Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 9.1898

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Wettbewerbe. — Sammlungen und Ausstellungen.

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f Amsterdam. Dr. Cornelius Hofstede de Groot tritt
am 1. Juli von seiner Stellung als Direktor des Kgl. Kupfer-
stichkabinetts zurück.

WETTBEWERBE.

f Preisausschreiben zur malerischen Ausschmückung
des Festsaales im neuerbauten Rathause in Altona. Das
preussische Kultusministerium hat für die besten Lösungen
der genannten Aufgabe für preussische und in Preussen
lebende andere deutsche Künstler drei Preise von 4000,
2000 und 1000 M. ausgesetzt. Die Entwürfe sind bis zum
1. Dezember 1898, nachmittags 3 Uhr an die Kgl. Akademie
der Künste in Berlin NW., Unter den Linden 38, kosten-
frei einzusenden. Die Preisverteilung erfolgt durch die
Landeskunstkommission, welcher für diesen Zweck drei Ab-
geordnete der Stadt Altona mit Stimmrecht beitreten. Eine
Zeichnung des zur Ausschmückung bestimmten Raumes,
sowie ein Abdruck des Preisausschreibens, das die näheren
Bestimmungen enthält, kann bei dem Bureau der Kgl. Aka-
demie der Künste in Berlin, NW., Universitätsstrasse 6,
sowie bei dem Bureau des Magistrats in Altona unentgelt-
lich in Empfang genommen werden.

SAMMLUNGEN UND AUSSTELLUNGEN.

O. Paris. 7m „Mitgliedern des Vcrwaltungsrat.es der
Museen" sind, nachdem deren Zahl durch Gesetz von fünf
auf sieben erhöht worden war, Graf Henri Delaborde und
der Vorsitzende der Gesellschaft der „Freunde des Louvre"
Georges Berger ernannt worden.

G. Paris. Die retrospektive Kunstausstellung, die ge-
legentlich der Weltausstellung von igoo in dem kleineren
der beiden neuen Paläste der Champs Elysees stattfinden
wird, soll zwei Abteilungen umfassen: 1) kunstgewerbliche
Gegenstände aller Epochen; 2) französische Kunstwerke aus
der Zeit von 1800 bis 1890. Zugleich will man durch Ein-
richtung einer Anzahl von Zimmern mit derselben Zeit an-
gehörigen Bildern, Statuen, Möbeln, Teppichen, Vasen 11. s. w.
ein möglichst getreues Bild von dem Kunstgeschmacke in
den verschiedenen Perioden unseres Jahrhunderts zu geben
versuchen. Zum Kommissar der Ausstellung ist der Kon-
servator am Louvre E. Molinier gewählt worden.

f Der stattliche Katalog der Buchausstellung im Mäh-
rischen Gewerbemuseum in Brünn, über welche wir in Nr. 20
der Kunstchronik berichtet haben, ist jetzt vollständig er-
schienen. Er enthält in mehreren Abteilungen 1497 Nummern.
Kurze von Fachleuten geschriebene Einleitungen der ein-
zelnen Abteilungen sichern dem Katalog einen bleibenden
Wert. In Rücksicht auf das allgemeine Aufsehen, das die
Ausstellung in den weitesten Kreisen erregt hat, bleibt die-
selbe übrigens noch bis zum 22. Mai geöffnet.

Zürich. Rudolf Koller-Jubiläums-Ausstellung. Am 21.Mai
dieses Jahres begeht der Altmeister unter den Zürcher Malern
seinen siebzigsten Geburtstag. Die Zürcher Kunstgesell-
schaft wird eine Koller-Jubiläums-Ausstellung veranstalten,
welche das gesamte Lebenswerk des grossen Künstlers in
möglichster Vollständigkeit zeigen wird. Aus öffentlichem
und Privatbesitz werden ihr in dankenswerter Weise viele
der wichtigsten Bilder Kollers für diese Ausstellung zur
Verfügung gestellt, welche vom 1. Mai bis 12. Juni im Künst-
lerhaus, sowie im grossen Börsensaale abgehalten werden
wird. Dazu kommt noch der reiche Schatz von Studien
und Bildern aus dem Besitze des Künstlers selbst, so dass
eine Ausstellung von über dreihundert Nummern sich ver-
einigen wird.

