Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 47.1897-1898

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Bucheinbände.

5^6. Altarwand in einer kfauskapelle. Entwurf von fl A. Hammer.

Von besonderer Bedeutung ist aber die Dichtung
der Malfläche deshalb, weil sie der Beschinutzung
sowie dein Angriff der Atmosphärilien bei der Ver-
witterung den denkbar größten Widerstand entgegensetzt.

<£s besteht demnach begründete Hoffnung, daß
die Freskotechnik durch dieses Verfahren von dem
Vorwurf allzugroßer Vergänglichkeit befreit, sich
wieder leichter für die Zwecke des architektonischen
Schmuckes im Freien einführen wird.

Aber auch in Innenräumen hat die neue Tech-
nik gewiß eine Zukunft und es ist sicher anzunehmen,
daß auch das Aufmalen pastoser Verzierung auf
dem bereits geglätteten Grund gelingen wird, wie
es die Beispiele antiker Zeit aufweisen.

Auch für die breitere Verwendung in der Bau-
technik hat die Erfindung ihren Werth, denn es ist
klar, daß jeder Hygieniker freskobemalte, glattgewalzte
und dennoch poröse Wandflächen wegen ihrer leichten
Reinigungsmöglichkeit jedem anderen Wandanstrich
vorziehen wird.

München im Juni s8ß8.

uchembände.


Seit es Bücher in unserm Sinne
giebt, d. h. seit man eine Anzahl
zusammengehöriger Blätter aus
Papyrus, Pergament oder Papier zu einem Ganzen
vereinigt, hat man darauf Bedacht genommen, einem
solchen Buch äußerlich einen festen Halt, eine solide
Hülle zu geben, den sogenannten Bucheinband. Daß
schon das frühe Alterthum Bücher in unferm Sinne
gekannt hat, geht aus dem in der Nationalbibliothek
zu Paris aufbewahrten, gegen ^000 Jahre alten
„Papyrus priffe" hervor; in spätrömischer, d. h.
frühchristlicher Zeit wurden Einbände schon mit solchem
Luxus hergestellt, daß Hieronymus im H. Jahr-
hundert seinen Tadel darüber ausspricht. Im frühen
Mittelalter fielen zahlreiche Bücher und mit ihnen
auch ihre Einbände der allgemeinen Verwilderung
zum Opfer, und erst vom \{. Jahrhundert an, als
das Verlangen nach Büchern wieder stieg und die-

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