Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 23.1888

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Todcsfälle. — Kunst- nnd Gewsrbevercine. — Sammlnngen nnd Ansstellungen.

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16. Jahrhunderts entstanden sind, und daß die-
selben eher die Schnle des Giulio Romano, als die

stets noch quattrocentistischen Lorenzo Costa ver-
raten, nnd daß sowohl der landschaftliche Hintergrund,
als ganz besonders die Darstellung, Bewegung und
Rasse dcr Pferde sehr an die Art und Weise des
^iulio Romano erinnern." Jch hatte vorher, ver-
ieitet durch die antikisirende Darstellung auf den zwei
ersten Bildern, die Entstehungszeit etwa in die ersten
zwei Dezennien des 16. Jahrhunderts setzen zu müssen
geglaubt.

Zu dem Urteile des Herrn Giovanni Morelli
glaube ich meine weiteren Beobachtungen hinzufngen zu
dürfen. Es ist wohl bekannt, daß wenn Künstler ihr
eigenes Bildnis anf ihren Bildern anbringen, sie sich
in der Art darzustellen Pflegen, daß sie aus dem
Bilde heraussehend den Beschauer anzusprechen scheinen,
weshalb solche Bildnisse sogleich auffallen.

Jn dieser Weise fällt nun auch der Kopf des in
der Gruppe der Musketiere links am Rande auf dem
dritten Bilde schreitenden, barhänptigen Mannes anf.
Beim ersten Blicke auf das Bild sagte ich, das müsse
der Maler des Bildes sein, nnd nach Erhalt der Mit-
teilnng des Herrn Morelli suchte ich das Bildnis
Giulio Romano's auf, so wie ich es nach dem alten
Holzschnitt in der Försterschen Ausgabe Vasari's be-
sitze, — nnd ich glanbe in dem erwähnten
Manne auf unserem Bilde das Bildnis Giulio
Romano's, nur etwas jünger dargestellt, ge-
funden zu haben. Mindestens haben beide ver-
glichene Köpfe denselben Thpus und Charakter.

Bei dem Leben, der Größe und Bedeutung der
Kompositionen wäre es vielleicht nicht nnmöglich, daß
unsere Gemälde, sei es nach Zeichnungen Giulio
Romano's, sei es auch nur in seiner Werkstatt, aus-
geführt worden sind.

Es könnte einem Lokalforscher gelingen, den Ur-
heber sowie die historische Grundlage der Gemälde
mit größerer Sicherheit zn bestimmen; mir genügt,
wenn es mir gelingen sollte, auf die Gemälde die
Aufmerksamkeit gelenkt und auf ihre Bedeutung als
höchst interessante Schlachtenbilder ans jener Zeit hin-
gewiesen zu haben.

Todesfälle.

O Dcr französischc Gcnremaler und Jllustrator Charlcs
Eduard de Beauinont ist am l 2. Januar in Paris iin Alter
von 66 Jahren gestorben. Er hat u. a. den ,,viable s-inou-
rsux", die ,6ontss^ von Lafontaine und die „L.vsnture8
lls llortnnatus" illustrirt und war anch als Schriftsteller
auf dem Gebiete der Waffenkunde thätig.

Aunst- und Gewerbevereine.

11 Österreichischer Kunstvcrein. Wilhelin Beckmann
hat mit seinein Geniälde „Richard Wagner im Wahnsried"
allen Verehrern des Msisters eine große F-reude bereitet.

