Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 47.1897-1898

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568. Stillleben; wandfüllniig im Festsaal des bayer. Aunstgewerbevereins zu München.
Gemalt und gezeichnet von Beruh. Wenig.

-okph Hakßreiier,

geö. m Vofenheim 1839,
gest. -en 28. Juni 1898
zu München.

Sin (Nachruf.

Lin bescheidener, liebenswürdiger Künstler ist
in 2ldolph ^albreiter dahingegangen, bjalbreiter
war nicht armer Eltern Kind, Noth und Elend
standen nicht an seiner Wiege, nicht übermächtiger
Drang zur Kunst oder ein plötzlich erwachendes alle
Fesseln gewaltsam brecheitdcs Talent erst führte den
Jüngling seinem späteren Berufe zu. — Dem, der-
den Lebensgang des viel zu früh Geschiedenen kurz
erzählen soll, liegt kein außergewöhnlicher Borgang
vor, keine phänomenale Erscheinung — nur aus
Tausenden Einer ist damit herausgegriffen, ein
Kunsthandwerker und Aünstler, der in zäher Arbeit
sich emporgerungen, der nrit deir wechselnden Schick-
salen des Lebens gekämpft und viel Trübes erfahren,
aber inr Kerzen nie den Muth verloren hat, und
der, als endlich das Glück ihti uitabhängig stellte,
die Freude an der Arbeit, als treueste von allen
Freuden, nicht fahren ließ, sie vielmehr frisch und
freudig pflegte bis zum Ende. — Eilt Leben wie so
viele andere, und doch, gerade weil uns so nahe
stehend, wohl des Erzählens werth.

Adolph khalbreiters Bater war Arzt und Besitzer
eines Heilbades in Rosenheim. Des Anaben Jugend
umgab Alles, was Freude und Glück dem jubelnden
Ainderherzen bringen kann — da — erst neun Jahre
alt — verlor er seine Mutter — eine vortreffliche
Frau. Sie umschwebte des Sohnes Phantasie bis

an fein Lebensende: was es Gutes und Schönes
gibt, das sah er in ihren: Bilde, und wie ein sorgender,
gütiger Geist begleitete die Erinnerung an sie ihn
schützend, tröstend utid ermutigend durch alle Schick-
sale des Lebens. Die Freude und das erste Jugend-
glück aber, sie waren mit der Mutter Tod dahiit.
Adolph kam nach München an die Gewerbeschule,
studirte nebenher auf eigene Faust Latein, wurde
aber, da die Gelegenheit dazu sich günstig bot, ^854;
als Lehrling in das Silberarbeiter-Geschäft Sankt
Johanser geschickt.

Es war das ein altbekanntes, aber in engen
Räumen, unter den bescheidetisten Ansprüchen unter-
gebrachtes Geschäft. Die Fenster der Werkstatt gingen
nach dem schmalen Landschaftgäßchen. An der
gleichen Werkbank saßen schon als Lehrlinge I. B.
Stieglmayr, der spätere Münzgraveur und Begründer
der Erzgießerei, und eine Generation darnach für-
kurze Zeit auch der junge Ferd. Miller, der spätere
Ehrenpräsident des Bayer. Aunstgewerbe - Vereins.
Der Historienmaler Ulrich lhalbreiter hatte durch
kjeirath das Geschäft erworben und war so zum
Meister seines Neffen Adolph geworden. Bis zum
Jahre f858 arbeitete der Letztere angestrengt an all'
den höchst unkünstlerischen einförmigen Dingen, wie
sie unter der ersten Bedingung „recht billig" durch
den Ladenverkehr in die Werkstatt kommen. Die
Abende zeichnete der junge Silberschmied, und nach
vier Jahren, wegen besonderen Fleißes früher als
bedungen, durfte er sein Gesellenstück machen.

Alle freien Stunden benutzend, hatte Halbreiter
es im Zeichnen so weit gebracht, daß er nach Be-
endigung seiner Lehrzeit die Aufnahme in die kgl. Aka-
demie der bild. Künste nachsuchen konnte. Da lernte

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