Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 47.1897-1898

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Meine Nachrichten.

;fetne (Nachrichten.

MWtWf Vereine, Museen, Schulen, Aus-
stellungen, Wettbewerbe rc. M

dem Mitteldeutschen RunstgewerbeMerein

^ zu Frankfurt a. M. ist aus den letztvergangenen
-Konaten mancherlei Neues auf persönlichem und
sachlichem Gebiet zu berichten, was im Ganzen eine
erfreuliche Steigerung des Vereinslebens darstellt,
und als gute Inauguration der Präsidentschaft des
Herrn Hermann v. NI u m m gelten kann,
der nach den; iin Juli vor. Jahres erfolgten
^ode des perrn Konsul £. Becker den Vor-
sitz des Vereins in; September übernahm.

Durch die bessere Dotirung der letzten
^ahre und die besondere Thätigkeit, der
unter dem Vorsitz des Herrn
Wilhelnc Flinsch arbeitenden
Niuseumskommission hatte das
^unstgewerbe - NI u s e u m
des Vereines allmählich so an
Anfang und Bedeutung zu-
Zenommen, das; weiterhin der
Ausbau und die Verwaltung
desselben in der bisherigen,
uuf der freiwilligen Thätigkeit
^uizelner Vereinsmitglieder
dasirten Weise nicht mehr
zweckentsprechend schien. NIan
3wg daher im Sommer vor.
wahres dazu über, einen eigenen
-iiluseumsdirektor anzustellen
uud fand diesen in der Person

Herrn Dr. f}. v. Trenk-
^ald, der bis dahin das
^iluseum in Troppau ge-
^itet hatte. Gleichzeitig trat
die Frage einer Erweiterung der Räume des Ver-
sus in den Vordergrund, die sich für Nluseum,
Bibliothek und Gipssammlung längst als unzu-
reichend erwiesen hatten. Durch das Entgegenkommen
^ alten und reichdotirten „Polytechnischen Gesell-
schaft", welcher der Kunstgewerbeverein nicht nur
s^ine Heimstätte, sondern auch einen wesentlichen
Theil seiner Subsistenzmittel verdankt, wurde diese
^aumfrage derart gelöst, daß durch einen Aufbau
uuf einen Theil des Vereinsgrundstücks im Laufe
dieses Jahres ein Zuwachs an Raum von circa
2» Quadratmetern zur Verfügung stehen wird.

Diese Erweiterung wird auch eine bessere Nnter-
i'ringung und Einrichtung der bisher in unzu-
gänglicher Weise installirten Bibliothek ermöglichen.

2yq.

Auch hier ist seit September durch die Anstellung
eines mit ihrer Verwaltung ausschließlich beschäf-
tigten Bibliothekars, des Herrn Or. H. Stader, eine
bessere Ausnutzung der bedeutenden Schätze an
Büchern und Vorlageblättern Seitens der Kunst-
gewerbetreibenden in die A)ege geleitet, zu welcher
der erste Schritt in einer Neuordnung der Bibliothek
und einer Verlegung und Vermehrung der Besuchs-
stunden geschah. Diese liegen jetzt zur Bequemlich-
keit der den Tag über in Werkstätten und Ateliers
beschäftigten Personen Abends von 6—st Uhr und
Sonntags von lO bis \ Uhr Vormittags.

In dem Kunstgewerbe-Nluseum,
welches bekanntlich die schönen Gberlichtsäle
der früheren Städel'schen Gallerie einnimmt,
ist neben dem stattlichen Bestand an alten,
vorbildlichen Werken das Interesse des Pub-
likums durch eine Reihe von
Sonderausstellungen lebendig
erhalten worden. Einer Aus-
stellung moderner Plakate,
deren Sanmrlung das Nluseum
sich seit mehreren Jahren an-
gelegen sein läßt, folgten iin
Dezember die interessanten
Erzeugnisse der Scherrebeker
Webeschule ■— jene der neu-
eingeführten Pausindustrie
entstammenden Gobelins, zu
denen Künstler wie Ecknmnn,
NIoorbutter u. A. die Kartons
entworfen haben. Knüpf-
teppiche von Kneusel in Tre-
feld und Gefäße von Kähler
in Nestved, von v. Heider in
München und Länger in
Karlsruhe ergänzten das Bild
des nach neuen Wirkungen
strebenden modernen Kunstgewerbes. Im Januar
wurden diese Arbeiten durch eine Kollektivaus-
stellung der Gläser, Fayencen und Intarsiamöbel
des Meisters Galle in Nancy abgelöst, dessen fein-
sinnige , von poetischem Hauch durchwehte Kunst
besonders in Frankfurt so allgemeine Würdigung
findet, daß Galle hier das Hauptdepot seiner Ar-
beiten für Deutschland eingerichtet hat. Gleichzeitig
mit diesen Erzeugnissen moderner Kunst beherbergt
das Nluseum zur Zeit als Leihgabe die bedeutende
Altherthumssammlung seines verstorbenen Vorsitzen-
den, Konsul Becker, welche vor ihrer, im Frühjahr
in Köln stattfindenden Versteigerung noch einmal in
ihrem Gesainmtbestande dem Kreise vorgeführt werden
sollte, in welchem ihr Besitzer zwölf Jahre lang gewirkt

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