Deutscher Wille: des Kunstwarts — 30,1.1916

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Weihnachten im Völkerhaß

1. Haß und Hatzpflege

wird
das

Wort jetzt aussprechen. „Das Fest der Liebe" nann-
ten wir es einst. Den es der Menschheit gebar,
„der predigte gewaltig und nicht wie die Schrift-
gelehrten" — „ihr habt gehört," predigte er, „daß
gesagt ist: du sollst deinen Nächsten lieben und deinen
Feind hassen, ich aber sage euch: liebet eure Feinde,
segnet, die euch fluchen!" tzeut predigen nicht nur
„Zöllner", nicht nur „Schriftgelehrte", es predigen
auch Iünger und Verkündiger dessen, der jene Worte sprach, den
tzaß. Nur von französischen, englischen, russischen Redaktionssesseln,
Kathedern und Kanzeln? Nein, auch von deutschen. And nicht bloß
den tzaß beim Kampfe Mann gegen Mann, auch den tzaß des ganzen
Volkes gegen ganze Völker, den „Pauschalhaß". Und den Dauerhaß. Sie
predigen die Pflege des tzasses. Predigen die Erziehung zum tzaß schon
für das Kind. Wie sie das mit ihrem Christentum in Einklang bringen^
ist ihre Sache. Sollen Gedanken die heutige Welt regieren, so müssen
sie so gewiß über das Christentum hinaus zwingend sein, wie ja lange
nicht älle Menschen auch nur dem Namen nach Christen sind. Wir
können gerade aus dieser Weihnachtsbetrachtung im folgenden das Reli-
giöse beiseite lassen. Wir können aufs allernüchternste fragen: sind tzaß
und tzaßpflege zweckmäßig, sind sie praktisch? Darüber jedoch müssen wir
uns verständigen, denn Klarheit darüber ist für das geistige Leben unsrer
Gebildeten, unsrer Führenden von der allergrößten Bedeutung.

iederum Weihnachten! Aber tzunderttausende

2. Dezemberheft ^9^6 (XXX, 6)

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