Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 47.1897-1898

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Kleine Nachrichten.

auf seine Erzeugnisse mehr Arbeit zu verwenden,
als das Material und der Zweck verdienen. Außer
Hermann Kellner haben später auch noch andere
Künstler Entwürfe geliefert: Maler Jul. Dietz, Maler-
Karl Rickelt, Bildhauer paus Schund.

Mährend noch die im letzten Jahr bei der
Nürnberger Ausstellung prämiirten Kupfergesäße
Winhart's lediglich durch die getriebene Reliefarbeit,
irr Verbindung mit Gxydirung ihre Wirkung er-
reichten, zog Minhart vor wenigen Monaten ein
neues Moment in die Dekoration hinein, eine ziegel-
rothe metallisch erscheinende Kupferverbindung, welche
durch Beizung entwickelt wird und welche ur gleicher

132. In Kupfer‘getriebene Blumentöpfe mit schmiedeisernem
Fußgestell; entworfen von kserm. Kellner, ausgeführt von
I. W i n h a r t. 7* der wirkl. Größe.

(Gesetzlich geschützt.)

Meise wie das Kupferoxyd den Charakter der Treib-
arbeit völlig wahrt, indem z. B. die pammerschläge
deutlich sichtbar bleiben. Es stehen also eigentlich
nur drei Farben zur Verfügung, die ziegelrothe
Kupferverbindung, die grüne Patina (kohlensaures
Kupfer) und das schwärzliche Kupferoxyd; aber die
verschiedenen Glanzabstufungen auf dem Kupfer selbst
im Ausantmenhang mit dem von hellgrau bis
schwarzblau spielenden Kupferoxyd und der ver-
schieden grünen Patina lassen doch einen reichen
Farbenwechsel zu.

Dieser Umstand namentlich war es, der diese
Minhart'schen Arbeiten rasch beliebt machte; mehrere
derselben haben bald nach ihrem ersten Auftreten in
der Kunstausstellung Aufnahme gefunden — eine
größere Zahl in immer wechselnden Gegenständen
und Formen beherbergt die Verkaufshalle des Mün-
chener Kunstgewerbevereins. Auch die hier bei-

gegebenen Abbildungen f29—\55 sind dem dort
vorhandenen Bestand entnommene; diese Vasen,
Blumentöpfe, Platten rc. stellen also keine Extrastücke
dar, die nur den oberen Zehntausend zugänglich sind.
Ueber die formale Durchbildung derselben sei nur
bemerkt, daß sie in Bezug auf die künstlerische Kom-
position ganz modernen pdeen folgen, aber in der
Behatidlung der Treibarbeit sich an die alten Arbeiten
anlehnen — und anlehnen mußten, wenn sie den
Forderungen des Materials gerecht werden und
mäßige Preise einhalten wollten. Ihre Leichtverkäus-
lichkeit danken diese Sachen hauptsächlich dem stets
eingehalteneu Gleichgewicht zwischen Material, Zweck-
bestimmung und künstlerischem Arbeitsaufwand.

L. G.

keine Aachnchten.

Vereine, Museen, Schulen, Aus-
stellungen, Wettbewerbe rc.

erband deutscher Runstgewerbevereine. Am

2. November fand in Berlin der Delegirtentag
des Verbandes unter Leitung des derzeitigeil Vor-
sitzenden des Verbandsvorortes perrn Architekten
poffacker statt. Von 23 Vereineil waren 20 durch
27 Delegirte vertreten. Zum Vorort für die nächsten
zwei Zahre wurde der Mürttembergische Kunst-
gewerbe-Verein in Stuttgart gewählt, dessen Vorsitz
z. Zt. Präsident von Gaupp führt. Der bisherige
Vorort Berlin erstattete den Geschäftsbericht für die
Zahre \ 895—\ 897 und legte den Etat für die fol-
genden 2 Geschäftsjahre zur Genehmigung vor.
Außerdeiil wurde einstimmig beschlossen, den auf
deiil letzten im Zanuar d. abgehaltenen Delegirten
tag vertretenen Standpunkt festzuhalten, wonach das
deutsche Kuiistgewerbe auf der pariser Meltausstellung
sstOO in seinen hervorragsten Leistungen, gesondert
von der Marktwaare, auch der kunstgewerblichen,
geschlossen austreten muffe und alle zur Ausstellung
zuzulassenden Gegenstände einer nach einheitlichen
Gesichtspunkten zu vollziehenden Vorprüfung zu
unterwerfen seien. Betreffs der inl ^ahre f 899 für
Dresden geplanten deutschnationalen Kunst- und
Kunstgewerbe - Ausstellung ging die einstimmige
Meinung dahiil, daß inl pinblick auf die Verpflich-
tungen, welche die einheitliche, allseitige und glänzende
Beteiligung des deutschen Reiches auf der pariser
Weltausstellung sYOO den Kunstgewerbetreibenden
auferlege, von einer solchen Veranstaltung dringend
abzuraten sei. Ferner hat der neue Vorort über-
nommen, die Regelung verschiedener die Pariser-
Ausstellung betreffenden, mehr geschäftlichen Fragen

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