Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 23.1888

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Düsseldorfer Ausstellungen.

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Bedeutenderes bieten. Eine grvßere Landschaft (Öl-
bild), welche ich in seinem Atclier sah, wird dem
talentvollen Künstler auch die Beachtung weiterer
Kreise gewinnen. — Dagegen tritt H. Hermanns,
der der Verwechselung mit Hans Herrmann wohl
manchmal nicht entgehen wird — und auch mit einem
so ausgezeichneten Kollegen verwechselt zu werden, ist
fatal — mit dem besten Erfolg zum ersten Mal iu
die Reihen der Anssteller. Schüler der Akademie
und Dückers, ist er berufen, der Schnle dieses aus-
gezeichneten Meisters und Lehrers ein neues würdiges
Glied zuznführen. Wenn der jugendliche Künstler
vielleicht noch zu viel Details sieht und wiedergeben
will, sv kommt man davon leichter los, als man um-
gekehrt in zu später Erkenntnis den Weg von nnbe-
stimmter Stimmungsallgemeinheit zu dem gründlichen
Erfassen des reichen Natnrinhalts znrückfindet. Seine
Aquarellstudien sind den Gegenden von Lauenburg,
Nieder-Blanderscheid, dem Ahrthal nnd der Trave-
niederung entnommen.

Olof Jernbergs Landschaften in Pastell gehören
zn den besten und eigenartigsten Arbeiten der Aus-
stellung. Die schwarze Kuh auf dem sonnig grünen
Grund zeigt trotz mancher Schwäche in den Extremi-
täten das Darstellungsmaterial von einer Wirkungs-
fähigkeit, die man ihm zuzutrauen wohl bisher nicht
geneigt war. — Auch die Arbeiten von Hans von
Volkmann (Aquarellstndien nnch der Natur, Land-
straße bei Bordighera und Bleistiftzeichnungen) stellen
der Akademie die Entlasfung eines tüchtigen Meister-
schülers in Aussicht.

Unter den Landschaftern nimmt in diesem Kreise
aber doch Dücker mit seinen Aqnarellstndien die erste
Stelle ein. Die Ausstellnng muß um so mehr inter-
essiren, als das größere Publikum wohl bisher noch
nicht Gelegenheit hatte, Arbeiten dieser Art von des
Meisters Hnnd kennen zn lernen. Wer in Unter-
schätzung der Verlocknngen, welche einem so gesuchten
Künstler die Anerbietungen der Händler bereiten, zu-
weilen an der Frische der Naturanffassung Dückers
zweifeln mochte, wird diesen wundervollen Blättern
gegenüber seinen Jrrtum gern bekennen. Das siud
alles fertige und meist über die bloße Zweckdienlich-
keit der Studie hinausgehende Bilder. Wenn er im
Süden auch niit Vorliebe nordisch anklingende Stim-
mungen festzuhalten strebt, so wird er diesen doch
ebenso leicht uud glücklich gerecht, wie den Motiven
von Borknm und Livland. Anßerordentlich lehrreich
ist, abgesehen von der fast empfindlich zn neuuenden
Feinheit der Naturanffassung, das subtil abgewogene
Maß in der Detailwiedergabe. Jn keiner dieser Ar-
beiten findet sich ein kleinlicher Zug, ein Zuviel ist
ebenso undenkbar als ein Znwenig.

Die außerordentlich reiche Kollektion von Aqna-
rellen, welche Adolf Schill ausgestellt hat, bildet den
Übergang von der Landschaft zur Architektnr. Seit
jener Ausstellung von Architektenzeichnungen in Berlin
am Kantianplatze, die einen ungeahnten Einblick in
die künstlerische Thätigkeit der deutschen Baupraktiker
gewährte, steht Schills hervorragende Bedentung als
Aquarellist außer jedem Zweifel. Es war insbeson-
dere die kühne und freie Beherrschung der Technik,
die Kraft der malerischen Auffassnug, welche schon
damals seinen hier znm Teil wieder erscheinenden
Arbeiten die Beachtuug vor allen andern sicherte.
Seit jener Zeit hat sich der Küustler niit dem besten
Erfolg an immer größere und weiter umfassende Auf-
gaben gewagt. Er ist heute ebenso sehr Architektur-
maler wie Architekt, und scheiut gesvnnen, auch den
Landschaftern Konknrreuz zu machen. 11m die Spann-
weite der Gegensätze anzudeuten, in denen sich Schill
zu bewegen fähig ist, sei nur eines hellen silber-
tönigen Jnterieurs aus dem Palazzo di Firenze in
Roni mit Rococofiguren und einer Kopie nach einein
Bilde Tintoretto's in der Scuola di S. Rocco von
einer mit der venezianischen Ölmalerei erfolgreich kon-
kurrirenden Tiefe gedacht.

Auch Ad. Seel hat mit eiuem Teile der ausge-
stellten Architekturstudien in Aqnarell schon in Berlin
im Jahre 1879 Triumphe gefeiert. Er detaillirt
^ feiner, bei mehr Kühle in der malerischen Behandlung.
Jede der beiden Richtungen hat hier Vertreter ersten
Ranges gefnnden. — Treffliche Jnterienrstudien,
meistens aus Gebäuden von Emden, bietet Vinc. St.
Lerche. — Nicht minder beachtenswert sind die Ar-
beiten von C. Geyer, welcher als Lehrer an derDüssel-
dorfer Kunstgewerbeschule wirkt. Auch auf dem Ge-
biete fignrlicher Darstellungen hat dieser Künstler in
einer früher hier ausgestellten Arbeit einen hohen Grad
von Meisterschaft in der Behandlung gezeigt.

Eine Tuschzeichnung von Carl Jutz, „Die un-
verträglichen Nachbarn" entspricht der allgemcin an-
erkannten Bedeutung, welche sich der Künstler dnrch
seine Ölbilder längst gesichert hat.

Man rechne nun uoch hinzu, daß neben dem ge-
schilderten Reichtum an zeitgenössischen Arbeiten die
Ausstellnng eine größere Anzahl von Rethels ge-
waltigsten Werken, darnnter den verschleierten Kopf
Karls des Großen nnd eine Aquarelle zum Hannibal-
zug vorführt, daß ein Teil des Camphausenschen
Nachlasses wieder erscheint, daß Bendemann drei
von seinen im Jahre 1880 zuerst gesehenen und ge-
würdigten Karawanenbildern ausgestellt hat, daß end-
lich Ed. Witkamp, der talentvolle Holländer, der
an der Ausführnng des großen Albabildes nach
Rochussens Komposition beteiligt ist, mit einigen
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