelm Böhmert hat das neu«
lich an Beispielen ausgeführt. Wir
brauchen unabweislich und brau-
chen schleunigst ein weit intensive-
res tzeranziehen des tzafers zur
Menschennahrung, eine Sicherung
jetzt noch unbeschlagnahmter Vor-
räte für Menschenbedarf, eine Um-
einrichtung industrieller Werke für
neue Getreidepräparate aus tzafer
und Gerste, und man könnte dafür
gerade die Bierbrauereien benutzen,
die jetzt noch in unbegreiflich weitem
Maß Getreide verbrauen dürfen.
Warum zögert man mit solchen Ein-
griffen jetzt zur Kriegszeit, wo man
doch alle Macht dazu in tzänden
hat? Wir wollen uns nicht als
Sachverständige aufspielen, wo wir
durchaus nur Laien sind, es wird
aber keiner bestreiten, daß es an
Mißgriffen und an Unterlassungen
in Sachen der Kriegsernährung nicht
gefehlt hat. Die Gefahr, daß der
rechte Zeitpunkt verpaßt werde, b e-

^ Dieses zeitgewäße Stück haben wir bereits L908 (XXI, ttz in weiterem
Amfang abgedruckt.
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