Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 23.1888

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Personalnachrichten. — Sammlungen und Nusstelluugcn. — Vom Kunstnmrkt.

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Ud das Bild wanderte ins Ausland. Die Broschüre der
^3°ugs angeführten beiden Herren, denen die ganze auf
ei« Korrespondenz vorlag. ist in mehr als

-oeziehung von Jnteresse. Sie enthält unter anderem
Daten über den Kanzler Peckins, dann von der Hand
imt P. I. Cuylen einen Bericht an den Herzog Karl

mt Entwurf eines Erlasses au die geistlichen und welt-
m>en Körperschaften, wslcher ihnen verbieten sollte, Gemälde
yne kaiserliche Genehmigung zu veräußern. Sie bildet ein
?^serkenswertes Blatt iu der abivechselungsreichen Geschichte
oer Werke des Rubens, die da erzählt, wie viel Belgien durch
lsueg und Raub an Kunstwerken verloren hat und durch
Doflichkeiten, wie jene Karls von Lothringen, der aus Wohl-
"tenerei gegen Ludwig XVI. das Erbgut des Landes zu
t^rschkeudern gestattete. sckourual clss Lsaux-Xrts).

jpersonalnachrichten.

. rr. Die Pariscr Xcackomio ües iiisorixtion« vl >,<tl-
t«8-1tzttre8 hat den Fouldschen Preis von 3V0U F-rancs
Miichen Sarzec, sür sein Werk über Chaldäa und seins
dortigen Entdeckungen, und Dieulafoy, für seine in Susa
oeranstalteten Ausgrabungen und sein Werk über persischs
^unst, geteilt.

. Paris. An Stelle des verstorbenen Ronchaud ist der
d'sherige Direktor der schönen Künste und der Ecole du Louvre,
Albert Kaempfen, zum Direktor der Nationalmuseen
vrarikreichs, und auf des letzteren Platz Castagnary be-
Ulfen worden.

Tanrmlungen und Ausstellungen.

n. Ostcrmeßausstcllung in Lcipzig 1888. Bei Gelegen-
hoit der Einweihung des neuen BüchhäudlervereinShaüses
^u Leipzig wird eine Ausstellung in deni zu diescm Zwecke
ssgens eingerichteten Räumen des rechten Flügelbaues statt-
stnden, deren Zweck ist, ein Bild zu geben von dem gegen-
sourtigen Stande der Buchausstattung und der graphischen
stünste und Gewerbe. Die Ausstellungsgegenstäiide werden
M sieben Gruppen geordnet erscheinen/von denen zwei das
sunstlerische Element herbeiziehen. Die eine dieser Gruppen
wll die künstlerischen Vervielfältigungsverfahren,
Äthographie, Holzschnitt, Kupferstich bez) Nadirung auf ihrer
Hohe zeigen, die andere Zeichnungen oder Äquarelle
larrn Zweck der Buchansstattung, d. h. Entwürfe für
Bucheinbände, typographischen Zierat u. dergl. zur An-
lchauung bringen. Künstler der einen oder anderen Art,
tvelche die Ausstellung beschicken wollen, erhalten Auskunft
von dem Leiter der genannten Gruppen, Verlagsbuchhändler
G. A. Seemann..in Leipzig. Bei dieser Gelegenheit sei
uuch des mit der Ilbersiedelung in die Näume des neuen
Hauses erst zu voller Geltung kommendeu Buchgewerbe-
Ususeums gedacht, dessen Aufgabe es sein wird) die histo-
Asche Entwickelung der mit dem Buchhandel in enger Be-
llehung stehenden Künste und Gewerbe zu verauschaulichen.
Wie verlautet, wird die Leituug des Museums auch darauf
^edacht nehmcn, künstlerische Kräfte herbeizuziehen, für welche
bei dem von Jahr zu Jahr wachsenden Anforderungen an
lleschmackvolle Ausstattung der Druckwerke in Leipzig sich
Gelegenheit zu fruchtbringender Thätigkeit findet. Es schweben
darüber zur Zeit Verhaudluugen mit der königl. sttchsischen
Regierung, welche möglicherweise zu einer Erweiterung der
uch glücklicherweise mehr und mehr auf das Maß einer Künst-
gewerbeschule einschränkendeu Leipziger Akademie führen
werden.

vom Runstmarkt.

