Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 23.1888

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Kunstlitteratlir uud Kunsthaudel. — Todesfälle.

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'Nl Jahre 1583 vom Kurfürsten August zu verschaffen
kerstauden hat, demzufolge es iuuerhalb eiues Zeit-
^aumes von 10 Jahreu Keiuem im Kurfürstentum
Sachscn gestattet scin sollte, Bretschneiders Kupfer-
bterke uachzudrucken oder iu anderen Laudern uachge-
druckte feil zu halten und zu verkaufen.

Außer dem Kabinet zu Gotha bewahrt die
Köuigl. Öffeutl. Bibliothek zu Dresden eine Reihe
dieser Arbeiten, die bei einer kräftigen, breiten Vor-
lragsweise mit großem Fleiße ausgeführt und mehr-
fach vou dem Künstler selbst in Wasserfarben äußerst
saubcr ausgemalt worden sind').

Die Akten melden, wie hier uoch kurz erwähnt
sein soll, ferner, daß ihm im Jahre 1585 ein Sohn
des Tischlermeisters Nicol. Schwabe zum Uuterricht
in der „Malerkunst" übergeben wurdeb), daß er 1591
mit Malereien auf der Bloritzburg beschästigt war'^),
und daß er endlich im Jahre 1622 den Kurfürsten,
weil er, wie er schreibt, nunmehr ein „armer, alter,
verlebter Mann" sei, nm eiue Geldunterstützung ge-
beten hat'"), die ihm auch auf das Jahr 1623 mit
I H2 fl- wöchentlich gewährt worden ist "). Da von
dieser Zeit an die Akteu über ihn schweigen nud in
Rücksicht auf sein hohes Alter und Siechtuni wird
man wohl kaum fehlgehen, wenn man 1623 als das
Todesjahr Daniel Bretschneiders des Älteren bezeichnet.

C. Gurlitt — K. Bcrling.

Aunstlitteratur und Aunsthandel.

— sr. Untcr dcnr Titel: Grundriß ciner Gcschichte der
bildcndcn Kunst und des Kunstgcwcrbes in Liv-, Est- und
Kurlund Weval 1887) hat W. Neumauu eine knappe
histvrische Übersicht der Kunstdenkmäler in den Ostseeprovinzen
herausgegeben, welche allen Freunden deutscher Kunst bestens
empsohlen werden kann. Der Berfasser, ein für seine Heimat
begeisterter, iu der Geschichte derselbcn wohl bewanderter
Manu. bemerkt im Vorworte zu seinem reich illustrirten
Büchlein, der Schatz baltischer Denkmale sei bisher in weiteren
Kreisen ziemlich unbekaunt geblieben. Jhm gebührt der
Dnnk, sie diesen Kreisen zugänglich gemacht zu haben.
Einzelnes hätten wir in Neumauns Gruudriß anders ge-
wünscht, z. B. die allgemeineu Einleitungeu, welche er an
die Spitze eines jedeu Zeitabschnittes stellt. Für den Kenuer
sind sie überflüssig, den Laieu verwirreu sie, da Richtiges mit
Unrichtigem vermischt ist und die Phrase zuweilen sich un-
gebührlich breit macht. Nicht die eigene, sondern die fremde
Phrase, gegen deren Einfluß sich der Verfasser nicht hin-
rcichend gewappnet hat. An Stelle der allgemeinen Ein-
leitungen hätten genauere Hinweise auf dieWechselbeziehungen
zwischen der baltischen Kunst und jener in den Hansestädten

6) Wie Andresen a. a. O. schreibt.

7) Auch im Oberhosmarschallamt zu Dresden befinden
sich von Bretschneiders Hand 2 Rollen, Auszüge zu den Fuß-
tnrnieren von 1804 und 1610 enthaltend.

8) H. 8t. L.. 6ax. SV1, tol. 234b.

S) Ebd. Bau v. Moritzburg belg. 1588—1661, Uoo.
4455, tol. 13b u. 27.

10) Ebd. Oamins. 1622, Ooo. 7327, kol. 6.

