Deutscher Wille: des Kunstwarts — 30,1.1916

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in denen solche Personen vorkom«
rnen; Bücher, die geeignet sind, zu
zeigen, daß das Schicksal solcher
Menschen nicht einen Verzicht aus
ein wertvolles, inhaltreiches Leben
bedeutet. Der Dürerbund möchte
eine Liste solcher Schriften zusam-
menstellen. Wir bitten um freund»
liche Mithilfe. Angaben über ge«
eignete Sachen wolle man mit der
Anschrift: „Arbeitsausschuß des

Dürerbundes (Schriften für Kriegs-
wunde)inDresden-Blasewitz^ senden.

Der Sieger rnächt die Ge^

schichte

ber die Gebühr schmählich wird
^euer Andenken ausfallen in der

Geschichte, wenn ihr keine laute Bach-
kommenschaft habt, und der Sie«
ger eure Geschichte macht.
Noch niemals hat ein Sieger Nei«
gung oder Kunde genug gehabt, um
die Äberwundenen gerecht zu beur»
teilen. Ie mehr er sie herabwürdigt,
desto gerechter steht er selbst da. Wer
kann wissen, welche GroßLaten, welche
treffliche Einrichtungen, welche edle
Sitten manchen Volkes der Vorwelt
in Vergessenheit geraten sind, weil
die Nachkommen unterjocht wurden,
und der Äberwinder, seinen Zwecken
gemäß, unwidersprochen Bericht über
sie erstattete. Fichte

Unsre Bilder und Noten

^^in Bild tiefen Friedens diesem Iahrgange zum Geleit — hoffen
UVf*wir: zum guten Zeichen! Man braucht nicht zu wissen, daß Ernst
^»^Kreidolfs „Großvater^ ein Mann war, der in seiner Iugend
den Weg durch einen Wald gern oben in den Baumkronen machte, der im
Geruch übernatürlichen Linflusses auf die Vogelwelt stand, und der noch
als Neunziger zu den Strammen gehörte — und spürt doch vor diesem
Bilde etwas Besonderes. Nicht etwas Märchenmäßiges — jenes seltsam
traummäßige Ambilden der Wirklichkeitsformen, das sich bei Kreidolf
sofort einstellt, wenn er Märchenhaftes gestaltet, fehlt ja hier. Aber doch
etwas Besonderes, wie wir es bei den Bildern unsrer eigentlichen Bauern-
schilderer nicht finden. Der Alte, sein Stuhl, sein tzausrat, es ist alles
bildnismäßig getreu zu sehen, aber wir denken doch nicht an „Inventar".
Also ist es durch die Komposition mit Massenverteilung, Licht, Farbe zu-
sammengehalten? Das ist es schon, aber es könnte noch viel „geschickter",
viel „effektvoller", viel „malerischer" sein und wäre doch weniger künstle-
risch. Kreidolf, der durch Bilder genug bewiesen hat, daß er das andre
alles auch könnte, verzichtet hier auf jedes Betonen solcher Wirkungen.
Nicht, um bewußt der Gefahr zu entgehen, der die weit überwiegende
Mehrzahl unsrer Bauernmaler erlegen ist: entweder sentimental oder
volkskunstgewerblich oder kostümfachmäßig oder theatermäßig zu erscheinen.
Sondern aus Ehrfurcht vor der Sache. Er lebt diesen Alten
mit, in seiner Nmwelt, lebt ihn in seinem kleinen Reich wie er, der Alte,
es auffassen mag, und dieses Erleben ist dem Künstler zu viel wert, als
daß er es nur zum Anlaß öder gar zum Vorwand für etwas anderes neh«
men möchte. Das ist es, was dem Blatte das Intime gibt, das jeden,
der's erst einmal verspürt hat, festhält.

Nach dem Frieden der Krieg, und, um den Gegensatz voll zu machen,
nach einem „Alten" die Moderne! Wenn die Moderne nur wirklich
immer spräche wie Nosa Nlsamers „Sturm auf die Kirche^ das

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