Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 9.1898

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Kunstblätter. — Nekrologe.

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persönlichen Neigung des Künstlers entspringt und
als etwas Ästhetisches zu empfinden nur einem fein
organisirten Geschmack gelingt. Hieran gliedern sich
als eigentliche dekorative Elemente dann die Blätter,
Blüten, Früchte in breiter Entfaltung, hier hinein
mischt sich die Tierwelt, alles mit verwandter Formen-
empfindung umrissen und ineinander gefügt. Die
Ornamentik ist der eigentliche Inhalt Eckmann'scher
Kunst. In gleichem Schwünge überzieht sie die Seiten
des Buches, umrankt sie den Teppich, schlängelt sich
zwischen Tischbeinen empor und umkleidet die Träger
von Lampen und Blumen.

Wird sie auch künftig der Hauptinhalt seiner
Kunst bleiben oder geht Eckmann noch einer weiteren
Entwickelung entgegen ? Das wird wohl die nächste
Ausstellung seiner Werke erst lehren können.

ERNST ZIMMERMANN.

KUNSTBLÄTTER.

f Die Firma G. Brogi in Florenz (Via Tornabuoni)
hat vorzügliche Autnahmen des neuentdeckten Fresko-Ge-
mäldes Domenico Ghirlandaio's in der Kirche Ognissanti
in Florenz herausgegeben (vgl. Nr. 15 der Kunstchronik).
Photographien des ganzen Freskos sowie Detailaufnahmen,
die in ausserordentlicher Klarheit und Schärfe das in seinen
Hauptteilen wunderbar erhaltene Gemälde wiedergeben.
Über die Grösse und den Preis der Photographien ver-
weisen wir auf das Inserat G. Brogi's in Nr. 16 der Kunst-
chronik.

f Berlin. — Die Berliner Photographische Gesellschaft
beginnt in diesen Tagen mit der Herausgabe eines Lieferungs-
werkes, das in den weitesten Kreisen Interesse erregen wird.
Es betitelt sich „Das neunzehnte Jahrhundert in Bildnissen"
mit Beiträgen hervorragender Schriftsteller und Fachgelehrten,
herausgegeben von Karl Werckmeister. Das auf 75 in drei
Jahren erscheinende Lieferungen berechnete Werk soll uns
die Bildnisse der bedeutendsten Persönlichkeiten unseres
Jahrhunderts auf den Gebieten der Staatsgeschichte, der
Wissenschaften, Kunst, Litteratur und Technik vor Augen
führen. Kurze Biographien oder längere Artikel werden den
einzelnen Bildnissen beigefügt. Der Preis jeder Lieferung
beträgt 1,50 M. Die erste Lieferung soll Bildnisse der Ge-
brüder Grimm, Ludwig Richter's, Mendelsohn-Bartholdy's,
W. von Siemens', Thorwaldsen's, Byron's und A. von
Lamartine's enthalten. Wir werden auf die interessante
Publikation noch zurückkommen.

NEKROLOGE.

O Der Bildhauer Michael Lock ist in Berlin in der
Nacht vom 20. zum ix. Februar im Alter von 50 Jahren
gestorben. Aus Köln gebürtig war er dort anfangs Schüler
und später Gehilfe des Dombildhauers Mohr gewesen, und
auch nach seiner Übersiedlung nach Berlin war er zumeist
auf dem Gebiete der dekorativen Bildhauer- und Steinmetz-
arbeit für öffentliche und Privatbauten thätig. Daneben
war aber der Drang nach höheren künstlerischen Schöpfungen
immer in ihm mächtig, und er hat auch mehrere Male schöne
Erfolge mit freien Arbeiten seiner Phantasie erzielt, in seinen
jüngeren Jahren mit einem Dädalus und einem Spartakus,
in den achtziger Jahren mit der figurenreichen Gruppe einer

Kreuzabnahme von grossem Wurfe und tiefer Empfindung
und zuletzt mit der durch wahre und feine Charakteristik
ausgezeichneten Figur des sterbenden Kaisers Wilhelm mit
einem die Flügel über ihn breitenden Engel „Ich habe keine
Zeit müde zu sein", die ihm die grosse goldene Medaille der
Berliner Kunstausstellung einbrachte.

t Budapest. Durch Selbstmord endete in Budapest der
1857 in Szabadka geborene Genremaler Kaiman Mesterhäzy.

