Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 47.1897-1898

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1 cm
facsimile
515. Geschnitzte Füllung. Entwurf von i A. Ls a mm er.

euee über Ireeßor
Technik. (Von (Prof.
Iriedr. v. Tßierscß.

In den ersten Tagen des Juni veranstaltete
Aunstmaler Matthiesen aus Aopenhagen inr Neu-
bau des Nationalmuseums zu München einige Mal-
proben in der von ihin vervollkonmiten patentirten
Fresko-Technik.

Matthiesen hat nach längeren Studien und For-
schungen auf diesem Gebiet zwei neue Momente ein-
geführt, die allem Anschein nach der eingehendsten
Beachtung würdig sind.

Das erste ist die Fixirung der frischen Malerei
vermittels Aohlensäure, das andere die Dichtung der
Malstäche noch vor der Erhärtung. Mas die Her-
stellung des Malgrundes und die Zubereitung und
Verwendung der Farben anlangt, so sind die auf
diesem Gebiet erreichten Verbesserungen nicht so
wesentlich, daß eine Hervorhebung an dieser Stelle
angezeigt wäre.

Bei der Freskomalerei geht bekanntermaßen die
Bindung der Farbe dadurch vor sich, daß der Aetz-
kalk des Verputzes allmählich die Aohlensäure aus
der Luft aufnimmt und dadurch wieder zu kohlen-
sauren Aalk wird. Die Farb-Partikel werden so-
zusagen in die sich bildenden Arystalle mit ein-
geschlossen.

Dieser Prozeß ist ein sehr langsamer und durch
die Neigung des immer noch vorhandenen Aetz-
kalkes, manche Farben umzugestalten, werden selbst
bei großer Umsicht in der Behandlung unliebsame
Veränderungen beim Auftrocknen schwer aus-
geschlossen.

Matthiesens Gedanke, den natürlichen Prozeß
durch eine reichliche Zufuhr von Aohlensäure zu
beschleunigen und dadurch die Farbenwerthe zu
fixiren, ist eigentlich ein so naheliegender, daß man
sich wundern muß, warunr er nicht früher schon
gefaßt wurde. Ulan läßt also aus einem Behälter
mit komprimirter Aohlensäure dieses Gas entweder
mit dem freien Schlauchende oder auch durch einen
mit Gummirändern versehenen Deckel auf die frisch
bemalte Freskofläche einströmen. Nach kurzer Zeit
schon ist die Oberfläche soweit chemisch verändert
und mit Aohlensäure gesättigt, daß keine Farbe mehr
eine Veränderung durch den Atzkalk zu gewärtigen
hat. Eine Veränderung der Malerei während oder
in unmittelbarer Folge dieses Verfahrens ist mit dem
Auge nicht zu beobachten.

Der zweite mindestens ebenso wichtige Moment
in Matthiesens Patent ist die Dichtung der bemalten
Fläche. Dieselbe wird je nach dem auf natürlichem
Wege fortschreitendem Erhärtungsprozeß bis H8
Stunden nach der Aohlensäure-Fixirung mit einer aus
Glas oder Stahl hergestellten pandwalze vorgenommen.
Die Oberfläche des Putzes nimmt dadurch eine matte
Glätte an, welche wir schon bei den farbigen Grün-
den der pompejanischen Wandmalerei bewundern.
Sie verliert zwar den an sich sehr reizvollen körnigen
Tharakter, die Farben jedoch bekommen einen eigen-
thümlichen matten Lüster, wie wenn sie in die halb-
transparente Oberfläche einer mattgeschliffenen Mar-
morplatte eingedrungen wären.

Auffallenderweise dient diese nachträgliche Dich-
tung, von der man eher eine Störung des Arystal-
lisirungsvorgangs befürchten könnte, keineswegs zu
einer Lockerung des ganzen Gefüges; es wird viel-
mehr die äußerste putzschichte, da immer noch gelöster
Aalk vorhanden ist, nur um so inniger mit dem
Untergrund verbunden.
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