Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Hrsg.]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 47.1897-1898

Seite: 333
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facsimile
505. Bruchstück einer Saaldekoration. Nach dem Modell von ff R. ksam in er. (Für das Rünstlerhaus in Aarlsruhe geplant.)

rk Hammer. (Von
Dr. Sdmund 1L?Lkß.
Kraun (Troppau).

2lm (6. Juni (897 starb in Nürnberg der Direktor
der dortigen Autistschule, Aarl Rammet. Und der,
den sie weitige Tage später zu Grabe trugen, auf den
alten Aünstlerfriedhof zu 5t. Johannes, betrauert von
Freunden, Schülern und Verehrern, beweint von seiner
Fainilie, war eilt ganzer Mann, als Aünstler wie
als Mensch. Ein Gefühl herben, unersetzlichen Ver-
lustes blieb in den Perzen derer zurück, die ihit Freuitd
nennen durften und die er liebte, ein Gefühl, zu deiit
sich noch ein Ladern gegen das thörichte, kritiklose
Geschick gesellte, das einen Schaffenden hinwegriß
von seinem Merke, das einen Geist vernichtete, der
noch lange nicht ittüde war uitd tioch Vieles vor sich
sah, was er zu vollenden hoffte. Ein glückliches
Leben, voll heißen Ringens, weihevollen Strebeirs,
aber gckröitt von der Araft des Aönnens uitd von
der Freude allfeitigster Anerkenitung, war zu rasch
in seinem Laufe abgeschititten worden.

Mas Aarl pammer als Aünstler und Aunst-
schuldirektor war, wie bedeutungsvoll fein küitstlerisches
und pädagogisches Wirken anzuschlagen ist, will ich
iit Aürze hier versuchen zu schildern. Die Freund-

schaft, die mich mit dein Verstorbenen verband, die
Freude und die Anregungen, welche der lebensprü-
hende und so echt deutsche Aünstler jedein schuf, der
ihin näher trat, machen mir diese schwere Aufgabe
zu eittsiit Bedürfitiß. Ich kann mit ihr einen Theil
der Dankesschuld dem Verstorbenen gegenüber löseit.

Aarl Ejammcr ist ein Nürnberger. Am 6. März
(8^5 wurde er in der alten Reichsstadt als
der 5ohn eines einfachen Aammmachers geboren.
Viel erzählte er von seiner Mutter, die der regen
Phantasie des Anaben zu pülfe kanr mit allerlei
Erzählungen, was sie voit ihrer Mutter gehört von
der alten Zunftzeit, von alten, würdig einherschreitenden
Patriziern mit Schnallenschuh, Dreispitz und Degeit.
Brach der Abend herein, dann sprach sie dem
Aleinen von vergrabenen Schätzen, Gespenstern und
Truden, die Mechselbälge an die Stelle gesunder,
vielversprechender Ainder legten. Dazu kam der
romantische Charakter Alt-Nürnbergs, das Kammer
auf vielen Streifzügen voll köstlicher Überraschungen
durchzog.

Mit seinem dreizehnten Jahre wurde Kammer,
auf Grund einiger Probezeichnungen, in die Nürn-
berger Aunstschule ausgenommen. Nach dreijährigem
Studium kam er im Jahre (86( nach München zu
Baumeister M. Berger als Zeichner, um hier vier
Jahre zu bleiben. Einen: kurzen Aufenthalt in
Augsburg (bei der Dombaurestauration) folgte die

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Aunst und Handwerk. 47. Jahrg. Heft JO.

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