Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 23.1888

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2I. Iahrgang.

Nr.

1887/88.

Aunstchronik

s2. Zsanuar.

Wochenschrift für Runst und Runstgewerbe.

Ankündigungsblatt des Verbandes der deutschen Runstgewerbevereine.

!)erausgeber:

Larl v. Lützow uud Arthur j)abst

wien Berlnn tV.

Thcresianumgasse 26. Äursürstenstraße 3.

Lxpedition:

Leipzig: L. A. Seemann, Gartenstr. t5. Berlin: w. Ls. UÜHI, ILgerstr. 73.

Dke Runstchronik erscheint von Gktober bis Lnde guni wöchentlich, im Iuli, August und September nur aller ^ Tage und kostet in verbindung
mit dem Aunstgewerbeblatt halbjährlich 6 Mark, ohne dasselbe ganzjährlich 8 Mark. — Inserate, ä 30 j)f. für die dreispaltige s)etitzeile,
nehmen außer der verlagshandlung die Annoncenexpeditionen von Haasenstein 6c vogler in Leixzig, wien, Berlin, München u. s. w. an.

Inhalt: Garibaldi-Denkmäler in Vberitalien. — R. Bergau, Inventar der Bau- und Runstdenkmäler in der provinz Brandenburg. — lb.es
musees cl'^tlrenss; Öchelhäuser, 8acrLmentar!um ^etersbtuusen; Handschriftenkatalog der Bamberger Bibliolhek; Aunstdenkmäler des
Rreises Ronstanz. — j)alizzi-f. — j)reisverteilung für das Mozart-Denkmal. — Fr. Lixxmann. — Aus den wiener Ateliers. — Berliner
Runstauktion. — Zeitschriften. — gnserate.

Garibaldi-Denkmäler in Vberitalien.

Unter diesem Titel erschieu im Feuilleton der
Wieuer „Neueu freieu Presse" vom 5. November 1887
eine satirische Betrachtung einer Reihe norditalieuischer
Garibaldi-Monumente von Rob. Stiaßny, die einige
bemerkenswerte Randglossen zu der anf der apenni-
nischen Halbinsel derzeit herrschenden Denkmalseuche
überhaupt enthält. Nachdem in den einleitenden
Sätzen die tieferen Gründe der ganzen Erscheinung
— es sind die radikal - demokratischen Gemeinderäte
der einzelnen Kommunen, die in dieser monumentalen
Gassenpolitik ihrer Popularitätssucht frönen — ge-
streift worden, fährt der Verfasser fort:

„Allein auch vom künstlerischen Standpunkt wird
man der scheinbar kunststürmerischen Richtung, in der
sich die nunmehr eingetretene Reaktion bethätigt, eine
starke Berechtigung nicht aberkennen dürfen. Schon
die Massenproduktion von Statuen eines und des-
selben Königs, Volks- und Staatsmannes gefährdet
die Originalität des einzelnen Werkes; der Jtaliener
freilich schaut in ihnen vorab die Palladien seiner
wiedergewonnenen staatlichen Existenz; aber auch in
ihm wird der landsmannschaftliche Stolz, das zeitge-
schichtliche Jnteresse das künstlerische Urteil nicht völlig
schweigen heißen können. Für den Fremden nmwittert
aber allgemach graue Monotonie diese ewigen Viktor
Emanuele und Garibaldi's ... Es wirkt ordentlich
erfrischend, sie einmal zu Pferde statt zu Fuß aufge-
Pflanzt zu sehen. Hiezu gesellt sich der ausgesprochene
Mangel an geistigem Tiefgang, an seinerem Charakte-
risirungsvermögen in der modern italienischen Plastik

überhaupt; auch im bildlichen Sinne arbeitet diese zu-
meist — in Hemdärmeln; augenblicklich schwelgt sie
in einem ausschweifenden Naturalismus, der sie im
vorhinein zu monumentalen Aufgaben nur gering be-
fähigt, wenngleich ein großer Zug hier immer noch
eher heimisch ist, als in der Malerei. Schlägt man
nun die trostlose Armut der modernen Tracht an
plastisch verwertbaren Motiven hinzu, so wird es er-
klärlich, warum uns die Künstler gewöhnlich so herz-
lich wenig zu sagen wissen; die einen bescheiden sich
mit der Vorführung ciner dnrftigen Porträtgestalt,
wie etwa der Gehalt der meisten Viktor - Emanuel-
Monumente sich auf das Röhrenpaar bauschiger Pan-
talons, den weithin schattenden Schnurrbart und einen
sehr bedeutenden Helmbusch reduzirt; andere aber
lassen die Hauptfigur einfach zur Nebensache werden
und berauschen sich in einem Opernbrimborium effekt-
vollen Beiwerks, in einem unmäßigen Aufwand
schalster AÜegorien, die uns nicht selten gleich in Stein
gehauenen Leitartikelphrasen anmuten."

„Da wäre zunächst das Garibaldi-Standbild in
Cremona. Bor dem in wuchtigster Frühgotik ent-
worfenen Notariatsarchive türmt sich in karrarischem
Marmor eine halb zerschossene Bastion anf, die der
General eben mit siegender Hand erstürmt hat; ein
beträchtliches Stück unter ihm, an der Vorderseite des
Bollwerks, verhaucht ein zu Tode getroffener Gari-
baldiner, auf einem zerschmetterten Thürflügel zu-
sammenbrechend, seinen letzten Seufzer, den er zu dem
geliebten Führer hinaufsendet. Die ganze Gruppe
in natürlicher Größe — ein Maßstab, den auch die
nachstehend erwähnten Monumente nur gegen Über-
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