Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 47.1897-1898

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Unsere Bilder.

nfere Kikder. WW

Wegen des aktuellen Interesses,
welches die auf der Münchener Kunst-
ausstellung gewesenen Gegenstände der Aleinkunst
beanspruchen können, mußte denselben ein
breiterer Raum gewährt werden, als es
den Absichten und Zielen unserer Zeitschrift
entspricht; nachdem jetzt das Ausstellungsmaterial,
welches in seiner überwiegenden Mehrheit von
Aünstlern selbst herrührt und darum auch zumeist
sich an die obern Zehntausend wendet, im We-
sentlichen erschöpft ist, werden wir uns mit der folgen-
den Nummer wieder mehr den Interessen des
eigentlichen Aunstha ndwerkes zuwenden.
Es wird sich daraus von selbst ergeben, daß das im
Oktober- und Novemberheft so starke Ae berge wicht
der modernen Richtung eine Einschränkung
erfährt und auch andre Anschauungen wieder zu
Wort kommen. Außer der Zierleiste von Weis-
g er der (Abb. und dem düster von Lotze
(Abb. f00) rühren fämmtliche Abbildungen bis zur
Seite 67 (Abb. —f0^) von der Ausstellung her,
bei deren Besprechung (S. ^9 ff-) ihnen auch — wo
nöthig — nähere Erläuterungen gewidmet sind.

* *

*

An der Spitze des peftes nimmt die Farbtafel
(Nr. 2) in verschiedener Beziehung eine hervorragende
Stelle ein. Die dort dargestellte Base kann als Er-
gänzung zu jenem Theil der Ausstellungsbesprechung
angesehen werden, welcher von den Zso ln ät-
schen Lüsterfayencen handelt (5. 5^); das Stück,
das in Wirklichkeit eine pöhe von cm besitzt,
gehört zu den hervorragendsten Leistungen der Zsol-
nay'fchen Fabrik, lieber die Technik dieser Arbeiten
enthält das Januarheft unsrer Zeitschrift (Aunstgew.
Rundschau S. 8) eingehendere Angaben.

Aber auch als Run st druck ist die Tafel von
besonderem Interesse, indem das Bild der Base selbst
thatsächlich nur mit drei, aus photomechanischem Weg
hergestellten Farben-Platten mit der Buchdruckpresse
gedruckt wurde.

Das Prinzip des Dreifarbendruckes wurde iin
Jahre f869 von Tharles Gros in Paris und Ducos
du pauron gleichzeitig entdeckt.

Die beiden Forscher gingen von dem Gedanken
aus, daß durch die Mischung der drei Grundfarben
Rot, Blau und Gelb sich sämtliche Farbentöne er-
zeugen lassen und schlugen vor, nach einem Originale
drei photographische Negative herzustellen, auf denen
je zwei dieser Farben zur Wirkung kommen, die dritte
jedoch ausgeschlossen wird und zwar durch Einschaltung

eines der jeweilig auszuschließenden Farbe komplemen-
tären durchsichtigen Mediums. Bon diesen drei Ne-
gativen wurden dann drei positive Druckplatten ge-
fertigt, welche, mit roter, blauer und gelber Farbe
zusammengedruckt, die farbige Reproduktion des Ori-
ginals ergeben sollten.

Der Ausführung dieser Ideen stellte zunächst der
Umstand große Schwierigkeiten in den Weg, daß

zur damaligen Zeit die photographischen Platten für
rote und gelbe Strahlen nicht empfindlich zu machen
waren.

Erst durch Einführung des Eosin in die photo
graphische Praxis durch Br. p. W. Bogel war die
Möglichkeit gegeben, die photographische Schichte auch
für warme Farben, d. i. rot, orange und gelb em-
pfindlich zu machen, und gelang es Ende der 70 er
Jahre zuerst dem bekannten Pofphotographen Josef
Albert in München, Dreifarbendrucke in Lichtdruck-
manier herzustellen, welche sich schon damals durch
einen hohen Grad von Vollendung auszeichneten.
Eine praktische Anwendung hat dieser dreifarbige
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