Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 23.1888

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Vermischte Nachrichten.

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zeitig se glatt, sauber und freundlich zurechtgestellt, daß ihm
seine teils mit Feder und Bleistift, teils mit Bleistift allein
ausgeführten Zeichnungen schembar mühelos aus der Hand
flossen. Wenigstens bietet die Ausstellung keinerlei Studien,
sondern nur eine Auswcchl jener mit äuszerster Sorgfalt
und Gewissenhaftigkeit durchgesührten Zeichnungen, welche
durch die Holzschnittwiedergabe allgemein bekanut geworden
sind, wenn es auch deu Lylographen nicht gelungen ist, die
Zartheit und Feinheit des Strichs der Originale zu erreichen.

0. N. Jm Königl. Kunstgewerbcmuseum zu Berlin ist
im oberen Vestibül ausgestellt die Nachbildung des Gold-
schatzes von Pietrvassa, welcher sich im Museum zu
Bukarest befindet. Diese Sammlung ist ein Geschenk
des Königs Karl von Numänien an das Berliner
Museum; sämtliche Stücke sind von dem Hofgoldschmied
Telge in Berlin hergestellt. Dieser Schatz, welcher aller
Wahrscheinlichkeit nach einem gotischen Könige des vierten
Jahrhunderts n. Chr. angehört hat, bildet e'ines der merk-
würdigsten Dokümente der ältesten Geschichte deutscher Kunst.
Bei seiner Auffindung wurden die Schalen, Kannen und
sonstigen Geräte, aus denen er besteht, nicht sofort als Gold
erkannt und sind vielfach beschädigt worden; ebenso bei einer
Entwendung der Stückc aus dem Museum zu Bukarest.
Durch die kenntnisvolle Arbeit Telge's sind die meisten Stücke
wieder in richtige Form aebracht. ES fehlen allerdings
durchgehends die ursprünglichen Einlagen von Halbcdel-
steine'n. Eine vollständig in altem Glanz wiederhergestellte
Schale, welche der König von Rumänien Sr. Ma;estät dem
Kaiser am 9». Geburtstag zum Geschenk gemacht hatte,
findet sich ebenfalls im Kunstgewerbemuseum ausgestellt. —
Eine umfassende Ausstellung, welche der Berliner Gra-
vcurverein von eigenen und fremden Arbeiten veranstaltet,
wird am 2l. Februar im Lichthose des Museums eröffnet
werden. Jm Anschluß an die neueren Arbeiten werden auch
ältere Werke aus den verschiedenen Abteilungen der königl.
Museen, sowie aus Privatbesitz ausgestellt werden. Be-
souders für Schriftwesen wird diese ältere Gruppe ein reiches
Material bieten.

Vermischte Nachrichten.

Zur Wertschätzung des Naphael Mengs. Welch außer-
ordentlich hohen Wert man den Werken dieses s. Z. über
Gebühr geschätzten Künstlers beimaß, geht unter anderem aus
dem Umstande hervor, daß ein „Kapüzinerporträt", von der
Hand des Künstlers gemalt, 20 Zoll breit und 28 Zoll
hoch, im Jahre 1785 üm 4000 Fl. zum Kaufe ausgeboten
wurde. Das Bild befand sich im Nachlasse des am 3. Novbr.
1784 verstorbenen Nikolas Guibal, herzogl. württembergi-
schen Galeriedirektors. Seine Witwe bot dasselbe nebst
anderen Bildern im März 1785 zum Kaufe aus, und zwar,
was für die Geschichte dcs Künsthandels nicht ohne Jnteresse
ist, in einer an das erste Stück von C. G. Elbens Samm-
lungen für die Geschichte des Hoch- und Teutschmeistertums
(Tübingen, 1785) angehefteten besonderen Anzeige, aus zwei
Oktavblättern bestehend. Es wurde dieser Weg zur Ver-
öffentlichung gewählt, da man unter ven Deutschordens-
rittern, sür lvelche das Werk bestimmt war, wohl am ehesten
einen Käufer zu finden hoffts. Ueber das Bild selbst wird
solgendes gesagt: „Dieses Meisterstück des großen Künstlers
ist so außerordentlich und einzig in seiner Art, daß alle ein-
heimische und auswärtige Kenner (worunter Männer von
dem erhabensten Rang), welche die Guibalsche Kunstsamm-
lung besahen, sich an demselben nicht satt sehen, es nicht ge-
nug bewundern konnten. Anstatt das Werk zu loben, be-
ruft man sich nur aus denjenigcn Teil des Publikums, der
es mit Kenneraugen selbst gesehen". Die übrigen 35 Stücke
der Sammlung, meist italienischen, niederländischen und fran-
zösischen Ursprungs, wurden zusammen nur auf 848 Gulden
taxirt. Frau Guibal wünschte die Sammlung im ganzen zu
verkaufen; in naiver Weise wird jedoch beigesetzt: „Sollte sich
aber ein Liebhaber finden, der nur das erste Stück, den
Kapnziner, allein begchrte, so würde sie sich solches sogleich
gesallen lassen". ' Hans Bösch.

