Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 2): Die Kunstdenkmäler des Kreises Villingen — Freiburg i.Br., 1890

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KREIS VIt&INGEN.

den Charakter einer Festung verloren hat. In Folge des Friedens von LüneviUe
kam Villingen sammt dem Breisgau am 26. Dezember 1802 an Herzog Herkules
Magnus von Modena, nach dessen Tod im Oktober 1803 an den Schwiegersohn
desselben, den österreichischen Erzherzog Ferdinand Karl, von diesem im Dezember
180,5 an Württemberg, von welchem es im September 1806 in Folge eines Pariser
Vertrags vom 12. Juli d. J. an Grossherzog Karl Friedrich von Baden abgetreten wurde.

Wappen u. Siegel •* 9.M. r

Yjmfatu.

Fig. 12. nilt'n^i-n.
Stadtwappen.

3. WAPPEN UND SIEGEL.
Das altere, noch in der österr. Zeit vor 1530 nachweis-
bare Wappen als Zeichen städtischer Gerichtsbarkeit war ein
längsgeteilter Schild, rechts silbern (weiss) mit ebensolchem
Seitenbalken in Blau links. (Noch auf Marksteinen. zur Be-
zeichnung der Villinger Banngrenze vorhanden). Am 10. August
1530 verlieh König Ferdinand I. der Stadt'wegen ihrer stets,
besonders im Bauernkrieg und 'Zwiespalt' des Glaubens wegen,
gezeigten Treue gegen (Österreich ein neues, verbessertes 'Haupt-
panier, Statzaicben oder Schill', nämlich letzteren blau-weiss,
der Länge nach in der Mitte gethcilt, darin einen aufrechten,
fliegenden rothen Adler mit gelben, von sich greifenden Klauen
und offenem, gelbem Schnabel, Über dem Schild einen Helm
mit blauer und weisser Decke in Form eines Bausches, darüber
aufrecht stehend einen Pfauen seh weif in grüngespiegelten Farben. (Perg.-Original urk,
und Perg.-Kopie mit schönem kolorirtem Wappenbild im Stadtavch.) Dieses Wappen
ist auch heute noch das Villinger Stadtwappen.

Das Stadtsiegel zeigt seit dem 13. Jahrhundert vier verschiedene Formen.
In allen erscheint der Adler als Hauptfigur. Ihn, nicht <]qx\ Löwen, hat man neulich
in einem Siegel des Herzogs Berlhold von Zähringen v. |. 11S7 an zwei noch
vorhandenen Urkunden, von denen die eine das Villinger Stadtarchiv (f.it. M), die
andere das Stadiarch. in Zürich bewahrt, als das Wappenbild der Zähringer erkannt.
Das älteste nachweisbare Siegel der Stadt Villingen ist das noch in einer Urkunde
von i2|4 vorhandene: spilzoval mit nach links gekehrtem Adler und der Umschrift:
S'-CIVI(VM) III VLiIIKf. Vielleicht ist dieses Siegel schon I2l8 im Gebrauch
gewesen. Die dreieckige Scbildform hat das Siegel an einer Urk. von 1251: der
Adler mit drei gesträubten Federn am Hinterkopf ist nach rechts gewendet; Umschrift:
SlOTiliVffl ClVI(V)fl) • 1X1 VHfI(H)GflH. Eine grössere Veränderung erfuhr
das Stadtsiegel innerhalb der nächsten 30 Jahre. In einer Urk.. von 1284 zeigt
dasselbe nämlich zwar ebenfalls den nach rechts gewendeten Adler, das Siegelfeld ist
aber rund und umsäumt von einem sechspassförmigen, mit Punkten besetzten, schmalen
Streifen. Die Umschrift lautet: .SKsIIjIjVA) CIVIVfD VlliliU VllifodU. Die
Punkte sind als das aus dem uraehisch-fürstenbergisehen Wappen hergenommene
Zeichen für Pelzwerk oder Feh aufzufassen. Die Tinktur des letzteren war im
M. A. weiss und blau, welche Farben denn auch seitber'dic Villinger Stadtfarben
sind. (S. Fürst Hohenlohe, das Herald. Pelzwerk S. %6 u. Zur Gesch. des

fürstenb. Wappens S. .\2).

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