Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 2): Die Kunstdenkmäler des Kreises Villingen — Freiburg i.Br., 1890

Page: 111
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AMT VII.I.INGEN. — VILLIKGKX. I ] i

hier im Einzelnen die 'Summarische Rechnung über die Bawcösten beeder Neben-
theilen ahn Vnser Lieben Frawen Pfarrmünster oder Kürchen, sambt was sonst
hierbey repariert wordten' d. d. 15 November 1723. Das von Dekan Riegger und
den Münsterpfiegcm Joh. Bapt. Gansser, Michel Hessler, Cyprian Winterhalter,
Johannes Cammerer und Johann Jak. Kattlcr unterzeichnete Schriftstück (Pfarrarchiv)
beginnt: 'Zue wissen, das Vnser Lieben Frawen Pfarr-Münster allhier in Villingen,
so aller Anzeüg nach ein sechshundertjährig altes Gebäw, schon in anno 1701 in
solch bawfählig vnd ohnscheinbarem Standt sich beftnulten, dass nöthig erachtet
wordten, selbiges pro necessitale zue reparieren vndt in bessere Zier vnd formb zue
bringen; zue dem Endte in ermeltem 1701"'" Jahrgang eine neue Decke oder
Bühne in den mittleren Theil der Kürchen gemacht vndt sowohl dise als das
Gewölb im Chor mit Laubwerck von Stucalorarbeit aufzgeziert, auch die Fenster
erneweret, die sumptus aber hierzue aufz defz Hochw. Herrn Joh. Hainr. Mözen,
ss. theologiae doctoris, decani capituli ruralis vnd difz Orts 38 Jahr gewest, wohl
verdienten Pfarrherren der Kürchen qua per lestamentum instituierten heredis uni-
versalis verschafften Erbs-Mittlen erhebt worden. (Die Stuccaturarbeiten fertigte laut
einer Specification Ignatius Bürckner 'Stockador vnd Ypsermeister' zu Villingen um
33 fl. 26 kr. Sie bestanden hauptsächlich in der Ausführung von vier grossen
Feldern selbviert, in der Umfassung der Sakristeithüre und der beiden Thurrathüren,
im Wegstemmen der '6 Säulen hinder denen Bilderen' — d. i. der Halbsäulen
(Dienste) auf beiden Seiten des Chors, an die sich die zusammenlaufenden Rippen
lies Chorgewölbes anschlössen; zwei dieser Halbsäulen sind noch vorhanden; oben
ist unter zierlichem Baldachin auf einer Console auf dem einen eine Heiligenfigur,
die polychromirte Figur auf dem andern stammt aus der Altstadt (siehe oben);
170.1 Sept. 22 schloss der Orgelmacher Johann Christoph Albrecht von Waldshut
einen Aecord, die Orgel, welche im Chor stand, zu verbessern, eine neue Wind-
ladt: zu machen und neue Register einzusetzen, welche Arbeit 1706 gefertigt wurde.)
Alldieweilen aber eodem anno der leidig Spanische Sueeessions-Krieg . . . erfolgt. . .,
so ist die gleicliniüssigc Erbesserung der Nebcnseithen (d. i. Seitenschiffe) in völliges
Stecken bifz hiehero, inzwischen aber das Tachwerck sambt denen Deckineu in
solchen Abgang gcrathen, dass hierdurch grosse Gefahr vndt liegst erfolgenter Ruin
zue besorgen gewesen. Daunenhero ein löbl. Magistrat auf dermal igen Herrn Decani
vndt Pfarrherrens, Herrn Magislri Joh. Jacob Rieggers Hochw., cylliige Vorstellung
der Noth vndt Anständigkeit sieh resolviert hat . . . zue Gottes vndt Mariae, auch
anderer heyl. Kürchen-Patronen Ehr der Noth zue steüren vndt dise liebe Muetler-
vndt Pfarrkürchen zue gegenwartig vndt zuekilnflig christkatholischer fromber Patrioten
Consolation in bessere Zier vndt Ehrslandt stellen zue lassen. Solchem nach
pro habita deliberatione nöthig erachtet worden, die Nebcnseithen vmb 3 Schue
zue erhöohen, sodann, weilen die Kürchen sehr linster Ware, loeo der in
beiden Wnndlinaurcn geweslen 111 Fenster aniezo l.| Liechler vmb besserer
Kcgularilal vndt Erleuchtung willen cinsezen, nicht weniger ilal'z vndere (süd-
liche! Ilullbtpol'lal. so gar niiler Ware, nebsl beeilen .Wlicnlluilcn. etwal'z höelici
vml letztere weither machen, auch die Orgel.vnd daran Letnor, damit der Chor

geöffnet vnill ein lieyel PrOSpOCl auf den I loeliallar erhallen weide, liinden in die

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