Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 23.1888

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Vernüschte Nachrichten.

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Verinischte Nachrichten.

— Das prcußische Kultusministcrium veröfsentlicht soeben
folgende kurzgefaßte Regeln znr Erhaltung pon
Altertümern. DieseRegeln haben den Zwcck, cineAnlcitung
zu dcr ersten Behandlung der Altertttmer bei der Aussindnng
derselbcn zn gebcn, damit sie »icht von vvrnhcrein so sehr
beschädigt werden, datz eine spätere Behandlung nicht mehr
von Erfolg ist. Sodann sollen sie Vorständen kleiner Lvkal-
sammlungen als Leitfaden dienen, um sich dariiber zu nnter-
richten, wie weit sie ohne Schaden für die ihrer Obhut an-
vertrauten Altertümer dieselben entweder selbst behandeln
können oder bekanntcn Anstalten bezw. erfahrenen und zu-
verlässigen Privatpersonen zu dem Zweck übergeben sollen.
Holz mntz vor zu schnellem Trocknen und Zerreißen an der
Luft durch Lagerung in Wasser oder Bedecken mit seuchtem
Moor, Rasen,Moos geschützt und zur Beförderung mit einer
dicken Schicht von Moos oder Heu umgeben und mit Stroh
dicht umwickelt werden. Erhaltung: Tränknng mit einem
Gemisch von Petroleum und Anstreicherfirnis nnter mög-
lichster Beibehaltung der das Austrocknen anfhaltenden Hüllen.
Kleinere Gegenstände werden mit der Harzlösung getränkt
oder können" auch saber nicht solche von Eichenholz) m einer
starken Alaunlösung gekocht werden. Knochen, Zähne,
Hirschhorn, Elfenbein, Koralle dürfen ebenfalls nur
ganz allmählich trocknen. Sehr mürbe Stücke sind in der
nmgebendeu Erde zn belassen und crst nach der Erhärtung
durch die Tränknng herauszuschälen. Erhaltung: Tränknng
mit der Harzlösnng. Leder und Gewebe sind ebenfalls
nur allmählich zu trocknen. Erhaltuug: Tränkung mit der
Harzlösung. Wenn sie bereits hart uud brüchig sind, mit der
Mohnöl-Benzimnischung. Bronze ist HLchst vorsichtig zu
behandeln, da sic vft sehr nüirbe und brüchig ist. Anf
Spuren von anhaftendem Holz, Haaren und Geweben ist sorg-
fältig zn achten, ebenso auf das Vvrkommen von Einlagen
iu Gold, Silber, Knvchen, Koralle, Glasfluß (Email), Bcrn-
stein. Reinigung dnrch behutsames Abspiilen in lanwarmem
Wasser; wenn die Patina fester ist und erstcres nicht genügt,
durch Einlegcn in Seisenwasser oder sehr dünne Lösung von
reiner Pottasche nnd nachheriges Abspülen in lauwaimem
Wasser oder Bürsten mit ganz weichen Bürsten oder Haar-
Pinseln. Erhaltung: Schön grüne, feste Patina crfvrdert
keine weitcrc Behandlung. Sehr inllrbe und lose auffitzende
Patiua wird mit der Mohnöl-Benzinmischung und dann mit
anfangs weicheren, später mit härteren Bürsten gebürstet.
