Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 23.1888

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23. Iahrgang.

Nr. (8.

(837/88.

Aunstchronik

9. Februar.

Wochenschrift für Runst und Aunstgewerbe»

Ankündigungsblatt des verbandes der deutschen Uunstgewerbevereine.

Herausgeber:

Larl v. Lützow und Arthur pabst

wien Berlin, rv.

irheresicinuiiigasse 25. Alirsürstc'iistraße 5.

Lrpedition:

Leixzig: L. A. Seemann, Gartcnstr. s5. Berlin: w. ts. RLHl, Iägerstr. 75.


Inhalt: Noch ein wort in Sachen des Städelschen Instituts. — Iäger, Die Gartenkunst. — Theob. st)etschke ch. — wiederauffindung des Aabirion
bei Theben. — Nationaldenkmal für Indianapolis. — ^effner - Ausstellung in Berlin. — Lrwerbungen der Dresdener Galerie; Runst-

Noch em lVort in 5achen des 5tüdelschen
Instituts.

(Schluß.)

Jch dcuke, zunächst werdeu sich diejenigen be-
ruhigen, welche mich für toll erklärten, weil ich bei
den schönsten Bildern der Welt sv viel Wert auf die
falschen Signatnren legte. Jch erfülle jetzt mein
Versprechen und halte Nachlese nnter den nbrigen
Bildern.

Nr. 62. Jodocus van Winghe. Bildnis eincr
Dame. Nr. 117 des Kataloges. Ob die Bezeichnnng
I. A. Wing echt ist, kann bei dem hohen Standort
des Bildes nicht entschieden werden. Ein Porträt
von Jodocus van Winghe wäre ein interessantes
Bild. Dieses ist eine schwache dentsche Arbeit aus
dem 17. Jahrhundert.

Nr. 63. Jan Bruegel. Die Erschaffung der
Eva. Gekauft vom Frankfurter Knnstverein für
600 Fl. Spätere Jmitation, aber besser als die von
Beschey. Die Löwin ist mit ein paar unglaublichen
Hinterbeinen behaftet.

Nr. 64. P. P. Rnbcns- König David mit der
Harfe. Nr. 127 des Kataloges. Von dem Bildc
kann der Kopf, ein kleiner Teil der rechten Hand und
der Schnlter sür eine Arbeit des Rnbens gelten. An
dieses ursprüngliche Fragment ist alles Übrige ange-
setzt und von außerordentlich schwacher Hand. Das
Bild, welches geeignet ist, den Sinn des Pnblikums
zn verwirren, wurde mit 6440 Fl. bezahlt.

Nr. 65. Derselbe. Maria auf dem Throue.
Nr. 128 des Kataloges. So lange wir solche
Fabrikate im Ernst für Originalarbeiten des Mei-

stcrs halten, sieht es mit nnserer Bilderkenntnis
schlecht aus.

Nr. 66. Derselbe. Diogenes sucht Menschen.
Nr. 129 des Kataloges. Gekauft vom Frankfnrtcr
Kunstverein für 5000 Fl., sage fünftausend Gulden.
Englisches Fabrikat.

Nr. 67. Derselbc. Satyr mit Nymphen. Nichts
als eine Jmitation.

Nr. 68. Derselbe. Bildnis eines Kindes. Nr.
131 des Kataloges. Wenn das Bild iiberhanpt von
einem Meister des 17. Jahrhunderts und identisch
mit dcm Bildnis in der Sammlnng des Herzogs von
Valentinois wäre, dann müßte es, wie von sachver-
ständiger Seite geschehen, Cornelius dc Vos genaunt
werden. Das Bild ist ein englisches Fabrikat des
vorigen Jahrhunderts, glasig, unkörperlich, unauge-
uehm, daß es wirklich ein schweres Unrecht wäre,
einem der größten uud noch lauge uicht nach Gebühr
geschätzten Meister des Porträtfaches so etwas zuzu-
muten. Man studire iibrigens die Armbänder, das
Kreuz aus der Brust und die Hände.

Nr. 69. Derselbe. Ein weißes Pferd. Nr. 132
des Kataloges. Daß das Bild nicht von Rubens ist,
darf auch schon auf die gegenwärtige Entfernung aus-
gesprocheu werden. Dagegen scheint es mir ein
gutes Bild aus der Zeit zu sein. Von Rubeus gilt
für das Städelsche Jnstitut, was ich oben bei Steen
bemerkt habe. Aber mit wie geringer Sicherheit sich
die Kritik diesem Meister gegenüber bewegt, das ist
mir uoch an ganz anderer Stelle klar geworden.
Eius der bewundertsten Bilder der Pinakothek ist
der Hirte, welcher ein junges Weib nmarmt (Nr. 759).
Kein Rnbens der Pinakothek wird von Knnstlern
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