Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 23.1888

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403 Kunstlitteratur uud Kunsthandel. — Kunstunterricht und Kunstpflege. — Sammlungen u. Ausstellungen -c. 404

Sehr schvnes, großes Stillleben des Abraham
van Beycren.

Auch haben nvch mehrere Geschenke die Brüsseler
Galerie bereichert. Ein neuer Katalog, der demnachst
erscheinen soll, wird uns Ansfiihrlicheres nber die
neuen Acguisitionen berichten.

Aunstlitteratur uud Aunsthaudel.

Die Geschichte dcr Malerei, vvn Woltmanu be-
gonnen uud von Woermaun weitergeführt (Leipzig, See-
mann), ist mit der kürzlich erschienenen 19. Lieferung ihrem
Ziele wieder um einen Schritt nciher gcrückt. Diefc Lieferuug
defaßt sich ausschlieszlich mit Rembrandt und der Amster-
damer Schule. Rach eiuer neueren Aukündigung des Ver-
legers unrd das Werk nüt weiteren drei Lieferuugeu ab-
schlicßcn, in denen die Schilderung dcr niederländifchen
Schulen zu Ende geführt und die Malcrei deS übrigeu
Eurvpa's in der ersten Hälftc des 18. Jahrhunderts behnndelt
werdcu soll. Ueber die Pcriode der Rococomalerei wird der
Verfasser demuach seiuc mühevolle Arbeit nicht hiuausführen.

x. Aus dcm Malkasten betitelt sich ein im Verlage von
August Bagel in Düsseldorf erschienener Quartband, der
ähiilich wie die iu vergangeuen Jahren in Müncheu er-
schienenen „Bunten Mappen" eine Reihe Vvn Nachbildungen
nach Skizzen von Düsseldorfer Nieisteru in sich vereimgt.
Wir fiuden außer einem hübscheu Eingangs- und einem ge-
künstelten Schlußgedicht keiuen Text iu dcm Bande; nun, die
Bildcr sprechen für sich, und was C. Gehrts, E. v. Gcb-
hardt, M. Volkhart, Ed. Kämpffer, W. Petersen bsigesteuert
haben, ist recht lobenswert. Nicht alles sreilich steht 'anf dcr
Höhe; die Skizze von L. Knaus, der doch nur noch Düssel-
dorser Maler in partibns ist, uud die Zeichnung von E. Bende-
mann gehoren nicht zu dem Bestcn, was diese Künstler ge-
schaffeu haben. Die Zinkographien und Holzschnitte siud
wohlgelungcn, auch die Lichtdrucke sind bis auf einige Un-
deutlichkeiteu, an welcheu die starke Verkleineruug schuld
trägt, von befriedigender Qualität.

Aunstunterricht und Aunstpflege.

— Die k. k. Lehr- nnd Vcrsuchsanstalt für Photographic
und Ncprodnktionsvcrfahren in Wren. Die Photographie
und die verwandten Reproduktionsverfahren sind in Oester-
reich ueuerdings Gegenstand der besonderen Ausmerksamkeit
und Fvrderung von seiten des Uuterrichtsmiuisters vr. vun
Gautsch gewvrden, indem derselbe in Würdigung der cin-
schncidenden Bedeutung der photvgraphischen Methodeu sv-
wohl zu Zwecken der eigentlichen Hachphvtographie als auch
für die graphischen Kunstgewerbe dic Errichtung einer k. k.
Lehr- und Versnchsanstalt sür Photographie uud Nepro-
duktionsverfahren in Wien (VII. Bez., Westbahnstraße 25)
durchführtc. An der Staatsanstalt wird der Unterricht iu
der Porträt-, Landschasts- uud Reproduktionsphotographie,
in Lichtdruck, Photozinkvtypie, Photolithvgraphie ic. praktisch
und theoretisch in mehrcrcn Kurseu erteilt und für einc gründ-
liche Vorbildung der Schüler im Freihandzeichnen, in dar-
stellender Gevmetric, Perspcktive, Chemie, Physik rc. gesorgt.
Es werden au der Anstnlt mehrere Fachlehrer wirken. Jm
Anstaltsgebäude finden sich mehrere Ateliers, zahlreiche
Dunkclkammern, Druckersäle, Laboratorien u. dgl. vor. Eine
Abteilung besorgt die Prüfung von Apparateu und die Vor-
nahme wissenschaftlicher Untersuchungen. Die Anstalt wurds
am 1. März 1888 in allen Kursen eröffnet. An der Anstalt
werden nicht blvß vrdentliche Schüler, welche sich zu Fach-
leuten ausbilden wollen, aufgenvmmen, sondern auch kurze
Kurse für Künstler, Gelehrte ic., ivelche die Photographie
bloß als Hilfsmittel der Kunst ausüben wvllen, abgehalten
werden.

5ammlungen und Ausstellungen.

