Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 23.1888

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Ein von I>. 8. illustrirtes bei Mathes Stöckel in Dresden im Jahre 1585 erschicnenes Buch.

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lust des Publikums immer mehr ubnimmt. Wer sull
denu uuch Lllst zum Kuufeu bekvmmen in svlcher
Atmvsphüre, welche jede Begeisterung ersticken muß?

Nuu zu Leixners Vvrschlügeu! Er behült dubei
zuuüchst Deutschlund uud Osterreich im Auge uud
verlungt

Ersteus, duß die Zuhl der Ausstelluugeu und
der Aussteller beschränkt werde. Nur ulle drei Juhre
svlle mun eiue „Festausstellung" (so Ivill er die neueu
Nnternehmuugen genanut wissen) ubwechselnd in
Berlin, Müuchen und Wieu veranstulten. Zur Aus-
stellung geluugen nur 300 Gemülde, 100 Aguurelle,
Zeichnungen nnd Stiche, 100 Werke der Bildhauerei.
Vonniemundem wird mehr als ein Werk augenvmmen.
Lluch früher Prümiirte unterstehen der Jurh.

Zweitens. Leiter des Uutcruehmens ist dus
Deutsche Reich, beziehentlich Osterreich. Es beuuf-
trugt bestimmte Künstler mit der Bilduug von Aus-
schüsseu in dcn Hanptvrten des Kunstbetriebes. Diese
svrdern die besten Küustler ihres Bezirkes zur Teil-
uuhme uuf uud eutscheiden über vvrlünfige Aunuhme.
Die cingesundten Werke unterliegen einer uus den
besten Künstlern und Kunstrichteru zusummengesetzten,
zugleich uls Huuptuusschuß sungircudeu Aufuuhme-
jury. Diescr Huuptuusschnß stellt uuch die Liste der
cinzuludeudeu freniden Küustler uuf und eutscheidet
über die Auuuhme ihrer Einseuduugen. Die Kvsteu
trägt der Staut. Er uimmt viermul iu der Wvche
eiu müßiges Eintrittsgeld; un drei Tugen ist freier
Eintritt. Der Reinertrug kommt den Lehrmittel-
summlungcn dcr stautlichen Kunstschulen zugute.

Drittens. Die Aufstellung ist sv einzurichteu,
duß dem Beschuner cin möglichst nngestvrter Genuß
vermittelt wird. Durch Zwischenwünde, Teppiche u. dgl.
werden ciuzelne kleiucre Rüume geschuffcn, iu dcnen
unr wenige Werke Plutz fiuden. Der svnstige Schmuck
der Nüumc hut nnr dcn Zweck, Stimmung für die
Kunstwcrkc zu schaffen, ulle störendcn Einflüsse feru
zu halteu.

Viertens. Jedc jahrmurktsmüßige lllebcuuus-
stellung uud dic Abhultuug vou Mnsikuufführungcn sind
grundsützlich ausgeschlosseu.

Fünftens. Ebenso bleibtausgeschlvssenjedeAus-
zcichuuug der Künstler durch Ordeu, Medaillen oder
gur durch deu Professortitel.

Das ist im wesentlichen der Jnhult von Leixners
Vvrschlägen, denen mun die streng idcalc Grnnd-
tendenz nicht ubsprechen kunn. Es fragt sich uun
ullerdiugs, was unsere Ausstellungspruktiker duzii sugen,
ganz abgesehen vvn dem Grvs der Kiinstler, uuf deren
Halloh mun gefußt sein muß. Auch ihueu wird übri-
geus klur geworden sein, daß es uuf dem Wege des
heutigen Ausstelluiigstrvuble's uicht weiter geht, du

ju dic Käufer sich iminer mehr verlaufen. Vor ullenr
uber svllte der Staut es sich denn dvch crnstlich über-
legen, vb es ihm zustehe, bci den Jahrmürkteu der
jetzigen Kuustuusstellungen nvch ferner den Protcktvr
zu spielen. Fiir den Stuut gelteu nur die ernsteu
Jnteressen der Kunst. Spitul nnd Reklume mögen
den Geuosseuschusten, deu Vereiuen und Händlern übcr-
lussen bleiben!

<Lin von O. II. illustrirtes bei Mathes 5töckel in
Dresden ini jZahre s583 erschienenes Buch.

Jn der kgl. öffentlichen Bibliothek zu Dresdcn
befindet sich eiu kleiner Quurtbund eines ungenunnteu
Verfussers, betitelt „Von dcu loseu Füchseu dieser
Welt / guntz kurtzwcilig zu lcsen / vnd auch allcn Menschen
nützlich zu wissen Mit schvnen Figuren gezierct.
N11I-XXXV."

Außer eiuem Titelbild und eiuein uugezählteu
Bilde uuf Blatt 0 hut dusselbe 10 gezühltc „Figurcn",
deren neuute auf einem niedrigeu un den unteren Ruud
des Bluttes gezeichueten Steine dus Mvnvgrumm v >l
trügt. Dcr Verfusser des Buches uud der Zeichner
der Figuren, resp. dcr Hvlzschueider, beidc hubeu ihrc
Auvnymitüt gut zu wuhreu gewußt, ju uoch mehr,
uußer iu einem ulten Schulprvgrumm, betitclt „C. A.
Freyberg., Vvu deu allerersten nnd ültestcn Buch-
druckern zu Dreßden . .., Dreßden 1740," uud uußcr
in Grüße's Vrvsor ckss livrss rures sucht mun den
Titel vergebens. Selbst Ebert, der ja Oberbibliothekur
der Dresdner Biblivthek wur, und dcr dus Werk iu
seinem Bibliographischen Lexikvn hätte vcrzeichnen uud
mit einem uls iu Dresden zu finden hütte bezeichuen
müssen, kennt es nicht. Es hat sich uun uber gezeigt,
duß dieses Fuchsbuch in Wirklichkeit uichts weiter ist,
uls eiue freie Übcrsetzung Vvu Jeun Bvuchets zuerst
ctwu im I. 1501 in Puris erschieneuen irsZn8.rs
truusrsuLt Iss psrillsusss vozws I)ss tollss üunsss
än inonäs, welches vom Verleger trügerischcr Weise
deni dumuls sehr beliebten Sebastian Brandt zugeschric-
ben tvird. Bezüglich der Jllustrativneu nnseres Werkes
schreibt der uubekunute Herausgeber in einer „kurtzen
Erinnerung un den guthertzigen Leser": „Weil unch
diß Büchlein (dns frunzösische Originul) mit Eylfs
Figuren gezieret/vnd die vor Alters weil dic Künstc
jetziger Zeit sehr hoch gestiegen uicht svndcrlichs an-
sehen gehubt/habe ich dieselben uufis newe Reissen vnd
Schneiden lassen . . .", er hütte nber getrost schreibeu
können, er hube audere zeichneu lusseu, denu wirklich
huben wohl sämtliche Bilder Füchse, d. h. schlechtc,
verschmitzte Menschen, und ihr Treiben zum Gegen-
stund, sogut wie im frunzösischen Originule, aber sein
Zeichuer ist ganz frei verfuhren und hut sich nicht
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