Auktion der Genräldesammlungen von IlTünch-
hausen, Franz Reichardt, I. p. lVeyer u. a.
Köln, 28. und 29. Oktober 1887.

Äußerft zahlreich besuchte Auktion. Man bemerkte
die Herren Habich aus Kassel, Geueralkansul Thieme
aus Leipzig, Kousul Weber aus Hamburg, Senator

vr. Laporte aus Hannoper, Baron vou Heyl aus
Worms, Geheimrat St. Michel aus Maiuz und noch
viele andere gewählte Samniler im großen Saale des
Kölner Kasinos. Die Hauptbilder seien hier kurz
erwähnt. Nr. 1. Stillleben, sehr schön gemalte Traubeu,
Römer, zwci tveniger schöue Pfirsiche und Weinblätter
demEvertZ (soll wohl Wrllcm heißen) vanAelst
zugeschrieben. Wohl nicht von ihm, aber ihm ver-
wandt, etwa von Walscappelle? (220 Mk., billig!)
Nr. 4. Altkölnischer Meister des 15. Jahrhunderts
(470 Mk.). Nr. 7 uud 8 unbedeutende kleine Marinen
in der Art des Backhuysen, diesem selbst zugeschrieben
(140 Mk.). Nr. 10. Höchst interessautes Bild: der
verlorene Sohu, seiu Gut verprassend, dem W. Bart-
sius zugeschrieben, aber zweifellos von dem Utrechter
Jan van Bylert. Die Typen, die Farbegebung
(z. B. das Citrongelb), alles weist auf diesen Meister
hin, der in seinen seltenen kleinen Bildern, mit kleinen
Figuren in der Art des Duck viel reizvoller ist als
sn den großen Musikgesellschaften, Hirtenscenen u. s. w.,
wiefiez. B. inUtrecht, Brauuschweig, Kassel, und Rotter-
dam zu finden sind. Ein ähnliches Bildchen, bezeichnet
mit nur einer Figur, im Rijksmuseum zu Amsterdam.
S. Bode in seinen „Studien". (950 Mk., General-
konsul Thieme). Nr. 11 und 12, zwei große Alle-
gorien, wohl nicht von Bassano, sondern von einem
holländischeu Nachahmer (je zu 51 Mk.!). Nr. 13,
ein etwas kaltes, duukles Fischbild von van Beyeren
(480 Mk.). Nr. 14. Hirteupaar, mit Schimmel, im
Walde. Kein van der Bent, eher besser, etwa in
der Art des Ossenbeek (60 Mk.). Nr. 15. Still-
leben von Gillis de Bergh, einem Delfter Maler,
über den ich in Meyers Künstlerlexikon mehreres
mitgeteilt habe. Dieses Bild läßt uns nicht bedauern,
daß seine Werke so selten sind. Es ist ganz unglück-
lich komponirt, leer, schwarz, der Hase schwach gezeichnet,
die Trauben schlecht. Jn einer Privatsammlung zn
Kampen befinden sich zwei Bilder, lebensgroße Figuren
bei Kerzenbeleuchtung, ebenfalls O. äs UsrAb be-
zeichnet und gleichfalls recht unbedeutend. Sein ver-
mutlicher Lehrer, Cornelis Jakobsz Delff, war ihm
weit überlegen. Dieses Stillleben erzielte 155 Mk.
Nr. 18. Kein Bvonen, elendes Machwerk, 165 Mk.
Nr. 19. Kein van Borssum, sondern zweifellos eiu
Guiliam Dubois. Man vergleiche die Bilder bei
Czernin, in Berlin n. s. w. Leider war das sonst
recht hübsche Werk sehr übermalt (390 Mk.). Nr. 20,
Rückkehr des verlornen Sohnes, war kein Bramer,
sondern eine Arbeit seines Zeit- und Stadtgenossen

1) Von dem Stilllebenmaler Evert van Aelst ist mir
ksin beglaubigtes Bild bekamit. Er war der Vater des
Willem van Aelst.
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