Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 23.1888

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Zur Stuttgarter Gemttldegalerie.

kannteii Buche als eine besondere Seltenheit das be-
zeichnete Werk von Antonio Palma, dem Neffen
dcs wohlbekannten Jacopo Palma Vecchio und Vater
von Giacomo Palma Juniore, welches in der Stutt-
garter Galerie vorkommt. — (Zuosto gnaäro, fagt
Lermolieff in seiner italienischen AusgabeZ, olm
rg.mmsnta in tntto 1u sonoka äi Lonikam, oi ka tssti-
inonianna okis Is rskumoni mniokisvoki okis ssiKtsvuno
tra i äns Ikonika^i vsronssi s ik koro nmsstro, ik
Lakina vsookiio, rio äi ^.ntonio, oontinnarono unokis
ook sno nixots. Non oonosoo okis nn'nktra, opsru
soka. ssZnata äsk noms äi Mösto L.ntonio I'iikwn,
S8sa si trova nskks, saArsstis, äskks. okiissa, xa,rroookiia.1ö
äi 8örins,1ta, sui raonti kisrAs,wasekii, äovs i l'g.kwa
öbkzsro i na,ts,1i; ö äsll'nktiwa spooa. äsk pittors.
Es ist übrigens ein schwaches und arg zugerichtetes
Bild. Es stellt die Auferstehung Christi dar.

Nr. 48. Derselbe Gegenstand Vvn Paris Bor-
done, ebenfalls mit dem Namen bezeichnet; verrieben
und auf rohe Weise retuschirt.

Nr. 78. „Luini" — ist nichts anderes als eine
Kopie des bekannten Bildes dieses Meisters in der
Londoner Nationalgalerie „ Christus zwischen den
Schriftgelehrten".

Nr. 74. „Basaiti", eher von Giov. Mansueti.

Jch kehre zurück zu den Nummern 60 und 62,
zwei nichl zu übergehenden anziehenden, wenn auch leider
furchtbar verunstalteten Bildern. Ersteres, ein Breit-
bild, wird der „Schule des Palma Vecchio" zuge-
schrieben. Vor einem farbenschimmernden Vorhange
sitzt die Jungfrau mit dem Kinde; zur Seite der heil.
Joseph und eine jugendliche Heilige von vollen Zügen;
zudem der junge Tobias, vom Erzengel geleitet.
Haben wir vorhin ein Werk des Bonifazio in einem
dem Palma zugeschriebenen erkennen müssen, so möch-
ten wir in Betreff der Nr. 60 nicht anstehen, trotz der
heillosenRestauration, unter der das Bild gelitten, darin
ein Werk eines wenigstens zeitweilig von Bonifazio
abhängigen, gleichfalls aus Verona stammenden Malers
zu erblicken. Wir meinen deu selten vorkommenden
Fraucesco Torbido ästko ik Noro. Man vergleiche
das Stuttgarter Bild mit dem fein nüancirten Altar-
blatte des Meisters in der Kirche S. Fermo in Verona
und dürfte dann wohl darin eine Bestätigung meiner
Angabe finden.

Nr. 62. Figurenreiches Gemälde, mit der An-
betnng der Könige, wohl eine Schöpfung des ersten

1) lls oxsis äsi ms.sstii itukirini nskks Knkksi-is äi Ko-
nneo, vrssäs, s Lsrkino. 8a,§§io oritioo äi Ivan Lsimokiekk,
traäotto änk russo in tsässoo xsr onrs. äsk Oott. töliov.
8olirvar^ö s äak tsässoo in itakiano äskks, Ls,ronsssa äi
L. ip. LokoAna 1886, Mooka, Tlanioliökki.

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Bonifazio, mit landschaftlichem Hintergrund, der mit
lieblichen kleinen Figuren belebt ist.

Nachdem wir noch auf ein virtuos gemaltes Bild
von Giambattista Tiepolo (Heil. Joseph mit dem
Christuskinde, Nr. 85) hingedeutet, fühlen wir uns im
Aweiten Kabinet ganz besonders von einem kleinen
Holzbilde angezogen, das als „Unbekannt" figurirt,
in dem aber ganz entschieden die Hand des Palma
Vecchio zu erkennen ist; es stammt wohl aus seiner
früheren Zeit, in welcher er mit dem ehrwürdigen
Giambellino noch in Beziehung gestanden haben mag.
Die Darstellung ist die des beliebten Motivs des jun-
gen Tobias, welcher in Begleitung seines himmlischen
Führers in freier Landschaft daherschreitet. Heller
Farbenakkord, naive Auffassung. Die Klage über den
Zustand leider auch hier nicht zu unterdrücken.

Nr. 110. „B. Montagna" dürfte von einem
gleichzeitigen Veroneser herrühren.

Nr. 136. Feine Ölskizze zu einer Comunione di
S. Gerolamo vom älteren Tiepolo.

Nr. 159. Blühendes Weib von üppigen Formeu
einen Blumenkorb haltend; echter, aber verdorbener
Paris Bordone.

Unter den verschiedenen Veduten von Venedig,
zum größten Teil mittelmäßigen Schularbeiten, möge
die Ansicht des alten Marknsplatzes hervorgehoben wer-
den, die insofern interessant ist, als sie die der Markus-
kirche entgegenstehende Seite darstellt, wo natürlich
noch die alte, nunmehr abgetragene Kirche von San
Gemignano zwischen den zwei Flügeln der alten und
der neuen Prokuratiengebäude erscheint; wohl eher
ein Werk des Bernardo Belotto als seines Oheims
Antonio Canal, dem es in der Galerie beigelegt wird.
Es trägt die Nummer 172.

Nr. 174. „Die Steinigung des Stephanus", mit
zahlreichen Figuren in orientalischen Trachten. Hinter-
grund Landschaft mit der Stadt Jerusalem. Eine
sinnige historische Darstellung von der Hand des
Carpaccio vom Jahre 1515.

Augenscheinlich inkonsequent sind die zwei Be-
nennungen „Bonifazio" und „Meldola" (Andrea
Schiavone) bei den Nummern 179 und 155, zwei
kleinen mythologischen Darstellungen, die demselben
zweiten Bonifazio angehört haben müssen.

Fm fünften Kabinet ist mir als besonders merk-
würdig ein der „Schule von Venedig" zugeschriebeues
Bildnis aufgefallen. Es stellt einen venetianischen
bartlosen Herrn dar, in blauem, mit Brokat verzierten
Gewande, über der rechten Schulter eine rote Schärpe;
Hintergrund schwarz. Das Gesicht samt den Haaren
ist zwar gänzlich übermalt, nach der gediegenen Aus-
führung der Gewänder jedoch und dem glatten, flüssigen
Kolorit zu urteilen, wäre ich geneigt, dieses Werk auf
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