Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 23.1888

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Kunstlitteratur und Kunsthandel. — Nekrologe. — Ausgrabungen und Funde.

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zerstörte Figuren am Portal des Franziskanerklosters
wieder her; und endlich ward er zu gleichen Arbeiten
andreiStadtthoren, den St. Jans-Hinthamcr- nnd St.
Anthonis Poorten, herangezogen. Eine seiner restau-
rierten Statuen, der Evangelist Johannes ani St. Jans
Thor, wurde im Jahre 1570 von spanischen Soldaten
unabsichtlich zertrümmert, und der llmstand, daß man
nicht ihn, sondern einen Philips van Namen mit der
nochmaligen Wiederherstellung beanftragte, scheiut da-
rauf hinzudeuten, daß Bloemaert damals nicht mehr
in Herzogenbusch war.

Am schwierigsten aber ist der urkundliche Nach-
weis seiner architektonischen Thtttigkeit, auf welchem
Gebiete sein Schüler — nach de Vray — bei ihni
„wacker profitierte und sehr gefördert ward." Die ein-
zige Möglichkeit zu einem Resultate zu gelangen, ist
die, an den Orten, wo Bloemacrt anwesend war, nach
Bauten zu forschen, in welchen wir den Lehrer de
Keyzers zu erkennen vermögen. Jn Gorkum exi-
stieren zwei Wohngebände von 1563 und 1566, deren
Giebelfassaden hier durch den Reichtum ihrer bildne-
rischen Dekorationen aufsallen und die durchaus ohne
Beziehung zur übrigen Architektur des Ortes stehen.
Auch wenn wir nicht wüßten, daß Bloemaerts Auf-
enthalt in Gorkum gerade in jene Jahre fällt, so wird
namentlich der Anblick des Werkes von 1566 (Gast-
hausstraße, Ecke derSeilwindergasse) unsere Erinnerung
an gewisseAmsterdamerSchöpfungen deKeyzers beleben
müssen. Natürlich besitzen die Detailformen dieses Ge-
bäudes noch einen Frührenaissance-Charakter.

Ein bekanntes Motiv de Keyzers, gemauerte
Bogenfelder über viereckigen Fenstern mit eineni Orna-
ment nnd einer Maske aus Hanstein zu schmücken,
findet sich hier schon vorgebildet. Der Frontgiebel
besitzt eine aus konkav und konvex geschweiften Linien
zusammengesetzte Form, und die Fenster sind innerhalb
rundbogiger Blenden resp. Blendarkaden angeordnet.
Das zweite Gebäude von 1563 ist ein Eckhaus an
der Burgstraße. Hier sieht man am ersten Stockwerk
über Konsolchen entwickelte Arkadenbogen, während
die Fenster des zweiten und dritten Stockwerks durch
dreieckige Frontons, die oberste Giebelöffnung aber
durch einen Bogensims verdacht sind. Auch dekorativ
herrscht eine gewisse Mannigfaltigkeit, ein etwas will-
kürliches Nebeneinander verschiedenartiger Formen,
welches trotzdem anmutig wirkt. Nahe verwandt mit
diesen beiden Schöpfungen ist ein Dordrechter Ge-
bäude von 1558 (Wijnstraat 70): auch hier erscheint
die Urheberschaft des Meisters durchaus annehm-
bar. Hoffentlich wird es in der Folge gelingen, noch
mehr Licht über Cornelis Bloemaert zu verbreiten.

Aunstlitteratur und Aunsthandel.