Budapest. Am 12. Januar starb hier der Maler
Nikolaus von Barabäs im Alter von 88 Jahren (geboren
22. Februar 1810 in Markusfalva). Er stand hoch in Ehren als
Vorläufer der neuen ungarischen Malerei und galt gewisser-
massen als Plutarch der grossen Gestalten des ungarischen
Freiheitskrieges. In den Zeiten der achtundvierziger Kämpfe
wurden all die Helden der liberalen Ideen und der Freiheit
durch seinen Stift in der grossen Menge popularisirt, von
ihm besitzen wir auch das einzige authentische Bildnis des
grossen Poeten Petöfi. Barabäs hatte in seinen Jugendjahren
viel zu kämpfen, er verdiente sein Brod schon mit 12 Jahren,
lernte in der Provinz etwas zeichnen und kam endlich zu
Petter nach Wien. Den akademischen Jahren kaum ent-
wachsen, zog er in Ungarn herum, wo er eine ungemein eifrige
Thätigkeit entfaltete. Es giebt kaum eine vornehme Familie
in Ungarn, welche nicht ein Barabäs-Porträt besässe. Dann
malte er sich durch Rumänien, Italien und Österreich durch und
(1841) erregte mit seiner „Taubenpost" zuerst Aufsehen in der
ungarischen Hauptstadt. Als mit den Märztagen eine starke
nationale Strömung der Litteratur neue Bahnen öffnete, fing
Barabäs an ungarische Genrebilder zu malen und war sonach
der erste Künstler, welcher sich mit derartigem Stoff be-
fasste. Dank seinem kampflustigen Temperament und seiner
Agilität schuf er eine Art künstlerischen Lebens in der
ungarischen Hauptstadt und half zuerst den „Kunstverein",
später den „Verein für Bildende Künste" gründen. Der
letztere besteht noch heute und spielt eine bedeutende
Rolle in der ungarischen Kunst. Barabäs' Ruf wuchs schnell,
er arbeitete äusserst viel, doch sichern ihm weniger seine
Bilder, als seine agitatorische Thätigkeit einen Platz in
der Geschichte der ungarischen Kunst. Er wurde zum
Mitglied der ungarischen Akademie gewählt und befasste
sich nun auch mit Kunstlitteratur. Sein bestes Werk ist
eine Abhandlung über die „Irrlehren der malerischen Per-
spektive". c- L-

Alexander Liezen-Mayer. Mit Alexander Liezen-Mayer
(f am 19. Februar) isteinSchülerund überzeugter Anhängerder
Piloty'schen Historienmalerei dahingegangen, der sogar in-
mitten der modernen Kunstbestrebungen seinen Jugendidealen
treu geblieben war. Er wurde am 24. Januar 183g in Raab
(Ungarn)geboren. InderWiener Akademieerhielt erseineerste
Ausbildung als Maler und ging dann nach München. Das
Jahr 1862 brachte für ihn eine entscheidende Wendung da-
durch, dass ihn Piloty in sein Atelier aufnahm. Im Sinne
des Meisters waren Liezen-Mayer's erste grössere Werke ge-
schaffen; eine „Heiligsprechung der hl. Elisabeth" und eine
Episode aus dem Leben der Maria Theresia. 1870—72 lebte
er in Wien und fand als Porträtmaler Beifall. Nach seiner
Rückkehr nach München versuchte er sich als Zeichner und
illustrirte die populärsten Dichtungen der deutschen Klassiker.
Die Folge der „Faust"zeichnungen (50 Blatt) und 32 Blätter
zu Schiller's Glocke haben seinen Namen weit bekannt ge-
macht. Auch Reproduktionen nach seinen Bildern „Faust und
Gretchen in Marthens Garten" sowie // Faust und Gretchen vor
der Kirche" werden häufig gesehen. Der Erfolg blieb nicht
aus: 1877 ernannte die Wiener Akademie Liezen-Mayer zum
Mitgliede, 1880 wurde er nach Stuttgart zur Leitung der Kunst-
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