Der Künstler läßt uns einen Blick in das Arbeitsgeinach
des Dichter-Komponisten thnn, in dem sich seine Getreuen
oft einzufinden pflegten, die neuen Schöpfungen des Meisters
zu besprechen. Die Szene vsrgegenwürtigt uns einen Mo-
inent aus Wagners letztsn Lebensjahren.' Dis Partitur des
Parsifal ist vollendet; Liszt hat sie auf dem Schoße vor sich
lisgen und ist init Wagner und Hans von Wolzogen in leb-
haftem Gespräche; zur Linken lauscht Frau Cosim'a aufmerk-
sam der Diskussion dsr Männer. Es ist eine Vvrnehme
Ruhe übsr die illustre Gesellschaft gebreitet, und der Künstler
hat, bei scharfer Jndividualisirung der Gestalten, in der-
selben die hohe Begeisterung sür die Jdeale der Kunst aus-
uprägen verstanden. Es wurde viel gefabelt von der ver-
chwenderischen Ausstattung der Wagnerschen Wohnrüume
im Wahnfried; davon merken wir in dem treu nach der
Wirklichkeit gemalten Bilde nichts. Das Gemach ist schlicht,
jedoch mit feinem Geschmack eingsrichtet; von besonderem
Jnteresse sind nur die verschiedenen Geschenke, welche wir
in dem Bilde wiedergegeben findcn, so namentlich einige
Bildnisse von Lenbach. Eine im Atelier Hanfstängl anae-
fertigte Heliogravüre nach dem Gemälde wird gewiß vislen
Berehrern des Meisters ein willkommenes Erinnerungsblatt
an die Parsifalfesttage von Bayreuth sein. — Von den übrigen
Bildern der Ausstellung nennen wir W. Geißlers „Wal-
purgisnacht", ein Gemälde von phantastischer Wirknng. Die
in wilder Felslandschaft in magischsm Fsuerschsin tanzenden
Scharen mit dem dnmonischen Niesenhaupte über den Berg-
wipfeln boten dem Künstler reiche Gelegenheit zu gsspen-
stischen Effekten, die er in zeichnerischer und koloristischer
Hinsicht auch sattsam erzielte. F. Knabs „Römisches Grab-
mal" ist eine reizvolle landschaftliche Komposition und zu-
gleich ein koloristisches Prachtstnck. Die feine Abendstimmung
des Vordergrundes steigert sich zur brillanten Luft in den
herrlichsten Farbenakkorden. Jn den Haunoldschen Stu-
dien von den oberösterreichischen Seen sinden wir zarte
Naturlaute, die in ihrem klaren schlichten Vortrag an die
Perlen dieser Art von Hansch erinnern. F. Pausinger,
der unermüdliche Schilderer des Tierlebens der Alpeuwelt,
hat eine Reihe großer Kohlezeichnungen ausgestellt, Ethoser
eine ganze Kollektion großer Aquarelle mit charakteristischen
Motiven aus Rom, Venedig, den Alpen ic. Malerische
Auffassung und geniale breite Pinselsührung sind die Hanpt-
vorzüge des Künstlers; nur würden wir scinen Gestalten
etwas mehr Gemüt und Empsindung wünschen, sie muten
uns gar so kühl und trocken an. Wir verzeichnen von der
Tagesausstellung noch Rud. Alts treffliche Aquarelle, dar-
unter eine besonders schöne Ansicht der nenen Universität
zu Wien, Pompiani's figürliche Studicn aus Rom und
Dworaks flotte Pastellstudien C. Schüllers Porträt
des Klaviervirtuossn Th. v. Leschetizki ist sprechend ähnlich,
mehr ist darüber wohl nicht zu sagen; V. Broiriks Bildnis
dcr Frau Julie Schamberg als Messalina ist ein geistreiches
Bild. — Die Abendausstellung beherrschen Z ichy und seine
Schülerin Mary. Das Hauptbild ist des Künstlers be-
kanntes nnd vor Jahren auch an derselben Stells ausge-
stelltes Essektstück „Die Geisterstunde auf dem Friedhof".
Einet Szenerie zum „Gruseln", die, mit der bekannten Vir-
tuosität. Zichy's gemalt, ihre Wirküng nicht verfehlt. Frei-
lich ergötzt sich das Auge daran nur solange, wie es vvr dem
Bilde weilt, einen tieferen Eindrnck hinterlassen ihm die
Geister nicht.

O.N. Dcr Wiirttembergischc Kuiistvcrcin hielt am 16. Januar
d. I. in Stuttgart seine ordentliche Generalversammlung
ab. Von den Beschlüssen derselben führen wir als beson-
ders wichtig an die Erwerbung der juristischen Persönlich-
keit und die Erwerbung eines geeigneten Bauplatzes zur
Erbauung eines eigenen Ausstellungslokals in Gesanitvor-
anschlag von Sü üüü Mk. Für diesen Zweck sind bereits
54 000 Mk. disponibel; der König von Württemberg als
Protektor des Vereins hat in Gemeinschaft mit der Königin
büüü Mk. dazu geschenkt. Das Fehlende wird durch Ver-
anstaltung einer Lotterie Vvn Kunstwerken und Aufiiahme
einer Hypothek gedeckt.

5ammlungen und Ausstellungen.

D Einc Oskar Pletsch-Ausskcllung wird von der Direk-
tion der Berliner Nationalgalerie vorbereitet.
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