Stücke mit krpstallinischer Patiua (Salzpatina) inüsscn in
temperirtcm Wasser, dem etwas chemisch reine Soda (4ln-
trnm onrbonieum) zugesetzt ist, ausgelaugt, in reinem lau-
lvarmen Wasser abgebürstet und abgespült und nach dem
Trocknen mit der Harzlösung getränkt werden. Einzelne später
ausblühende Stellen werden mit dünncm Fischleim oder der
Schellacklösung betnpft. Gold ist nur von anhaftenden Ver-
niireinigungen dnrch Nbspülen mit lauwarmem Wasser zu
reinigen. Silber ist sehr vorsichtig zu behandeln, da es häufig
sehr mürbe und brüchig ist. Reinigung wieBronze. Erhaltnng:
Fcste, noch ganz metallische Stücke sind in dllnner Ammoniak-
lösung zu waschen, dann in lauwarmem Wasser abzuspülen und
vorsichtig zu erwärmen, um das Ammoniak wieder zn ent-
fernen. 'Brüchige Stücke sind nach vorsichtiger Reinigung (Ab-
splllen in lauwarmem Wasser) mit der Harzlösung zn tränken
und zu weiterer Behandlung einem erfahrenen Gold- oder
Silberarbeiter zu übergebcn. "Blei und Zinn sehen knochen-
ähnlich, weißlich grau aus nnd sind mcist außeroidentlich mürbe
und zerbrechlich. Sie sind in warmem Wasser abzuspülcn
und ganz vorsichtig zu trocknen. Erhaltung: Tränkung
mit der Harzlösung. Eisen. Abbröckclnde Eisenteilc, wenn es
auch nur Nost ist, müssen sorgsältig anfbewahrt und mit Fisch-
lcim oder Hausenblase wieder angekittet werden. Vollstttndig
gut erhaltenes Eissn mit schwarzblauem „Edelrost" ist ab-
zuspnlen und mit einem dis Luft abhaltenden dünncn Uebcr-
zuge (erwärmtes Wachs oder Parasfin in Benzin u. s. w.
gelöst) zu versehen. Gervstetes Eisen muß mit Gaze um-
hllllt und in lauwarmem Wasser, dem etwas chemisch reine
Soda (blatrnm earbonionw) oder ungelöschter Kalk zugesetzt
ist, ausgelangt werden, bis das täglich zu erneuernde Wasser
keinen braunen Niederschlag mehr giebt Tie Gegenstände
werden hierauf getrocknet, 6 bis 8 Tage in absoluten Alkohol
gelegt und bei gelinder Wärme wieder allmählich getrocknet.

Größerc Stiicke werden alsdann in einer Mischung von
Leinöl vder Firnis und Petrolcum zu gleichen Teilen, am
besten anf dem Wasserbade gekocht oder stn erwärmtem Zu-
stande wiederholt mit dieser Mischung getränkt. Kleine
Gegenstände dagegen werden mit der Harzlösung getränkt.
Zeigen sich Spuren Vvn Eiulagen (Tanschirung u. s w.), so
sind die Gegenstände zunächst nur in reinem Waffer ans-
zulaugen und dann einer bewährten Anstalt zur weiteren
Behandlung zuzusenden. (Das Römisch-Germanische Mu-
scum zu Mainz ist darauf eingerichtet, für andere Anstalten
svlche Ärbciten zu iibernehmen.) Ganz durchgerostete Stücke
sind, wenn sie uicht zu bröckelig sind, ebensalls in Gaze zn
hiillen, vorsichtig einige Tage erst in Wasser, später in Alko-
hol ausznlaugen und dann allmählich zu trocknen, die etwa
abgebrochenen Teile werden daraus mit Hausenblase vder
Fischleim angckittet und die Gegenstände schließlich ebenfalls
mit Leinölfirnis und Pctroleum oder noch besser mit einer
Lösung von gebleichtem Schellack in Alkohol, dcm ein ganz
gcringes Quantiiin von Ricinusöl zugesetzt ist, getränkt.
Drohen dergleichen Stiicke schon gleich uach°der Ausfindung
zn zerfallen, so tränkc man sie sogleich mit obiger Schellack-
lösung, hiille sie in Gaze und bewahrs sie an eincm ivarmcn
trockenen Orte auf. Die Tränkung ist dann mehrfach zu
wiederholen, auch noch nach längercr Zeit. Thongegcu-
stände werden vorsichtig getrocknet, bis der Thon wieder fest
ist, dann mit weichen Stielbürsten abgebllrstet. init reinem
Äasser mittels eines Schwammes abgespült, wieder getrock-
net nnd abgebürstetf dabei wird aber sorgfältig auf Bc-
malung geachtet, damit durch das Abbllrsten nicht die ctwa
zum Vorschein kommenden Erdfarben mit abgebürstet werden.
