Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 47.1897-1898

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Das Knnsthandwerk im Münchener Glaspalast.

586. Fenster-Sitz; Architekt M. Dülfer.

Möbel nach Entwürfen von B. Pankok, München.

entworfen und deren Ausführung überwacht hat, so
darf man mit kleinen, wohl der Eile zuzuschreibenden
Verstößen nicht zu strenge in's Gericht gehen; —
man wird im Gegentheil vor einer Arbeitskraft
Achtung empfinden, die neben einer vielseitigen prak-
tischen Bethätigung noch in: Etande ist, schriftstellerisch
für die Eache der Rleinkunst zu wirken.

Die Rupferarbeiten, die sämmtlich von Z. Win-
hart & (Oe.1) ausgeführt worden sind, weisen in ihrer
fornralen und farbigen Wirkung manchen eigen-
artigen Reiz auf; außer dem blanken Rupfer spielen
das schwarzblaue Rupferoxyd, die grüne Patina
und die schon im letzten Jahre von Win hart
eingeführte fast ziegelrothe Rupferverbindung eine

') Die Wohnsitze der Künstler und Kunsthandwerker wer-
den wir im Text nur dann beisetzen, wenn derselbe außerhalb
Münchens liegt.

Rolle; dazu kommen noch Verzinnung,
blankes oder geschwärztes Eisen und
messingene Nieten. Als die besten Stücke
darf man wohl die Flaschenkühler
(Abb. 6s3 und 6s^), einige Blumen-
töpfe und Bowlen, sowie die eigen
artigen Eierservice, bei welchen die
Eier nrit schräger Axe in die Eier-
becher gelegt werden, bezeichnen.

Zn dem unter Dülfer's Führung
meist von den „Vereinigten Werkstätten
fürAunst und Handwerk" ausgestatteten,
in: Ganzen gut zusannnengestiniinten
Raum geben die nach Entwürfen von
B. pankok ausgeführten Möbel
(Rredenzschrank, Anrichte und Eopha,
Theile einer in Arbeit befindlichen
Zimmereinrichtung) den Grundton an:
graubraun gebeiztes Eichenholz für
das Gerippe, kaffeebraunes Eatin-
Nußholz für das Rahmenwerk der
Thürchen und analoger Theile an
Echiebladen, grünlich-grau gebeiztes
Ahornholz für die Füllungen, — Alles
sauber polirt, mit viel originellem
Eisenbeschlag versehen, der mittelst
zahlreicher kleiner Messingstifte befestigt
ist. pinsichtlich der farbigen Wirkung,
die deutlich auf einen Maler als Ur-
heber hinweist, werden diese Möbel
auch heikle Rritiker befriedigen; aber
an ihrem Aufbau und an der formalen
Durchbildung im Einzelnen läßt sich
Manches aussetzen. An: glücklichsten
— wenn auch nicht ohne Willkürlich-
keiten — ist jedenfalls der Rredenz-
schrank, während das Sopha schon wegen seiner fast
plumpen Gesammterscheinung nur bei Wenigen auf
Gegenliebe rechnen darf. Es ist wahr, es sitzt sich
vortrefflich in diesem weichen Pfühl; aber es ist nicht
Zedermanns Eache, sich bis über die Ghren in die
Polster zu versenken.

Unzweifelhaft ist pankok ernstlich bestrebt, den
Forderungen des Materials gerecht zu werden, und
man kann unbedenklich sagen, daß er gerade in dieser
pinsicht seit dem letzten Jahre entschiedene Fortschritte
gemacht hat. Er brachte dieses Jahr eine ganze
Reihe von Ltühlen, sammt und sonders bequem,
ohne daß auch nur einer mit der Natur des polzes
in Widerspruch gerieth.

Bei der Romposition eines Btuhles aus polz
treten stets sozusagen Znteressen-Gegensätze aus. Zu
den rundlichen Formen des menschlichen Rörpers

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