Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 9.1898

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Wettbewerbe. — Denkmäler. — Sammlungen und Ausstellungen.

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WETTBEWERBE.

Hochzeitsmedaillen. Wie wir unseren Lesern bereits
mitgeteilt haben, ist von den 87 Entwürfen zu Hochzeits-
medaillen und -piaketten, die infolge eines Preisausschreibens
des preussischen Kultusministeriums eingelaufen waren, keiner
des ersten Preises für würdig befunden worden. Die Jury
hat dafür den ersten Preis unter zwei Bewerber geteilt, deren
Entwürfe von den Preisrichtern als gleichwertig angesehen
worden sind. Wir sind durch die Freundlichkeit der Sieger
in den Stand gesetzt, unseren Lesern Abbildungen der beiden
Entwürfe vorführen zu können. Beide haben die unserem
Volke vertraute Medaillenform gewählt, und diese Wahl
scheint durch das Urteil der Preisrichter bestätigt worden
zu sein. Die Plakette ist bei uns noch nicht so populär,
dass sie auf allgemeines Verständnis rechnen könnte. Es
ist noch nicht zehn Jahre her, seitdem sie zuerst die Beachtung
von feingebildeten Kunstsammlern gefunden hat, und erst
vor wenigen Jahren haben deutsche Künstler versucht, diese

getreu bis in den Tod« befohlenen Treue. Die Tafel lehnt
sich an einen Kandelaber, auf dem das Feuer der Liebe
lodert. Die Flammen züngeln hinüber in den mit Sternen
besetzten Rand, in die Unendlichkeit, womit die ewige
Dauer der Liebe angedeutet werden soll. Rosen mit Dornen
flechten sich um den Bund der Ehe. —y.

DENKMÄLER,
f Wien. — Am 1. Juni ist das Raimund-Denkmal, ein
Werk Franz Vogl's, vor dem Volkstheater enthüllt worden.

SAMMLUNGEN UND AUSSTELLUNGEN.

f Krefeld. — Im Kaiser Wilhelm-Museum erregt gegen-
wärtig eine Ausstellung moderner künstlerischer Möbel und
Geräte berechtigtes Aufsehen. Sie enthält Arbeiten von
C. R. As/ibee, Eugen Belleville, A. Charpentier, O. Coppens,
A. \V. Finch u. s. w. Auch zahlreiche deutsche Künstler

Wilhelm Oiesecke, Hochze

cdaille. Vorderseite.

zierlichen Schmuckstücke italienischen Ursprungs nachzu-
bilden. Erfreulich ist es, dass beide Sieger insofern mit
der Praxis in enger Verbindung stehen, als sie als Fachlehrer
an kunstgewerblichen Lehranstalten wirken, also immer
darauf hingewiesen sind, durch Lehre und Beispiel junge
Leute für praktische Berufe heranzubilden. Wilhelm Giesecke,
dessen Entwurf ohne weitere Erklärung verständlich ist, ist
Lehrer für Bildhauer, Modelleure und Graveure an der
städtischen Handwerker- und Kunstgewerbeschule in Barmen,
und Hermann Dürrich, Ciseleur von Beruf, wirkt als Lehrer
für Freihandzeichnen und für den Fachunterricht im Wachs-
modellieren, Ciselieren u. s. w. an der Zeichen- und Kunst-
gewerbeschule in Kassel. Bei dem Entwürfe der Bildseite
hat ihn der Gedanke an den Vergleich eines Ehebündnisses
mit einer Fahrt ins Ungewisse geleitet. Kein Mensch weiss,
wohin die Fahrt geht. Aber der Bräutigam ladet die Braut
mit schmeichelnder Gebärde ein, mit ihm das Schiff des
Lebens zu besteigen, und zu guter Vorbedeutung streut ihnen
ein in der Luft schwebender Genius Rosen auf den Weg.
Das wogende Meer deutet die endlose Ferne an, der das
Schifflein des Lebens zusteuern wird. Auf der Schriftseite
halten zwei geflügelte Genien eine Votivtafel, auf der die
Namen des Brautpaares eingegraben sind. Sie sind gewisser-
massen zugleich die Wächter der in dem Bibelspruch „Sei

Wilhelm Oiesecke, Hochzeitsmedaille. '«j

wie W. v. Beckerath, E. v. Berlepsch, Q
Geygcr, M. Länger, W. Leistikow, H.
schmid, Franz Ringer sind durch hery
vertreten.

G. Der Kunstfreund Hayem hat j
fünf Werke des kürzlich verstorbenen Mail
geschenkt: das Ölgemälde ,;Le Calvai]
grosse Aquarell „Die Erscheinung" und d
»Der junge Mann und der Tod", „Odipj
und „Amor und die Musen". Dieselbe«
den Sälen I und II untergebracht wordd

G. Bei der Abstimmung über die
diesjährigen Pariser Salons wurde did
Malerei im zweiten Wahlgange mit 271
dem greisen Institutsmitgliede Henner zud
medaillen für Bildhauerei und graphiscj
Gardet und Patricot. Den Prix national
32 Jahren) bekam der Maler Henry Roya
und seine „Grablegung", die neun Reisei
Malern Guinier, We'ry und Mllc. Duft
Breton, Carli und Derre, den Architekt
und dem Kupferstecher Vyboud zu.

P. Düsseldorf. — Die diesjährige PI
ziemlich reichhaltig und ihr künstlerisci

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