Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 47.1897-1898

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Heber den Farbe,nnaugel in unseren Silbergeräthen.

den FarKenmanzek in
^ren KikKergerakßen.

eim gelegentlichen Auf und Ab-
:rn „unter den Linden" zu Berlin
und Beschauen der Auslagen der vielen Silberschmiede
öort fällt immer und immer wieder diese entsetzliche
Monotonie der Formen, vor allem aber die Farb-
losigkeit der Silbergeräthe auf.

Dein Elfteren wird seit längerem erfolgreich
entgegengearbeitet; Japan, das im Aunstgewerbe so
vielerseits anregend wirkte, war auch für uns unter
Führung Englands der Anstoß, im Ornament wieder
'"ehr auf die Natur zurückzugreifen.

Der Farblosigkeit im Aunstgewerbe ist nicht ge
nügend Beachtung geschenkt worden und dies be-
sonders mit Bezug auf Metalltechniken. Auch hier
dünnten wir von den Japanern Unendliches lernen
auch hier, d. h. im Aunstgewerbe —, denn im
übrigen inöchte ich dieß Volk in den meisten Dingen
deinem anderen gerade als Muster anempfehlen.
^Aan betrachte einmal solch' ein Schaufenster eines
Älberschmiedes. Alles erscheint grau in grau, hier
und dort etwa ein schüchterner Versuch, einen Gegen-
stand durch Email zu heben — hier und dort ein
"Aing Vergoldung — dabei bleibt's.

Selbst wenn wir den ganz unrichtigen Stand-
punkt festhalten wollten, daß es dein Wertste der
Arbeit angemessen auch nur werthvolles Metall fein
bürste, das zur Verarbeitung kommen sollte, so geben
"Ns eine große Zahl von Legirungen des Aupfers
'Nit Silber (grau — das japanische Shibuitschi) oder
Aupfer mit Gold (blauschwarz — Shakudo) eine
Harbenscala, die doch zeigen sollte, endlich einmal
ben ausgetretenen j?fad zu verlassen und Neues zu
schaffen.

Aber müssen es denn nur werthvolle Metalle
sein?! Ich denke da mit Freuden an die vielen
dunstgewerblichen Ausstellungen zurück, die ich während

der letzten Jahre in Tokio sah. Dort ist der Metall
künftler mit in erster Linie Maler —, Maler in
Metall. Zedes Metall, fei es Aupfer oder Eisen,
ist denr japanischen Metallkünstler recht, um einen
dekorativen Effekt zu erzielen. Und findet er unter den
Metallen nicht die Farbe, die er sucht, so hilft er
sich durch Vereinigung verschiedener Materialien und
Techniken. —■ Läßt sich das für die Geräthe des
täglichen Gebrauchs bei uns durchführen? — Za.

England mag wirklich mit Bezug auf Silber-
arbeiten keineswegs als gutes Muster angeführt
werden, aber in einer Einsicht können wir dennoch
von den cherren in Birmingham lernen, welchen Reiz
diese Vereinigung verschiedener Materialien, selbst
in schlichtester Form bei Stücken des täglichen Ge-
brauches, bietet.' Die schmucklosen braunen und
weißen Pieschüsseln aus Fayence in einfachsten silber-
nen oder versilberten reifartigen Fassungen, schön
gebeizte Hölzer, namentlich Eiche, schlicht in Silber
gefaßt als Theebretter dienend, geschnittene und ge-
faßte Arystallgläser sind Beispiele ansprechender Ge-
räthe. Sie alle bilden einen Farbenfleck auf der
Tafel, sie alle wirken nicht so traurig monoton wie
das graue Silber. —

Unsere Museen bergen schon solch einen Schatz
japanischer Aunstwerke, daß es geradezu auffällig
erscheint, wie wenig diese, mit Ausnahme der gra-
phischen und keramischen Aünste, anregend auf unser
Aunstgewerbe gewirkt haben.

Die oft unverständlichen Darstellungen aus chine-
sischer Mythologie und japanischer Heldensage halten
wohl so manchen ab, sich mehr in den Anblick dieser
Aunstwerke eines fernen Landes zu vertiefen —, das
ist zu bedauern, denn Unendliches ist aus japanischer
Aunst zu lernen. Total verkehrt wäre es, die Orna-
mentik jenes Landes etwa auf unsere Gebilde zu
übertragen, aber hinsichtlich Technik und Farben-
zusammenstellungen sehe ich in japanischer Aunst
einen der allerbesten Lehrmeister. W. E.

Aus „Boos, Geschichte der
'heiuischx,, Städtekultur", II. Band,
illustrirt von 3. Sattler.

Nunst und Handwerk, q?. Icihrg. Heft 7.

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