11) Ebd. Onmms. 1623, Iwo. 7327, tol. 27.

treten können. Auch einzelnen Baubsschreibungen fehlt es
an klarer Bestimmtheit. Doch treten diese Mängel gegen
das vicle Gute zurück, was das Buch enthält. Mit großem
Fleiße sind die Nachrichten über die Kunstthätigkeit in den
Ostseeprovinzen gesammelt, nnd die noch vorhandenen Denk-
mäler genau untersucht und auf ihr Alter und ihren künst-
^ lerischcit Wert hin geprüft. Das baltische Kunstleben be-
ginnt spät. Der älteste Ban, die Kirche zu Üxküll, datirt
ans der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Er zeigt die
Typen der nordischen Volkskirche: ein einfaches Quädrat,
an welches sich ein kleineres Qnadrat als Altarraum an-
schließt. (Die zweischisfige Anlage des größeren Quadrates
ist auf einen späteren Ümban zu schieben.) Daß man diese
volkstümlichen Typen bisher wenig beachtet, immer nur
von den Basiliken des deutschen Mittelalters gesprochen
hatte, gehört nebenbei gesagt zn den gröbsten Jrrtümcrn
der deutschen Kunstgeschichte. Jm Aiischluß an die in der
norddeutschen Tiefebene herrschende Künstströmung wurde
der Dom zu Riga, im dreizehnten Jahrhundert, aus
Backsteinen in Hallenform errichtet. Von da an bis
in die Zeiten der Renaissance erstirbt die Bauthätigkeit
nicht mehr. Jhren Höhepunkt erreicht sie während der
Ordensherrschaft. Jn den späteren Jahrhunderten üben die
städtisch-bürgerlichen Kreise die größte Kunstpflege, nnd dem-
gemüß tritt das Kunstgewerbe in den Vordcrgrund. Jn ein-
zelnen Fällen werden die Kunstwerke sGemälde über Lübeck,
Goldschmiedewerke aus Augsburg) von außen eingeführt.
Jmmerhin bleibt genug übng, um den baltischen Provinzen
den Ruhm einer kunsteisrigen Landschaft zu sichern.

— Einc neue katholische Kunstzeitschrist erscheint vom
1. April d. I. ab unter dem Titel „Zeitschrift für christliche
Kunst" bei L. Schwann inDüsseldorf und wird von Alexander
Schnütgen, Domhcrrn in Köln, rediqirt.

z-.— Dcr Allgcmcinc Kunstausstcilungskalendcr für 1888,
herausgegeben von Gebrüder Wetsch in München, Schützen-
straße Nr. 5, ist kürzlich erschienen. Er enthält ein Kalen-
darium mit Angaben der Eröffuungs- und Schlußtermine
der im laufenden Jahre stattfindsnden Kunstausstellnngen,
ferner allgemeine Regeln bei Beschickung derselben, über
Anfrage, Anmeldung, 'Vcrpackung, Wertdeklaration und Ver-
sicherung, Ausstellung nnd Verkauf der Knnstwerke. Als-
dann folgt ein nach Städten geordnetes Ausstellungsver-
zeichnis 'der Vereine und Kunsthandlungen, endlich eine
statistische Tabelle über Gründung, M'itgliederzahl und
Tbätigkeit der verschiedenen Vsreine.

Todesfälle.

x. — Oskar Plctsch, der durch seine Jllustrationen aus
dem Leben und Treiben der Kindsr allgemein bekannte
Künstler, ist am 12. Jannar seinem langen Leidcn erlegen.
Er starb in Niederlößnitz bei Dresden, 'wo er seit Jahren
ansässig war, im Alter von 58 Jahren.

—n. Adolphc Sirct, der Herausgeber des belgischen lonrnul
äss bsaux arts und Mitglied der belgischen Akademie, ist
in Antwerpen am 6. Januar, fast 70 Jahre alt, gestorben.
Reben vielen Anregungen die er als Herausgeber des Kunst-
blattes und als Kunstliebhaber gab, hat er sich besonders
um die Hebung der Malerradirüng in Belgien bcmüht, in-
dem er fast alljährlich Wettbewer'bungen ausschrieb. Bon
einigen tüchtigen Leistnngen wie die Storms vnn 's Grave-
sande abgesehen, blieben die erzielten Resultate ziemlich ge-
ringfügige.

Dcr französischc Glasmalcr und Kimstschriststcllcr Clau-
dius Lavcrgnc, ein Schüler von Jngres, ist nm 2. Januar
in Paris, 73 Jahre alt, gestorben. Er hat zahlreiche Glas-
fenster für die Kirchen St. Augustin und St. Merry in
Paris, die Kathedrale von Beauvais, die Schloßkapclle in
Versailles und mehrere Schlösser ausgeführt und auch Bei-
träge zu Kunstzeitschriften gelisfert.

V Dcr bclgischc Genre'nialcr Zoseph Laurens Dyckmans,
ein Schüler von Waggers, Professor an der Akademie zu
Antwerpen, ist daselbst am 7. Januar im 77. Lebensjahre
gestorben. Die Feinheit in der Ausführung seiner Genre-
bilder hntte ihm den Beinamen des „belgischen Dou" ein-
getragen.
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