L.. Über die Sainmlnng Morosini in Pcncdig gehen
uns folgende Nachrichten zu: Die Hinterlassenschast der'Con-
tessa Morosini-Gatterburg, zum Teil von dem Dogen Fran-
cesco Morosini herrührend, war der Stadt Venedig testa-

mentarisch vermacht worden. Es ist die einzige unberührte
Sammlung Venedigs und bisher immer ziemlich streng un-
ter Verschluß gehalten. Das Testament der Contessa setzse
fest, daß alle Gegenstände des lllachlasses, welche sür die
Stadt Venedig von historischem Jnteresse seien, derselben
zufallen sollten, wurde aber von den Mitgliedern der Familie
Gatterburg, die in Oesterreich verstreut wohnen, angefochten.
Ehe es gelaug, die Stadt Venedig zur rechtmäßigen Eigen-
tümerin der Sammlung zu machen, stellte sich aber heraus,
daß die Contessa wohl Besitzerin, nicht aber Eigentümerin
der Sammlung gewesen sei; vielmehr stehe das Eigentums-
recht der venezianischen Familie Concina zu. Allerhand
dunkle und zum Teil sehr romanhaste FamiliengeschichteN
müssen erst aufgeklärt und die damit verknüpften Rechte
juristisch erwiesen werden, ehe das Schicksal der wertvollen
Sammluiig entschieden werden kann. Dieselbe enthält u. a.
das Bildnis des Dogen Grimani von Tizian. Die Erb-
schaft wird auf mehrere Millionen geschätzt.

V Die Vcrsteigeiüiig des Nachlasses der Kunsthändlcr
F. nnd I. Meper in Berlin, bestehend aus Gemälden und
(zuin größeren Teile) aus Erzeugnissen des Kunstgewerbes
und Medaillen, hat eine Gesamtsumme von 74 130 Mark
ergeben.

O Dem Louvremuseilm in Paris hat eine Frau Sevsne
ihr gesamtes Vermögen im Betrage von ca. 380 000 Frcs.
und ein Familienporträt von Prud'hon vermacht.

O Das Modell zu einer Kaiserstatue von Nobert Baer-
wald, welche der Künstler als Bekrönung für das Provinzial-
kriegerdenkmal in Posen ausgeführt hat und welche auf der
vorzähriqen Berliner Kunstaiisstellung mit der kleinen gol-
denen Ätedaille ausgezeichnet worden, ist vom Senat der
Kunstakademie angekauft und zum Schmuck des Kuppelsaales
im Ausstellunqsgebäude in Berlin bestimmt worden.

Um cine cinheitliche und würdige Ausschmückung der
deutschcn Abteilung auf der internationalen Kunstausstellung
zu Wien (im Künstlerhcius) zu gewinnen, hat der Berliner
Lokalverein der deutschen Kunstgenvssenschast — zur Zeit
Vorort derselben — einstimmig beschlossen, den Architekten
R. Hoffacker nach Wien zu senden. Demselben verdankt
das neue Berliner Künstlerheim im Architektenhause seinen
eigenartigen reizvollen Schmuck. Von ihm — nicht, wie
vielfach verbreitet ist, von anderer Seite — rührt auch der
Entwurf zur Osteria im Ausstellungsvark her. Es ist da-
nach zu erwarten, daß die deutsche Abteilung der sogenannten
Eliteausstellung zu Wien sich als ein kleines Kunstwerk prä-
sentiren wird.

— Reichenberg i. B. Die Aussichten auf Erhaltung
des alten Reichenberger Rathauses, über das, in
Verbindung mit der Konkurrenz sür einen Neubau, in letzter
Zeit so viel geschrieben worden ist, haben eine erfreuliche
Stiitze in einein Beschlusse der k. k. Centralkommission er-
halten. Jn der Sitzung vom 30. Dezember v. I. wnrde be-
schlossen, den Bürgermeister von Reichenberg um Aufschub
der Demolirung des alten Baues zu ersuchen. Mit der Er-
haltung desselben würde auch der zum Neubau bestimmte
Plan hinfällig werdsn. Dies wird hoffentlich eine wieder-
holte Prüfung der Konkurrenzpläne veranlassen.

« Hansens Museumplan für Athcn war am 4. d. M.
im Saals des österreichischen Jngenieur- und Architekten-
vereins zum erstenmal ausgestellt', aus Nnlaß eines Vor-
trages, welchen der gefeierte Meister über seine sünfzigjährige
Bauthätigkeit und die dabei von ihm befolgten Griindsätze
unter stürmischem Beifalle der Versammlung hielt. Däs
Hanscnsche Museumsprojekt, für dessen Aussührung eiu Platz
im Süden der Akropolis in Aussicht genommen ist, besteht
in langen offenen Hallenbauten, welche vou vier Rotunden
flankirt und mit Parkanlagen umgeben werden sollen. Wir
hofsen den Plan demnächst im Detail vorführen zu können.

» Zur Geschichte Les Papiers. Die Sammlung der
Schriststücke aus dem Archive der alten mittelägyptischen
Stadt Arsinos im Fayum (der sogen. „Papyrus Rainer")
bildete kürzlich wieder den Gegenstand eines inhaltreichen
Vortrages, welchen Prof. vr. Karabacek im Wiener
Handelsmuseum hielt. Derselbe enthielt u. a. interessante
Daten zur Geschichte des Papiers: Durch eine kombinirte
mikroskopische und historische Papieruntersuchung der Prv-
fessoren Wiesner und Karabacek konnte nachgewiesen
werden, daß die den Deutschen oder Jtalienern zugeschrie-
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