Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 47.1897-1898

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222. Schulhaus in München (Loluinbusstraße).
Architekt Karl hocheder.

ine Möüel-ÄussteKuirg im
k.k. österreichischen (Museum
für Kunst und Industrie in
(Wien. (Von H. S. von
Oerkepsch.')

Bei der Wichtigkeit uitd dein immer weiter sich
geltend machenden Einflüsse, den die neuerdings
erwachte Bewegung auf dein Gebiete der an-
gewandten Dunst gewinnt, ist es ein sprechendes
Zeichen für die geradezu naturnotwendig gewordene
Sache, daß auch endlich Men davon ergriffen
worden ist, wo feit Zähren das Verharren

in Dingen des Geschmackes beinahe den Eindruck
inachte, als folgte man dem Gebote: „Bis hieher
und nicht weiter." Wiens Antheilnahme an der
Weltausstellung des Jahres l873 war in Sachen
des Dunstgewerbes eine höchst ehrenvolle. Männer
wie Semper, kfansen, Schmidt, Ferstel, Eitelberger,
Lobmeyer u. a. hatten mit der geradezu riesigen
Bauthätigkeit, welche seit der Throiibesteigung des
jetzigen Dionarchen begann, auch einen starken fD,ls-
schlag in die Entwickelung der angewandten Dünste
gebracht. Letztere gewannen wieder allgemein Gel-
tung. Das war vorerst überhaupt das Wichtigste;
denn zwischen dem Ausklingen der letzten Wir-
kungen einer langen Entwickelungszeit der Dunst
und dem letzten Drittel des jfl. Jahrhunderts lag
eine riesige Spanne Zeit, die wenig, sozusagen nichts
Eigenartiges hervorgebracht hatte. Daß überhaupt
das Interesse für die angewandte Dunst wieder ein
allgemeines wurde, ist ein nicht genug zu betonender
Fortschritt; wir Heutigen genießen in allererster Linie
die Früchte dieser Errungenschaft. Vorher war ganz
einfach nichts da, kein Interesse, kein sDroduziren.

Das k. k. österreichische Museum entstand. Es
wurde, dank den Grundsätzen, wonach die Anstalt
sich geleitet sah, zu einem blühenden, vielversprechen-
den Institute, das, weit davon entfernt, nur lokale
Bedeutung zu behaupten, seinen Einfluß in heben-
dem Sinne in alle Länder der vielsprachigen, in
vielen Theilen noch mit einer gesunden Volkskunst
gesegneten Monarchie hinaus verpflanzte. Mas haben
nicht die entlegensten Gebietstheile des Reiches dieser
großherzigen Gründung zu verdanken. Die letzten
höchsten Dörfer des Nonsberges in Welsch-Tyrol
sj?roveis z. B.), wo die Spitzenindustrie eingebürgert
wurde, erzählen, wie manch andere Mrte, davon. Aber

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‘) kjiez» die Abbildungen 228—256.
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