Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 23.1888

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Herkmners Radirung der Miß Grant.

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' ^tthäus Mericm dem Jüngeren gemalten LciLS lromo
^ngende, erst seit einigen Wochen hier angebrachte
obelin mit der Krcuzfindnng nnd Kreuzprvbe ge-
b'U dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts an.
u >st einer der vielcn kostbaren, zum Teil ans
"ii, 44 Jahrhnndert stammenden Gobelins dieser
^U'che, djx alljahrlich einmal, am Kirchweihfeste, nn
Wnnden prangen und Seenen aus dem Leben
"s' heil. Sebald, der heil. Katharina, die Geschichte
.u berlorenen Sohnes u. a. zeigen. — Sehr be-
bhädigt ist das hinter dem Tucherschen Altare befind-
bhe Wandgemalde mit dcm Abendmahl, der Fuß-
^üschung, dem Gebet am Ölberge nnd der Gestalt
ini Jghne 1403 verstorbenen Stifters Hans Stark-
chbch das dem Beginne des 15. Jahrhunderts ange-
^uide interessante, von den Familien Groland nnd
"uffei gestiftete figurenreiche steinerne Sakraments-
tänschen hat durch die Zeit sehr gelitten. Propst
ch^chior Pfinzing wollte es im Jahre 1514 aus der
nrchx entfernen, aber die Nachkommen der Stifter
.^^bwahrtcn sich energisch dagegen, und so blieb es
^shen. Wie dieses so bedarf auch der daneben stehende
6 Petrusaltar einer gründlichen Restanrativn. Von
u>, Scenen aus der Lebens- und Leidensgeschichte des
iul. Petrus darstellenden, sehr charakteristischen Flügel-
bldern des Wolgemnt sind leider die ineisten ganz
buiiiirt.

Daß Veit Stvß nnd nicht Adain Kraft dcr
Uister der nnu folgenden drei sehr realistisch aus-
^snhrten großcn Stcinreliefs war, kann imnmehr als
^bvgemachte Sache gelten, sein Moiiogramin nnd die
^"hreszahl befinden sich auf deni Schwerte eines dcr
^chergen auf der Darstellnng der Gefangennahme
hbisti; die beiden anderen Darstellungen sind Christus
Dlberge und das heilige Abendmahl. Die lctztere
ttvch dadurch besonders interessant, daß die Köpfe
h'orträts der Ratsmitglieder des Jahres 1501 sind.
Ziiin Jndas mnßte der Ratsschreiber Johann Wett-
Utti», den Kopf hergeben. — Von geringer Bedentiing
E ^or Muffelaltar mit der Auferstehung Christi von
^°h- Franz Ermels vom Jahre 1663, während die
Johann Kreuzfelder, einem Schüler des Nikolaus
fsuvenel 1603 anf Holz gemalte Paradiescsdarstellnng
sbie i„ Bezug anf Zeichnung und Farbe gnte und
^teressante Leistung jener Zeit ist. Sie ist eine
^äiftnng von Christoph und Friedrich Behaim, Nach-
"ttinien des Seefahrers Martin Behaini. Vorzüglich
^halten ist ein Gobelin vom Jahre 1495 mit der
. ^bnrt des Heilandes und mehreren Heiligen. Über
südlichen Thür erscheint im Spitzbogenfelde ein
'?"btes Holzrelief mit der von Christina Ebner, Nonne
^ Kloster Engelthal, verehrten Madonna, ein im
^ginne des letzten Viertels des 15. Jahrhnnderts

' entstandenes Werk. Vvn der ursprünglichen, 1444
von Traxdorf gebauten Orgel wird nicht mehr
viel erhalten sein, sie wnrde häufig restanrirt, sehr
gründlich unter Heideloff, der fie mit gotischem Zierat
versah. Von den Glasmalereien sind unzweifelhaft
dic der zweiten Hälfte des 14. Jahrhnnderts ange-
hörenden, mit ihrcn satten tiefcn Farben und cha-
rakteristischen Zeichnnngen, am interessantesten und be-
deutsamsten; einer größeren Popularität erfreuen sich
jedoch teils wegen der Darstellungen, teils wegen der
i sich an sie knüpfenden Künstlernamen, die Fenster des
Chorschlnsses nnd das aus dem Ende des 15. Jahr-
hunderts stamiiiende Vvlkamersche Fenster mit Scenen
aus der Jugendgeschichte Christi, an der Sndwand des
Ostchors. Sie sind daher anch einzeln aufgeführt. Zn-
nächst das über dem Sakramentshäuschen befindliche
Bamberger Fenster vom Jahre 1501, wahrscheinlich von
dem Bamberger Wolf Katzheimer gefertigt. Die Gestalt
Dürers darnnter ist ein Werk Heideloffs, das wie die
entsetzlichen Köpfe Luthers nnd Melanchthons vomJahre
1817 unter dem Markgrafenfenster doch endlich einmal
entfernt werden sollte, da es von höchst unerfrenlicher
Wirkung ist. Znm Mcirkgrafeiifenster, mit Markgraf
Friedrich von Brandenbnrg, dcssen Gemahlin Sophie
von Polen und acht Söhnen, lieferte Hans von
Kulmbach die Zeichiiung, während Veit Hirsvogel
mit seinen Söhnen im Jahre 1515 die Ausführung
besorgte. Ein Jahr vorher hatte Hirsvogel das Maxi-
milinnsfenster gcmalt mit den Bildnissen des Stifters
Maxiinilian I. und seiner Gemahlin Maria von Bur-
gund, sowie von deren einzigcm, 1506 verstorbenem
Sohne Philipp dem Schönen und dessen Gemahlin
Johanna von Kastilien, dcn Eltern Karls V., und
gleichfalls im Jahre1515 entstand von gleicher Künstler-
hand das Pfinzingsche Fenster mit vielcn Gliedern
der Familie Pfinzing, darunter anch der Dichter des
Theuerdank, sowie mit der Madonna, der heil. Anna,
und den Heiligen Sebald nnd Christoph. Das letz-
tere Fenster ist rcstanrationsbedürftig, überhaupt er-
scheint eine Restanrirung des Kircheninnern in nian-
cher Hinsicht sehr wünschenswert. Aber diese Wünsche
müsfen schweigen, bis die geplante Restauration des
Änßeren vollendet sein wird, derenJnangriffnahme niin
nicht niehr lange anf sich warten lassen kann.

Nürnberg. P. I. Röe.

Herkomers Radirmig der A7iß Grant.

Auf der vor Jahresfrist geschlossenen Jubiläums-
ansstellung zu Berlin erregte unter den neueren Bil-
dern zugleich mit Passini's Nengierigen wohl kein
Geinälde größere Aufmerksamkeit und größeres Ent-
zücken als Hnbert Herkomers Porträt der Miß
Katherina Grant. Ilnd in der That verdiente das
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