Berlin. Die Ausstellung der modernen Kunsttöpferei im
Lichthofe des Königlichen Kunstgewerbemuseums ist Diens-
tag, den 26. April eröffnet worden. Die Teilnahme ist so
rege gewesen, dass fast alle in dieser Richtung arbeiten-
den Künstler beteiligt sind. Die Berliner Königliche Por-
zellanmanufaktur bringt ihre geflammten Porzellane und als
besondere Neuheit die mit Krystallen durchsetzten Glasuren.

| Die Königliche Kopenhagener Manufaktur: Malereien unter

j der Glasur; Verwandtes bringen Bing und Gröndahl in
Kopenhagen und die Fabrik von Roerstrand in Schwellen.
Metallische Lüsterglasuren in grosser Vollendung von Clement

1 Massier (Golf Juan), Keller, Guirin in Luneville, Kaehler in
Naestved (Dänemark), der bereits früher einmal im Kunst-

1 gewerbemuseum ausgestellt hatte, ferner die Familie von
Heider (München), von Mehlem (Bonn), Stahl (Berlin),
Zsolnay (Budapest). Von den mit höchst interessanten viel-
farbigen Glasuren unter der Mitwirkung ausgezeichneter
Künstler arbeitenden Häusern von Paris sind mit sehr reichen
Aufbauten vertreten Dalpayrat & Lesbros, Lachenal, Muller,
Dammouse und Bigot. In weniger edlem Material, aber
mit eigenartiger künstlerischer Wirkung, meist an ältere
bäuerliche Techniken anknüpfend, arbeiten Laenger & Kor/i-
has (Karlsruhe), Schmuz-Baudiss (München) und verschie-
dene holländische und belgische Künstler. Zum Vergleich
herangezogen sind ferner aus dem Besitz des Museums ältere
und neuere Stücke chinesischer und japanischer Herkunft,
welche der Ausgangspunkt für viele der modernen europäi-
schen Zierweisen gewesen sind. Da nahezu alle Aussteller
sich durch hiesige Kunsthandlungen vertreten lassen, so ist
auch der Verkauf der Stücke bei einer Ablieferung nach
Schluss der Ausstellung ermöglicht.

Dresden. Ende März hatte Hofrat Professor Pauwels
für kurze Zeit in seinem Atelier in der Kgl. Kunstakademie
zu Dresden drei Gemälde ausgestellt, die zur Ausschmückung
der sog. Brauthalle in der Stadtkirche zu Pirna bestimmt
sind. Das erste dieser Gemälde zeigt uns Christus zum Be-
such bei Maria und Martha, den Schwestern des Lazarus.
Pauwels hat sich in der Ausgestaltung dieser Scene von der
Tradition freigemacht, nach der in der Regel in dieser Scene
nur die drei Hauptpersonen auftreten, und mit Rücksicht
auf die grosse,- halbkreisförmige Wandfläche, in der das Bild
untergebracht werden soll, die Gestalten des Heilandes und
der beiden Schwestern mit einer Menge Figuren umgeben,
teils Dienern und Dienerinnen aus dem Hause des Lazarus,
teils Männern verschiedenen Alters, von denen der eine oder
der andere als Jünger Christi aufgefasst werden kann. Diese
durch die Beschaffenheit des Raumes bedingte Abweichung
von der herkömmlichen Auffassung hat allerdings zur Folge
gehabt, dass die Intimität der Scene, die nach der biblischen
Erzählung vorausgesetzt wird, verloren gegangen ist, doch
wird dieser Mangel dadurch wieder ausgeglichen, dass sich
der Künstler bei seiner Darstellung freier bewegen konnte.
Farbiger etwas reicher durchgeführt erscheint das zweite
gleichgrosse Wandgemälde, das die Hochzeit zu Kana dar-
stellt. Wie Paul Veronese in seinem Louvrebild, so hat auch
Pauwels die tafelnden Hochzeitsgäste auf einer erhöhten
Veranda untergebracht und dadurch im Vordergrunde für
die Gruppe des Heilandes und der neu Vermählten, die im
ernsten Gespräch beieinander stehen, Platz behalten. Ein

I drittes weit kleineres Bild, das uns eine aus Vater, Mutter,
Sohn und Tochter bestehende Familie in andächtiger Ver-

! ehrung vor einem Kruzifix knieend zeigt, fällt aus dem
Rahmen der beiden Hauptbilder heraus. In der Gestalt
eines Handwerksmeisters, der als solcher durch sein Schurz-
fell und das am Boden liegende Werkzeug gekennzeichnet
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