Zum Kitten bedient man sich des Fischleims, am besten des
amerikanischen oder des kaltflüssigen Leims, zum Ergänzen
und Ausfllllen der Fugen der Steinpappe. Erhaltung: Sehr
mürbe Stücke werden mit Belmontylöl geträukt oder in Er-
maugelung dessen mit der Harzlösung. Dis Glüttung wird
durch Tränkung der Oberfläche mit 'Mohnöl-Bcnzinlösung
nnd vorsichtiges Bürsten nach dcm Trocknen wicder hervor-
gerufcn, ebenso die farbigen Verzierungen. Glas. Farbiges
Glas wird in lauwarmem Wasser vorsichtig abgespült. Er-
haltiing: Tränkung mit MohnLl-Benzinlös'ung, bci starker
Verwitterung mit der Harzlösung. Zum Kitten wird Fisch-
leim oder Hausenblase angcwandt. Weißes Glas mit irisiren-
der Schicht ersährt, wenn nicht schvn gänzlicher Zerfall drvht,
jetzt gewöhnlich keine Behandlung. Bernstein wird wie
Glas behandelt. Hierzu werden noch folgende Vorschriften
übcr die Bereitung der besondern Erhallungsmittel gegeben.
Firnis - Petrvlenmmis ch nng. Bester Anstreich'erfiriiiS,
bestcs gereinigtes Petrvleum zu gleichcn Teilen zu mischen.
Harzlösung. lö K Dammarharz werden in l 3v tz' rcinsten
Benzins gclöst, dieser Lösung cin Gemenge Vvn 2l) § ge-
bleichten Mohnöls und 1S0 g- Terpentinspiritus bester Qua-
lität hinzngesetzt. Letzteres Gemenge ist als svlches (nicht
die Substauzcn einzeln) der Lösung hinzuzusetzen. Bei
längerem Stehen wird die Lösnng dick', sie muß bann zum
Gebranch wieder nüt Benzin, dem etwas Terpentinspiritus
zugesetzt ist, gcnügend verdünnt wcrden. Mvhnöl-Ben-
ziiimischuiig. 20 gebleichten Aiohnöls wcrden mit 270 g'
besten gereinigten Bcnzins gemischt. Eisensalben. a.
Weitzes Wnchs wird in Beiizin oder Terpentinspiritus gelöst,
b. Paraffin wird in Benzin oder Terpentinspiritus gelöst,
o. Virginia-Vaseline, ä. Belmvnthlöl (zu haben bei Polborn,
Berlin 8, Kohlenufer 2), s. Cerotine (zu haben bei Or. Ia-
cobsen, Berlin bi, Sellerstr 26). Schellacklösung. Gs-
bleichter Schellack wird in einer reichlichen Menge Alkvhvl
gclöst und der recht dünnflilssigen Lösung ein ganz geringes
Quantum (einige Tropfen) Ricinusöl zugesetzt. Kalt-
flüssiger Leim ist sürKnvchen uud Thongegenstände
als Notbehelf sür Fischleim zu verwendeu. Jn eine
düiinflüssige warme Lvsiing Kölner Leim wird etwa das
Doppelte ihres Volumens arabisches Gumnii eiugerllhrt, bis
die Masse die Consistenz des Hvnigs hat, und dann ein
wenig Glyccrin zugesetzt. Steinpappe. 500 § kölnischer
Leim werden ziemlich dick eingekvcht, hicrin 3 Bogen starkes
weißss Fließpasiier oder 4 Bogen weißes Seidenpapier, das
vorher in möglichst klcine Stücke zerzupft wird, zerrührt, bis
das Ganze eincn gleichinäßigen Brei bildet. Man kocht
denselben dann gut dnrch, sügt niiter stetem Ilmrllhren und
Kneten mittels eines dicken StabeS 2>/^ Kilv recht fein ge-
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