Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 23.1888

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Mantuaner Schlachtenbilder aus dem l6, Jahrhundert auf Schlvß OpoLno in Bvhmeu,

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plastischen Schmucke im Geschmacke der französischen
Barockkunst erinnert es am meisten an das kleine
Hoftheater in der Münchener Residenz, übertrifft das-
selbe aber weit durch die harmonischen Raumberhält-
nisfe, durch den leichteren architektonischen Aufban,
durch die Mannigfaltigkeit anmutiger Motive im
plastischen Schmucke uud durch die überaus sorgfältige
technische Ausführung, Gleich der erste Eindruck anf
den Besucher ist ein ungemein bestechender, und er
erhöht sich, wenn das Auge sich mit den einzelnen
Schönheiten der ganzen Anlage vertraut macht. Man
hat gleich die Empfindung, sich in einem salonartig
eingerichteten Raume zu befiuden, der fiir eine unter
sich wohlbekannte distinguirte Gesellschaft bestimmt ist.
Die Logen und Galerien bauen sich in schön ge-
schwungenem Rund leicht übereinander empor, nnd
man bemerkt nirgends etwas Schweres oder Lasten-
des, indem der ganze Aufban nur von vielgestaltigen,
graziös bewegten Figuren oder schlanken, feingeglie-
derten Säulen getragen wird, während alle konstruk-
tiven Teile sich in anmutige und zierliche Ornamente
auflösen. Dabei fehlt es nicht an interessanten neuen
Details. So haben z. B. die Architekten die zu
beiden Seiten der Bühne gelegenen ersten vier Logen
in allen vier Rängen zu einem grandioseu Portal
zusammengefaßt und oben durch einen flachen Bogen
verbunden. Durch dieses Portal wird das seenische
Bild der Bühne sehr wirksam eingerahmt, während
zngleich die obere slache Wölbung desselben die an
sich sehr günstige Akustik des Hauses noch befördert.
Nicht minder orginell und gelungen ist die Anlage
des Amphitheaters, welches in der Mitte durch beide
Logengänge geht und durch seine Umrahmung mit
schwungvollen plastischen Ornamenten und Figuren
zu einer großen Prachtloge gestaltet ist. Am Pla-
fond, der sich über der obersten Galerie weit und
leicht ausspannt, bilden die mannigfach verschlungenen
plastischen Ornamente, zwischen denen fliegende
Genien schweben, den Rahmen der Deckengemälde des
jungen Malers Eduard Veith, der sich dadurch sehr
vorteilhaft bekannt macht. Sie stellen eine der drama-
tischen Btuse dargebrachte Huldigung dar und sind so
zart und duftig gemalt, daß man durch das kräftig
modellirte barocke Maßwerk in ein von idealen Ge-
stalten bevölkertes luftiges Wolkengebiet zu blicken
meint. Jn derselben Weise hat Veith auch das Bild
des Vorhanges, eine Vision des dramatischen Dichters,
gemalt, so daß der Zuschanerraum dadurch nach allen
Seiten in der gleichen stimmungsvollen Harmonie
der Farben und Formen abgeschlossen erscheint. Die
von den Wiener Bildhauern Friedl und Strictins
in Stukko ausgeführte Plastik trägt durch ihr leuch-
tendes Weiß und durch die geschmackvoll verteilte Ver-

goldnng, in Verbindung mit dem Rot der Draperien,
noch dazu bei, das festlich heitere Aussehen des Zu-
schanerraumes zu erhöhen, und bildet einen sehr gün-
stigen Rahmen für die eleganten Toiletten der Damen,
was man namentlich bei der Eröffnungsfeier be-
obachten konnte. Dabei wird der Ranm dnrch eine
flutende Fülle von Licht erhellt, indem die Beleuch-
tung eine doppelte — durch Gaslicht von dem großen
Mittellüster aus und durch elektrische Lampen in den
Bogen der Logen — ist."

„Das Haus faßt zweitausend Personen, also weit
mehr als jedes der Wiener Privattheater und das
alte Burgtheater, und hat ungesähr den Fassungsraum
des neuen Burgtheaters. Die Situirung der Galerie-
plätze ist eine so geschickte, daß man selbst von dem
entferntesten die Bühne überblickt. Zahlreich sind die
technischen Neuerungen nnd Verbesserungen in der
Anlage und Einrichtnng des Baues. Dazu sind vor
allem die offenen Terrassen nn den beiden Längsseiten
des Zuschauerranmes zu rechnen, auf welche die Be-
sncher von der Galerie ans unmittelbar gelangen
können. Die Gasbeleuchtung für den Lüster wurde
gewählt, um dadurch die Leistungsfähigkeit der aus-
gezeichneten Ventilationseinrichtnng zu vermehren.
Neu ist auch die Konstruktion des eisernen Vorhanges,
der aus zwei Hälften besteht, die sich in der Mitte
teilen und teils nach aufwärts, teils nach abwärts
geheu. Das Orchester ist in die Tiefe versenkt und
vollkommen unsichtbar. Der Unterbau der Bühne ist
ganz aus Eisen und die Maschinerie desselben ge-
stattet alle nur möglichen Veränderungen des Podiums.
So hat das deutsche Publikum Prags in seinem neuen
Theater einen Prachtbau erhalten, dessen es sich mit
Necht frenen kann."

Mantuaner 5chlachtenbilder aus dem s6. Iahr-

hundert aus 5chloß Mpocno in Böhmen.
von vr. Lsugo Toman.

Jn der an guten Bildern italienischer Meister
namentlich des 17. Jahrhunderts reichen Sammlung
des fürstl. Colloredoschen Schlosses Opocno in Böh-
men ziehen drei große Schlachtenbilder die Aufmerk-
samkeit des Beschauers, teils wegen ihrer Größe, teils
durch die Fremdartigkeit der Auffassung und des Stoffes
auf sich. Die Höhe derselben, 164 em, gegen die bedeu-
tende Breite von 674 em, läßt vermuten, daß es Ge-
denkbilder historischer Vorgänge zum Schmuck irgend
eines großen Raumes gewesen sein mögen.

Farbe, Textur und Vortrag erinnern beim ersten
Blick an die Venezianer des 16. Jahrhunderts, etwa
an die Bassano's; die altertümliche Kompositionsweise
deutet jedoch auf die erste Hälste dieses Jahrhun-
derts hin.
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