Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 47.1897-1898

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Xylektypom.

fahren, das übrigens, wenn auch nicht unter Anwen-
dung genau derselben, so doch ähnlicher Mittel von
den Japanern schon lange geübt wird, ist an sich
kein komplizirtes. Die glatt be-
arbeitete polzfläche wird in ge-
eigneter lDeise durch Einwirkung
von Säuren präparirt, sodann der
Wirkung eines starken Sandstrahl-
gebläses ausgesetzt, das alle er-
weichten Theile wegfegt und nur die
härteren, d. h. dichter gearteten stehen
läßt. Durch weitere Bearbeitung mit
Stahlbürsten, die ein gründliches
Frottiren der Fläche gestatten, werden
alle etwa noch vorhandenen Weich-
theile entfernt, so daß nur die harten
Rippen stehen bleiben, ^e weiter
diese auseinanderstehen, desto breiter
wird die ganze Zeichnung; stehen sie
gedrängt, so wird auch die Relief-
wirkung eine wesentlich andere. Es
eignen sich somit nicht alle polz-
gattungen für die Anwendung des
Verfahrens, zumal europäische nicht
in hervorragendem Maße, während
amerikanische Koniferen, so die Caro-
lina pine, Yellow pine und Pitch
pine ganz vorzügliche Resultate er-
geben. Ihre Struktur eignet sich besser
dafür, zumal auch die chartrippen
eine viel größere Widerstandsfähig-
keit als die meisten in Betracht kom-
menden europäischen cholzgattungen
besitzen, anderseits aber die Maserung
außerordentlich mannigfaltig ist. Ze
regelmäßiger die Anordnung der
Jahresringe an der Pflanze sich zeigt,
desto weniger geeignet ist diese für
die Prozedur. Die von der Firma
Buyten im Weiteren angewendeten
Beizverfahren weisen einen ungemein
großen Reichthum an Tönen auf, so
daß hier die Möglichkeit vorliegt,
durch die cholzdekoration ganz allein
einen Raum farbig reich zu stimmen.

Natürlich schafft die Reliefwirkung dieses neuen und
schönen Dekorationsinaterials, das hauptsächlich für
Füllungen sich eignet und das vermöge der Beschaffen-
heit der Gberfläche immer eine gewisse Dicke haben

muß, mithin nicht für stark gebogene Flächen
verwendbar ist, ihre Konsequenzen für die übrige
Behandlung der Möbel, bei denen sie in Anwendung
kommt. Sie verlangt Kontrastwirkung
in glattem Rahinenwerk, in breiten,
derben Profilen. Jedes zierliche Profil
verliert die plastisch-energische Wirkung
dem Lqllektypom gegenüber. Anwen-
dung plastischen Schmuckes wird so
gut wie überflüssig. Eine vornehme
Einfachheit der Formen wird durch
das schöne und kostbare Material
zur nicht zu umgehenden Bedingung
gemacht. Ueber die Preise läßt sich
zur Zeit noch nichts sagen, da diese
in erster Linie vom Flächenmaße ab-
hängig sind; große Stücke werden
sich höher stellen als zahlreiche kleinere,
die zusammengenommen das gleiche
Flächenausmaß ergeben. Des weiteren
aber stellen die Erfinder noch fort-
während Proben an, um sowohl
hinsichtlich des Materials als auch
der Bearbeitung zu neuen Resultaten
zu gelangen und die Anwendung der-
selben in umfangreichem Maßstabe
zu ermöglichen. Ein neues Moment
liegt ferner darin, daß, wenn die
Gberfläche des Polzes stellenweise vor
der Wirkung des Gebläses in ge-
eigneter Weife geschützt wird, sich auf
diese Weise ornamentale Muster Her-
stellen lassen, die, durchaus nur den
Charakter des Flächenornamentes
tragend, voll im Polze stehen bleiben,
während der Grund ringsum die
reliefirte polzfaserstruktur aufweist.
Natürlich wird hierbei immer ein
gewisser derber Grnamentcharakter
gewahrt werden müssen, da ein Aus-
fparen allzukleiner Formen dem Wesen
des technischen Verfahrens nicht ent-
spricht. Dies verlangt klare Sonderung
glatter und gerippter Stellen in groß-
zügiger Weise; es stellt in Bezug aus
die ornamentale Komposition mithin ganz bestimmte
Forderungen und schließt von vorneherein jede zim-
perliche Behandlung aus.

p. E. v. Berlepsch.

^87. Elektrische Lampe.
Aus den „Verein. Werkstätten",
München; nach Entwurf von
Eng. Berner.

(Vs d. wirkl. Größe.) Muster geschützt.

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