— Ncber dic Ausstcllung japanischcr Zeichnungcn im
Britischcn Muscum bringt die soeben erschienene Chronik sür

vervielfältigende Kunst folgende Bemerkungen eines Ange-
stcllten des Britischen Museums: Die glänzcnde Ausstellung
von Zeichnungeu japanischer und chiuestscher Künstler, welche
von der Direktion des vsxartsmsnt oi xrint seit Anfang
Februar eröffnet worden ist, wird ohne Zweifel in den An-
nalen des Britischen Mussums zu den hervorragendsten Er-
eignissen zählen. Jm Jahre 1882 erwarb die Museumsver-
waltung sür den Preis Vvn Z000 Psd. Strl. nahezu viertausend
Kakemonos aus dem Besitze vou Mr. William Andersen,
der während eines mehr als sechsjährigen Aufenthaltes in
! Japan so viel Zeichnungen gesammelt hat, daß man mit
einer ganzen Galerie von ausgestellten Proben im MuseuM
deu Entwicklungsgang dieses Kunstzweiges in gegenstcind-
licher, historischer und technischer Hinsicht veranschaulicheu
konnte. Es ist hier nicht der Ort, auf die Kunstgsschichtc
Japans des Näheren einzugehen. Die Bemerkung muß ge-
nügeu, daß ihre Anfänge in tiefes Dunkel gehüllt sind. Dic
Angehörigkeit der jetzigen Bewohner zur türauischen Rassc
ist das Einzige, was ethnolvbische und philologische Forschung
bestimmen konnte; wann diese einwanderte und ihre Vor-
! gänger, die Aino, nach Norden drängte, ist vollständig un-
! bekannt. Der erste Maler, dessen Name schriftlich erwähnt
wird, war ein Chinese, Naurin, der das Land unter der
Negierung des Kaisers Uuriaku (457 bis 459) besuchte;
keines seiner Werke hat sich erhalten. Anderthalb Jahr-
hunderte spüter ist das älteste gemalte Kunstwerk Japans
datirt, es ist ein Altargemälde im Horiuji-Tempel in Nara.
Zwei interessante Beispiele dieser „buddhistischen" Kunst be-
'mden sich auf der Ausstellung. Das eine stellt einen Prie-
ter dar mit dem Nio-i. Die Ohrlappen sind erweitert, aber
der Nimbus, das stete Attribut der Arhat auf japanischen
Bildern. fehlt. Das andere Kakemono zeigt einen ehrwür-
digen Mann mit übertrieben erweiterten Augenbrauen und
mit transpareutem, fast farblosem Nimbus. ' Er sitzt unter
eincm SLtabaum und zu seincr Seite kauert ein Tiger. Als
Beispisl der einheimischen „Namato"-Schulc erscheint ein
Kakemouo aus dem neunten Jahrhundert. Diese Schule soll
von einem Edelmann Kasuga Moto-mitsu aus der Familie
der Fujiwara gegründet worden sein; er blühte am Anfange
des elften Jahrhunderts. Jnteressant ist ein Kakemono auf
Papier, monochrvm gemalt von Kano Motonobu, aus dem
Anfang des 18. Jahrhuuderts. Der Dargestellte ist Chung-li
küan, der erhabenste in der Kategorie der acht Unsterblichen,
sein Attribut ist ein Schwert, das ihn auch über die Wasser
trug, wie das Bild zeigt. — Der Künstler Kano Motonobu,
der Begründer der Kano-Schule, wurde 1477 geboren. Ueber
seine Anfänge und Erziehung sind wir schlecht unterrichtet;
jedenfalls ist er viel auf der Wanderschast gewesen und hat,
was er sah, zu Papier gebracht. Auf einer dieser Land-
fahrten trat Kano mit dem berühniten Metallkünstler Goto
Bujo zusammen; er versorgte diesen mit Zeichnungen. Er
starb im Alter von 82 Jahren 1559. Noch sei cin Kake-
mono auf Seide erwähnt, das Ganku im Anfange unseres
Jahrhunderts schuf. Auch dieser Künstler hat als Bcgründer
einer Schule Bedeutung: seine Werke verratcn eine kräftige
Jndividualität und zeigen cine charakteristischc Behandlung.
Bcrühmt ist er als Tigermaler.

z-, Das städtischc Musciim zu Leipzig hal vor kurzem
zwei Gemälde von Frcmz Lenbach erworben, die von der
Lenbach-Ausstelluug her ziemlich allgemein bekannt gewvr-
den sind, nämlich das Bildnis des Kaisers Wilhelm aus der
jüngsten Zeit, sitzende Figur in Jnterimsuniform, und das
Bildnis des Neichskanzlers, Kniestück, in bürgerlicher Klei-
dung mit deni Schlapphut iu der Hand, beide ansgezeichnet
durch die vorzüglichste Lebenswahrheit, der Kaiser leider in
ciuer Auffassung, die zu sehr die Hinfälliakeit des Alters
betont, um die den großen Herrscher auszeichnenden Charak-
tereigenschasten erkennen zu lassen. Fur das Kaiserbild
wurden 22000, für das Kanzlerbild 18 000 Mk. gezahlt.

Vermischte Nachrichten.

Jn Krakau wird dem Andenken des Dichters Mickiewicz
eine Bildsäule errichtet, deren Kosten sich anf ca. 400 000 Frcs.
belaufen werden. Das von Chodebsky modellirte Kunst-
werk wird 15 Meter hoch werden; der Unterbau zeigt an
den Ecken vier allegorische Figuren, Hauptpersonen aus
Werken des Dichters, und ein Relief, ihn selbst in seinem
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