- Von Franz Hanfstängls neuestcm Photoaravüreprackt-
wcrk: „Die Malerei auf der Münchsner Jubiläumskunst-
ausstellung", mit erläuterndem Text von Ludwig Pietsch,
ist kürzlich die erste, reich und gediegen ausgestatlets Lieferung
erschienen. Die dem Prinzregenten Luitpold gewidmete
Publikntivn stellt sich die Aufgabe, „das vorzugsweise Cha-
rakteristische von dem, was dis hervorragendsten Vertrcler
der Malerei, die altbewährten wie die neuen frischen Ta-
lente, zur Münchener Ausstsllung gebracht haben", in treuem
heliographischen Abbilde vorzuführen und „diese farblossn
Abbilder durch das schildernde Wort zu ergänzen, dsn Lebens-
gang und die künstlerische Entwickelung der Maler kurz zu
erzählen und ihre Kunstweise in knappen Zügen zu cha-
rakterisiren." Das vorliegende srste Heft giebt sinen hin-
reichenden Begriff davon, ivie das Ganze sich gestalten wird.
Es sührt eine Reihe der vorzüglichsten Gsmälde der Aus-
stellung teils in Vollbildern, teils in Texlillustrationen vor
und bietet dazu alle erfvrderlichen Erläuterungen und Nach-
weise. Unter den Vollbildern erwähnen wir die rührend
schöne Komposition von Walter Firle: „Jm Trauerhause",
Gustav Schvnleders Landschaft „Nisuwskerk" und die kvst-
liche „Kleinkinderschule" von Klaus Meyer, unter den Text-
illustrationen G. Kuehls „Segelnäher" und W. Hase-
manns„Bild vom Schai;". Die zweite Lieferung wird u. a.
Werke von E. Rau, Herm. Kaulbach, Ferd. Keller,
K. Raupp und Herm. Vogler bringen. Das Ganze darf
als ein schönes Erinnerungsalbum an die Münchensr Aus-
stellung und als ein wertvvller Beitrag zur modernen Kunst-
litteratur wärmstens empfohlen werden.

x. — Zn Paris erscheint eine neue billige Monatsschrift:
Lsvus univsrsslls illusträs. in Hesten zu 1 Fr., welche
einen reichen und mannigfaltigen Jnhalt aufweist. Es wird
damit der Verfuch gemacht, eine billige Monatsschrift in
Frankreich einzubürgsrn, wie sie in England, Amerika und
Deutschland schon bestehen. Das erste, vorliegende Heft um-
saßt 128 Seiten in Quartformat und enthält novellistische,
künstlerische und musikalische Beiträge. Unter den Mit-
arbeitern finden wir L. Sacher-Masvch, E. Müntz, V. E.
Garnier, P. Lervi, E. Molinier u. a. Das Blatt wird von
der lübrairis äs ll^rt verlegt und zeichnet sich durch sorg-
fältige und gediegene Ausstattung aus.

i Ans A. Brauns photographischcr Kunstanstalt ist so-
eben, nach längerer Pause, das zweite, glänzend gelungene
Heft der Amsterdamer Gemäldegaleris, mit Text von
Dir. Obreen, erschienen. Dasselbe bringt u. a. Photo-
graphieu des norwegischen Wasserfalls von Everdingen,
der Kirmes von Teniers, der Mühle von Hobbema und
zahlreicher anderer Hauptbilder des Rijksmuseunis von Fr.
Hals, van der Helst, N. Maes, P. deHooch, Miere-
velt, dem Delftschen van der Meer, Rembrandt u. s. w.
Der ausführliche Text bietet viele neue Daten zur Künstler-
geschichte. — Für die nächste Zeit kündigt Brnun das Er-
scheinen zweier Unternehmungen an, welche den Verlags-
katalog dieser Weltfirma wieder um eine Reihe von Kost-
barkeiten bereichern werden, nümlich die Gemäldegalerie des
Fürsten Johann Liechtensteinin Wienund die Handzeich-
nungen der kvnigl. Biöliothek zu Windsor Castle mit den
herrlichen Porträtstudien Holbeins, den berühmten Blättern
von Lionardo, Raffael u. a.

Nekrologe.

Dcr Konscrvator der Gemäldcgalcric dcs Louvre,
Vicomtc dc Tauzia, ist am 21. Juli zu Paris im Alter von
65 Jahren gestorben. Er hat bekanntlich den gegenwärtig im
Gebrauch befindlichen Katalog verfaßt.

Dcr bclgische Gcnrcmalcr Henri de Brackelcer ist
am 21. Juli zu Antwerpen, 48 Jahre alt, gsstorben.

Der Bildhauer Antoine Etex ist am 16. Juli in
dem Vororte Chaville bei Paris im Alter von 81 Jahren
gestorben.

Ausgrabungen und Funde.
x^— Eine Saininlung babylonischer Nltertümer ist, wie
die „Tägliche Ruudschau" berichtet, vor kurzem in London
eingetroffen. Besvnders bemerkenswert ist darunter eine
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