Zeitung für Einsiedler — Heidelberg, 1808

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helfen konnten. Dor Nachrath ist eine Art Nachrichten/
Len wollen wir beide vcrsparcn/ bis einmal Geschichte
möglich ftyn wird / da mag er seine Gerechtigkeit üben/
und wir unsre Darstellung. — Während ich also daS
Rcingefthichtliche so wie die TagSneuigkeit aus meinem
Kreise verbannte/ wünschte ich gern das Künftige der
Geschichte in den Strebungen der verschiedensten Art
kennen zu lernen und vorzulegen; ich wollte einmal öf-
fentlich zeigen/ wie viel oder wie wenig sich in diesen
Zähren äußerlicher Veränderung innerlich zugetragen ha-
be; keinen Fleiß hab ich in mannigfaltigen Briefen ge-
spart/ auch ist manchrrley eingegangen, theils was ich
mitthcilte/ theils was zur Fortsetzung bestimmt bleibt.
Das Empfehlen ist gegen meine Art/ wer nicht ein Be-
dürfniß hat zu lesen / und eigne Empfänglichkeit auf
diesem Wege auch ergriffen zu werden/ dem mag freilich
alles eben so gleichgültig erscheinen/ als manchen Theolo-
gen die prophetischen Bücher der Bibel/ die damit Riem-
chenstechens spielen/ und freilich selten genug in den
Kreis treffen. Leute/ die mit sich und mit der Welt fer-
tig worden sind/ die es sehr bedauern/ daß die Gewitter
nicht klar sind/ und andrer Leute dunkle Augen brau-
chen/ um sich im Spiegel darin zu sehen / taugten nicht
zu Mitarbeitern / sie sind vermieden worden; viele / die
ich unter uns gewünscht hätte/ waren lässig/ wie das in
Deutschland bei allen Unternehmungen der Fall ist/ da
mancher meint/ er hätte noch nicht sein hochzeitlich
Kleid an. Auf diese Art Lässigkeit der Bessern mache
ich jeden meiner Nachfolger in solchem Unternehmen
aufmerksam / während Furcht und Gewohnheit die
Schlechten immerfort bethätigct. Die einzelnen Absich-
ten/ die ich nicht als Herausgeber/ sondern als Mitar-
beiter hatte/ habe ich in dem freien Dichtcrgarren deut-
lich bezeichnet/ welcher diese Schrift eröffnete: über die
Mißdeutungen/ und wie die Bestien da umhergetanzt
und getaumelt sind/ bis sie vor Mattigkeit niedersanken/
und mein Spas daran/ wird weiterhin gesprochen werden.
Was ich darin wünschte/ fröhliche Erzeugnisse deö ju-
gendlichen Lebens/ befteyt von dem Schulbanne einiger
veralteten Männer/ die ihre Lügend vergessen haben/

das ist mir geworden/ und so ließ ich schon zutraulich,
nachdem das eiserne Thor harter Seelen gesprengt war,
allerlei) Lieder eingehen, allerley Stimmungen und Vor-
stimmungen vom Guten und Schlimmen der Zeit,
Sehnsucht nach dem Alten- und ihr endliches Hinfüh-
rcn zu einer gemeinschaftlichen Jugend und Wahrheit,
die wir Andacht und Religion nennen. Es mußte sich
diese Darstellung wie, die Ankündigung, zu einem Scherze
mit der Wahrheit hinneigen, denn ernsthaft konnte ich
doch nicht meinen, den Inhalt einer Zeit und einer Zeit-
schrift auf ein Paar Blättern zu erschöpfen. Beiden aber
wurde im Morgenblatt lügenhafte Deutung gegeben,
vor allem empörte mich die schändliche Auslegung des
Dichtcrgartens, und ich lese noch mit Wohlgefallen das
folgende Blatt, welches ich 'damals zu meiner Vcrrhei-
digung in den ersten Frühlingstagen schrieb: „Gott weiß
es am besten, der diesem wunderbaren Frühlinge in we-
nigen Tagen so viele Blätter schenkte, zum Duften und
Leuchten, daß ich weder Zeit noch Lust habe, dieses
trockne altkluge Morgenblättlein, daS unter meinen Füs-
sen anrauscht, niedcrzutretcn; was geht mich daS vorige
Jahr an, es war ein unseliges Jahr, und es mag da-
mals recht grün gewesen seyn, und mancher Ausgezeich-
nete mochte sich damit schmücken, wir haben nicht mit-
einander zu thun. Welche Thorheit, ich wollte mehrere
der größten Dichter und einige Gelehrte niedcrtreten;
ist denn wohl einer von ihnen so thöricht gewesen, den
Dichtergarten schließen zu wollen, sie wissen wohl selbst,
daß Dichter nicht darum geboren werden, damit wir sie
in Compendien abzählen und gegen Ausländer damit
pralen, sondern daß sie wie Strahlen höheren Lebens
die Tiefen erwecken / daß jedes Glück seine Haltung fin-
de, sie zeigen die Wege und die Abgründe zugleich. Der
Himmel verzeih dir diese Lüge gegen mich wie gegen
daS Andenken dieser großen Männer / aber das schänd-
liche Wort kann ich dir nicht verzeihen, als wenn eS
mit dem ewig jugendlichen Geiste GotheS zur Neige
ginge, wie Du in Deiner Sprache Dich gemein aus-
drückst. Will er etwa den Hosmeistercyen der unberufe-
nen Leute nicht gehorchen, macht er gegen eure Be
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