Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 2): Die Kunstdenkmäler des Kreises Villingen — Freiburg i.Br., 1890

Page: 98
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kdm2/0105
License: Creative Commons - Attribution - ShareAlike Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
g8 KREIS VILLINGEN.

Auf dem Magdalenenberg, im Südwesten der Stadt, wird ein Hügel, der
'KreuzbühP, mit ca. 100 m Durchmesser auf 5,80 rn Höhe wahrscheinlich als
Grabhügel anzusehen sein. Eine Untersuchung desselben hat noch nicht stattge-
funden. (W.)

5. ALAMANNENFUNDE.

-abrunde Nachdem, wie Leute des benachbarten Marbach berichteten, dort an der Winter-

halde, 10 Min. südostlich vom Dorf, schon oft beim Steingrabcn Gebeine und 'altes
Eisen' zum Vorschein gekommen waren und man im Jahr 1886 wieder zwei derartige
Gegenstünde gefunden hatte — das eine ist eine gut erhaltene Lanzenspitze, das
andere ein durch Rost etwas zersetzter Schildbuckel, jetzt in der Villinger Alter-
thumssammlung — so wurden im Sommer 1887 neue Nachforschungen auf jener
Anhöhe angestellt. Es fand sich aber nur ein ohne Mörtel gemauertes, mit einer
Steinplatte bedecktes Grab von 150 cm Lunge, 75 cm Breite und 55 cm Tiefe,
darin in einer dünnen Humusschichte ein stark zersetztes Skelett. Das Grab hatte
die Richtung von Westen nach Osten. Gegen das westliche Ende war es durch
eine senkrecht stehende Steinplatte, vor welcher der Schädel lag, ahgetheilt — ein
Beweis, dass der Leichnam eine sitzende Stellung, das Gesicht nach Osten, im Grabe
hatte. Das ist bis jetzt der nördlichste Fundort von Reihengräbern in dieser Gegend.

6. BAU UND ANLAGE DER STADT.

Das Wesen und die stufenweise Entwicklung der Stadt Villingen wird, wie bei
jedem Ort, schon durch die urkundlichen Bezeichnungen derselben ausgedrückt. Diese
sind: 'civitas' (12 18, 1295 etc.), 'der mit Mauern umgürtete Ort, insofern er zugleich
der Träger eines von eigener Obrigkeit geleiteten Gemeindevcrbandes geworden
war'; 'villa'(iogo, 1108, J2i8, Siegel von 1284, etc.), 'die von dörflicher Grund-
lage ausgegangene.....noch theihveise ländliche, sich in Ackerwirthschaft und

Viehzucht bewegende, nur mit den nötlugsten gewerblichen ElenTenten versetzte1
Stadt; 'oppidum' (1257, 1298, [324, 'jede dauernd . . . urnwehrte Ansiedelung',
und einmal 'castrum' (c. 1267 FU. I 221) 'weist . . . auf eine Burg . . . als
Ausgangs- und Beherrschungspunkt des Ortes hin'; 'stat, statt, stette* (1277, 129,5,
J303 ff.) wie civitas mit der Bedeutung eines 'befestigten, namentlich ummauerten
Ortes'. (Gengier, deutsche Stadtreehts-Alicrthümer S. 349—351, 358.)
»■ Das Stadtgesetz von 1371 (Stadtarchiv) enthält eine Reihe von H a u b er

Stimmungen, die damals und auch schon früher vom Rathe ausgegangen waren,
so über das Anbauen an Häuser, das Höherbauen und die Anbringung von Lichtern
und Dachtraufen, die Thcilung von Häusern (nur in 2 Theile erlaubt), tue An-
fertigung und den Verkauf von Ziegeln und Kalk, die Bedeckung der Häuser mit
Ziegeln (1348): letztere lautet: 'Wir haben gesetzet vnd mit vnseren truweil vi
vuser aide gelopt stät ze haltende, das meiigelich, swer an den vier slral'sen silzcl.

mit ziegel sin hua deken so! vnd ouch an dem kilchhoff (jetzt Münsterplatz), vnd
sollent das tun. das die huser bereit sient von dem nehaten sant Martins tag, de?
nun kunt vber zwai jar; vnd sol man in dem obern ort (Stadtviertel) anvahefij
also, swaa huser an die vier BtraJsa gant vnd vmb den kilchhoff, das die s<">1

17<>-J
loading ...