Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 23.1888

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Neue Ankäufe iu Aniwcrpen und Brüssel.

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>uit der Galeriedirektion Rembrandt zuzuerteilen. Die
Behaudlung ist außerordeutlich breit und durchweg
Pastos. Die Art, wie Kragen, Mütze und Man-
ichetten gemalt sind, ist eiue gauz andere, viel kleiu-
iichere, peinlichere, als die von Rembrandt, besonders
in seiner späteren Zeit, aus welcher das Werk sein
nnißte. Dann sind auch die uus bekaunten Bilduisse
Rembrandts aus dieser Zeit (um 1654) viel durch-
sichtiger, klarer und etwas bräunlicher im Ton. Was
Rembrandt uie gemalt hätte, ist z. B. der undurch-
sichtige schwarze Schatten des Ärmels links. Mit
einem Wort: köuutcn wir dieses Bild nebeu einen
authentischen Rembrandt aus dieser Zeit hängen, so
Würde man doch eincn großeu Unterschied zu Un-
gunsten des Brüsseler Bildes wahrnehmen. Cha-
rakteristisch für den Maler desselben ist auch eiu auf-
falleudes Grau in deu Fleischpartien.

Etwas früher hat das Brüsseler Museum ein
kleines Bild erworben, das (nach meiner uumnßgeb-
lichen Mcinnug) dieselbe Hand verrät wie der neu-
erworbene Rembrandt (?).') Es ist einealte Kloster-
frau auf ihrem Totenbette. Eine dunkelbraune Bett-
decke kontrastirt stark mit dem weißen Laken. Auf
der Decke eiu Rosenkranz, links ein Kruzifix im
Dunkeln. Der ausdrucksvolle Kopf, mager, abge-
härmt, ist meisterlich gemalt. Die brcite und Pastose,
aber ctwas mouotone Pinselführung ist genau dieselbe
wic auf dem neuen Rembrandt (?), auch fnllen uns die-
selben graueu Tvne auf, wclcheu wir darauf begegneten.
Vielleicht bringen vergleichende Studicn uns später in
die Lage, den Maler dieser zwei interessanten Bilder
herauszufiudeu. Dic Pinselführung erinnert an einige
der brciteren Arbeiten des Thomas de Keyser. Jn-
dessen kennen wir noch keine Werke dieses grvßen
Künstlers, dic Vvllstäudig mit diesen Bildern stiinmen.
Aber vergessen wir nicht, daß de Keyser während der
mehr als 40 Jahre, die er gemalt hat, nicht stets
dieselbe Manier hatte. Da aber gerade seine spä-
teren Sachen eher etwas glatter gcmalt sind, ist dvch
vielleicht eher an cinen uns noch unbekannten Rem-
brandt-Schüler zu denkcn. Jch habe als solchen den
seltenen Jakob Lavecq nenncn hören, sah aber nie
ein Bild von ihm.

Einc lebensgroße alte Frau, beiiu Spitzenklöppeln,
von Nieolaes Maes, aus seiuer besteu Zeit, ist iu
der Art des herrlichen Bildes in Felix Bkeritis zu
Amsterdam (die betende Altest aber so angenehm aus
jenem Bilde dcr Ausdruck, das Modell uns berührt,
so unaugeuehm und unsympathisch ist uns diese Alte.
(64 000 Francs.)

1) Henry Hymaiis machte mich zuerst hiercmf ausmerk-
sam.

Neu ivaren mir nvch: Eiue vlännsche Grab-
legung, um 1520 gemalt. Ein ganz übermaltcs Bild,
schwer zu beurteilen.

Ein lebensgroßer Hieronymus in cinem Zimmer,
links aus dem Fenster ein hübsches Stück Landschaft.
Schädel mit Fliege, grüne Tischdecke. Jn der Art
des Mabuse, teilweise auch sehr übermalt.

Ein guter, etwas roher Benjamin Cuyp, Straud
bei Scheveningen, Fischhändler, Pferde u. s. w. Fast
nur in Braun nnd Gelb gemalt.

Eine sehr interessnnte große Ansicht ä vol ä'oisöun.
von Antwerpen von Hans Bol. Etwas dunkel, stark
blaugrün.

Eiu großer P. Brneghel dcr Jüngere, 1610:
die Arbeiter im Weinberge? Wahrscheinlich Kvpic
nach einem Bilde seines Vaters.

Rubeus, die Jagd der Diana. Wer, wie ich,
sich das schöne Bild in Madrid griindlich nnd öfter
angesehen hat, wird in dicser sogenannten Skizze nicht
die Hand des Rubeus, sonderu die eines mittelmäßigeu
Kopisten erkeuuen. Besvuders die Figuren sind außer-
ordentlich schwach. 24 000 Francs ist doch etwas
viel für so einc „Skizze".

Hobbema. Bedeutendes, großes, etwas kaltes
Bild, aber von unbezweifelbarer Echthcit und sehr
guter Erhaltuug. (110 000 Francs.)

Lucas van Leydeu (?). Der Tanz der Magda-
lcna. Spätere, sehr mittelmäßige Kopie nach deni be-
kannten Stiche des Meisters. Man hat im 16. Jahr-
hundert häufig die Blätter des Lucas van Leyden
zu Bildern benutzt. Dieses Werk trägt durchaus die
Spuren einer schwachen, den Stich peinlich kopirenden
Hand.

Ein höchst interessantes Juterieur, bezeichnet:
Potuyl 1639- Breit, kräftig gemalte Scheune, darin
ein Stillleben von L'lohl, Gemüse, Kesfel u. s. w. Jn
der Art des C. Saftleven und E. van der Poel.
H. Potuyl hat svnst nur Zeichnungcn auf Pergament
gemacht in der Art des Quast, welche Bauern-
belustigungen darstellen. Diese Zeichnungen wareu
im 17. Jahrhundert besvuders beliebt. Mau rahmtc
sie cin „inst son Zlas äasrvoor" und taxirte sie
häusig ebensv hoch wie ein Bild von eiuem guten
Meister. Fast in jedeni Amsterdamer Jnventar findet
man „esn ts^ollsninAll van Lotn^by Dicses Bild
ist das erste, das ich von ihm gesehen. Hendrick
Potuyl wnr höchst wahrscheinlich ein Amsterdamer
Künstler. Jm Haag, in Privatbesitz, kenne ich noch
eine seincr Zeichnuugen im alten Ebenholzrahmen des
17. Jahrhunderts.

Großes Triptychon des Hieronymus Bosch. Gute
Arbeit des so seltencu Meisters.

Tilb orch, großes Familienbild mit zehn Figuren.
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