Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 47.1897-1898

Page: 134
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kuh1897_1898/0148
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Kleine Nachrichten.

werden, als durch die Anwendung drahtartigen
Materials für die Glühlichtbeleuchtung. Es war
deshalb ein ganz fruchtbarer Gedanke, daß Maler
k). Aelln er, welcher von der Erfinderin der stuckirten
Naturblumen, Frau Th. Reinherz, beauftragt
war, Lüster für Glühlicht unter Verwendung der be-
schriebenen Blumengewinde zu komponiren, das Ge-
rüst dieser Lüfter theils aus Draht, theils aus Rohr-
geflecht Herstellen ließ; er erfüllte damit gleichzeitig
zwei Forderungen: {. die elektrischen Zuleitungs-
drähte als einen organischen Bestand-
theil in das Draht- oder Rohrgerüste
einzuschalten und 2. dem Wechsel in
der Anordnung des Blumemnaterials
den größten Spielraum zu lassen. Wir
geben in den genannten Abbildungen
drei Beispiele dieser neuen Lichtgeräthe.

Zn einem Fall (Abb. 207) besteht das
Gerüste aus Rohr,
und die Glühlampen
wachsen aus den im
Aörbchen stehenden
Nelken heraus; in
einem anderen Fall
(Abb. 206) sind
Draht und schmale
Messingstreifen zum
Gerüste verwendet,
und die Glühlichter
sitzen in großen, aus
Aupferblech getrie-
benen Blumen. —

Es ist selbstverständ-
lich, daß hier die

Färbung des ganzen Geräthes eine ge-
wisse Rolle spielt; die Sorgfalt, mit der
dieselbe durchgeführt wird, ist daher von sehr wesent-
lichem Einfluß auf die künstlerische Erscheinung.
Diese wird nur dann eine befriedigende sein, wenn
namentlich die farbige Behandlung der pflanzentheile
eine derartige ist, daß die mehr oder weniger mecha-
nische Herstellung der Blumen und Blätter (durch
Abformung) völlig dem Bewußtsein des Beschauers
entrückt wird.

keine (klachrichten.

vereine, Museen, Schulen, Aus-
stellungen, Wettbewerbe rc.

cm Runftgewerbe-Verein zu Dresden wurden
von dem Ausschüsse der ^896 er pandwerker-
und Aunstgewerbe-Ausstellung 6000 Mk. über-

mittelt, welche von dem Ueberschusse bezw. von dem
Reinerträge genannter Ausstellung stammten; der
Reinertrag in der Gesammthöhe von 36 000 Mk.
wurde an verschiedene gemeinnützig wirkende Vereine

vertheilt. F. B.

r£»

m

ie Bestecksammlung Zschille wurde kürzlich im
Leipziger Aunstgewerbemuseum fertig geordnet
und aufgestellt. Die Zschille'sche Bestecksammlung ge-
hört zu den hervorragendsten und reich-
haltigsten ihrer Art. Nicht weniger
als über flOO Nummern umfassend
bietet sie einen vollständigen Ueberblick
über die Entwickelung des Speise-
geräthes. Die Sammlung ist nach
streng historisch-chronologischen Gesichts-
punkten geordnet worden. Innerhalb
der Perioden ist wieder
nach Herkunft oder nach
Material und Technik
gruppirt. Die Ent-
wickelungsreihe wird
eröffnet durch eine
Gruppe von Ausgra-
bungen der vorchrist-
lichen Zeit, Gerüchen
ägyptischen, griechi-
schen, etruskischen, rö-
mischen und prähistori-
schen Ursprungs, denen
sich einige der fränkisch-
karolingischen Zeit und
der ronranischen Peri-
ode entstammende Instrumente anschließen.
Reste von Feuersteinmessern und bronzenen
Alingen, meist skandinavischen Ursprungs, vertreten
die germanische Urzeit. Unter den Fabrikaten der
romanischen Periode muß ein dein (3. Jahrhundert
angehörender bronzener Nußknacker besonders inter-
essiren. Die frühgothische Epoche ist nur in wenigen
Stücken vertreten, unter denen verschiedene Messer
mit reichgeschnitzten Elsenbeingriffen hervorragen, um
so reicher die spätgothische Epoche, besonders das
spätere (5. Jahrhundert. Die Erzeugnisse des f6.
Jahrhunderts sind in zwei k)auptgruppen getheilt, in
deutsche und in italienische bezw. französische Arbeiten.
Die deutschen Bestecke des \6. Jahrhunderts weisen
bereits eine große Mannigfaltigkeit in der Aus-
stattung, im Material und in der technischen Be-
handlung der Griffe auf. Die künstlerisch hervor-
ragendsten sind die gegossenen silbernen Löffel mit
figürlichem Schmuck, sowie die Bestecke mit geschnitzten
loading ...