Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 23.1888

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Mantuaner Schlachtenbilder aus dem 16. Jahrhundert auf Schloß OpoLno m Böhmen.

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Nr. 39. Wenn dieses Bild wirklich eine Arbeit
des Nuysdael sein sollte, so ist es eine so schwache,
daß ich es für Unrecht halte, durch dieselbe bei dem
Publikum eine irrige Meinung von dem Meister zu
erregen.

Nr. 40. Weder A. noch I. Both. Wem die
Behandlung des Baumschlages über der Mauer nicht
genügt, der halte sich an die Ochsen- und Pferdeköpfe.

Nr. 41. Das bereits Gesagte erfährt nur durch
die Anmerkung eine Erweiterung, daß die Staffage
von außerordentlicher Schwäche ist.

Nr. 42. Jch verweise auf meine Broschüre „Zur
Frage der Bilderfälschung".

Nr. 43. Das Bild ist entweder niemals ein
v. d. Neer gewesen oder läßt doch nur noch wenig
Spnren eines zurecht gemachten Originals erkennen.

Nr. 44. Wenn dieses Bild ein echter Ever-
dingen ist, so zählt es zu seinen allerschwächsten Ar-
beiten und gehört nicht in eine Galerie, wo keine
besseren vorhanden sind.

Nr. 45. Das Bild ist trotz seiner falschen
Signatur ein sehr unsympathischer Murant. Jch
glaube nicht, daß irgend ein Privatsammler 1000 Mk.
dafür gezahlt hätte. Die Luft ist übrigens geschunden.

Nr. 46. — Nr. 47. Der Zustand des Bildes
läßt ein sicheres Urteil nicht zu. Die Signatur ist
und bleibt falsch.

Nr. 48. Kein Moucherou. Schwaches, zurecht
gemachtes Bild.

Nr. 49. Es ist unbegreiflich, wie ein solches
Bild in einer Galerie so lange einen so anständigen
Namen führen konnte. Man betrachte doch nur das
Haus zur Linken.

Nr. 50. Keine Spur von einem Hobbema.
Übrigens pikant und wohl englischer Herkunft.

Nr. 51. Das Bild ist 1873 für 6000 Gulden
Vvm Frankfurter Kunstverein gekanft, ein Preis, der
schon an und für sich ein Unding ist für jeden, der
etwas von Preisen versteht. Er ist entweder viel zu
hoch oder viel zu niedrig. Hier tritt der erstere Fall
ein. Es ist geradezu unglaublich, einem der größten
Meister ein solches Bild aufhalsen zu wollen.

Nr. 52. — Nr. 53. Siehe meine Brofchüre.

Nr. 54. Kein Wouvermann. Viel zu schwach.

Nr. 55. Dies ist das einzige Bild, bei welchem
ich etwas in meinem ersten Artikel Gesagtes zurück
zn nehmen habe. Allerdings ist es so schwach be-
leuchtet, daß ich mit meinem Ange darum nicht weiter
rechte. Der Name ist in der That mit zwei ,,s" ge-
schrieben, wie mir Woermann nachwies. Das erste
s hat die holländische Schleife, das zweite nicht, und
das hat mich irre geführt. Jch will nunmehr auch
die Echtheit der Signatur nicht weiter bestreiten.

Nr. 56. Gekauft 1868 vom Frankfurter Kunst-
verein für 3000 Gulden. Viel zu schwach für van
de Velde.

Nr. 57. Kein Weenix.

Nr. 58. Gutes Bild, aber kein de Heem.

Nr. 59. — Nr. 60. Das Bild ein echter v. d.
Velde, aber kein bedeutender.

Nr. 61. Angekanft vom Frankfurter Kunstver-
ein für 3500 Mk. Ein Bild im Stile des van Os.
Man wird doch so etwas nicht im Ernst für „Huij-
sum" halten? Theodor Levin.

_(Schluß folgt.)_

Mantuaner 5chlachtenbilder aus dem f6. Iahr-

hundert auf 5chloß Gpocno in Böhnren.

von vr. lsugo Toman.

(Schluß.)

Auf die Zeit der Entstehung unserer Bilder
deuten — natürlich abgesehen von den innern Grün-
den — weitere Umstände mit großer Wahrscheinlich-
keit hin.

Nach einer gütigen Mitteilung des Herrn Gio-
vanni Morelli hat die Feldherrnfigur mit Kommando-
stab auf dem weißen Zelter des dritten Bildes
Ähnlichkeit mit Francesco Maria della Rovere,
Schwiegersohne des Francesco Gonzaga (dieser letztere
gestorben 1519), von dem eine treffliche Büste in
Terrakotta in der Bibliothekssammlung in Mantna
existirt, abgebildet bei Lützow, Kunstschätze Jtaliens,
S. 183.

Die Architektur ferner anf dem ersten Bilde stellt,
wie oben erwähnt, zweifellos die Fafsade des goti-
schen Domes von Mantua vor, welche Fassade von
Girolamo Genga (gest. 1551) im Sinne des neu vou
Giulio Rvmano seit 1534 begonnenen Umbaues dieses
Domes im Renaissancestil, souach vor 1550, neu her-
gestellt wnrde.

Nachdem auf unserem Bilde die Architektur der
alten gotischen Fassade mit großer Wahrheit und Sorg-
falt, sonach wohl nach der Natur ausgeführt ist, muß
auch unser Gemälde vor dem Jahre 1550 gemalt
worden sein.

Es ist nach dem Vorausgeschickten zweifellos,
daß die genannten Gemälde irgend hervorragende histo-
rische, die Familie der Gonzaga betreffende Ereignisse,
welche in oder bei Mantua stattgefunden haben, dar-
stellen, daß sie für einen Saal auf einem der Schlösser
dieser Familie in oder bei Mantua bestimmt waren,
und von einem Maler gegen die Mitte des 16. Jahr-
hunderts höchst wahrscheinlich in Mantua selbst aus-
geführt worden sind.

Es entsteht »un die weitere Frage, wie und wanu
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