Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 9.1898

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Otto Eckmann-Ausstellung.

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fügen darf, musste die Erlaubnis des akademischen
Rates eingeholt werden, der zwar nicht mit einem
absoluten Veto antwortete, aber dem Verein Bedin-
gungen auferlegte, die dieser als drückend em-
pfindet, und denen er sich aus verschiedenen Grün-
den nicht unterwerfen zu können meint. Da sich
zur Zeit die Angelegenheit noch in der Schwebe be-
findet und hoffentlich eine Vereinigung noch mög-
lich wird, wollen wir uns damit begnügen, hier
darauf hinzuweisen, dass uns die gegen das beab-
sichtigte Unternehmen des Vereins laut gewordenen Be-
denken, dass es die für das nächste Jahr geplante
deutsche Ausstellung schädigen könnte, nicht stichhaltig
erscheinen. Eine solche Konkurrenz wäre nur mög-
lich, wenn die Vereinsausstellung einen grösseren
Rahmen annehmen würde. Das ist aber bei der räum-
lichen Beschaffenheit des Kunstvereinslokals von vorn-
herein ausgeschlossen, da nur eine sehr beschränkte An-
zahl von Bildern dort gut und vorteilhaft untergebracht
werden kann und alle Gelegenheit fehlt, durch Ver-
anstaltung von Konzerten und Festlichkeiten, die den
Ausstellungen in dem städtischen Ausstellungsgebäude
an der Stübelallee für das grosse Publikum noch eine
besondere Anziehungskraft verleihen, grössere Massen
von Besuchern herbeizuziehen. Nur das Interesse an
den Kunstwerken kann das Publikum in den Kunst-
verein treiben; und diesem sollte man immer neue
Nahrung zuführen, zumal wenn man sicher sein kann,
dass die angebotene Kost gesund und förderlich ist.
Darauf aber darf man ohne alle Voreingenommen-
heit von vornherein rechnen, da die Thätigkeit des
Vereins bildender Künstler Dresdens die hauptsäch-
lichste Ursache ist, dass sich die Dresdener Kunstver-
hältnisse in den letzten Jahren wesentlich gehoben
haben. Es ist nicht zu leugnen, dass der Verein
gegenwärtig fast alle aufstrebenden jüngeren Elemente
umschliesst, und dass, von wenigen Ausnahmen ab-
gesehen, die dem Verein fernstehenden Künstler für
den Fortschritt der Dresdener Kunst nicht mehr in
Betracht kommen. Diese Thatsache hat die erste inter-
nationale Austeilung mit Evidenz erwiesen, und wer
sich von ihr ziffernmässig überzeugen will, braucht
nur zu dem Bericht zu greifen, den der Verein über
seine Thätigkeit in den Jahren 1896 und 1897 un-
längst veröffentlicht hat. Es ist nur natürlich, dass
die Mitglieder des Vereins, die doch vielfach um ihre
äussere Existenz kämpfen müssen, den lebhaften
Wunsch hegen, alljährlich ihre neugeschaffenen Werke
zuerst in Dresden auf einer Ausstellung vorführen zu
können, während es uns bedauerlich erschiene, wenn
sie sich durch die Verhältnisse genötigt sehen sollten,
nach auswärts zu flüchten, und wenn sie zr B.,
wovon bereits die Rede gewesen ist, in München
Unterschlupf suchen müssten. Es ist einmal so, wo-
rauf wir schon so oft in diesen Blättern hingewiesen

haben: Das Kunstleben einer Stadt beruht nicht auf
den Erzeugnissen, die man von auswärts kommen
lässt, mögen sie noch so vortrefflich sein. Dazu ge-
hören bloss Mittel und weiter nichts als Mittel, und
wenn man z. B. in Venedig jetzt jahraus, jahrein
eine grosse Ausstellung inscenirt, um die Fremden
anzuziehen, so mag dies ganz schön und gut sein, aber
es folgt daraus noch lange nicht,dass Venedig auf diesem
Wege eine moderne Kunststadt werden wird. Von einer
solchen kann nur dort die Rede sein, wo eine grössere
Anzahl besserer Künstler wirklich heimisch ist und
sich durch die Bewohnerschaft getragen und gefördert
fühlt. Das Umherwandern und Herumstudiren in
der Welt taugt dem Künstler auf die Dauer nicht;
auch er muss eine Heimat haben, denn er bedarf
nicht nur der intimen Kenntnis einer bestimmten Land-
schaft, sondern vor allem auch inniger Beziehungen
zu den Menschen, in deren Mitte er lebt. Deshalb
gilt es, die berechtigten Forderungen eines Vereins,
wie der der bildenden Künstler Dresdens ist, nach
Möglichkeit zu unterstützen und ihm die grösste
Bewegungsfreiheit zu gewähren, die sich denken lässt,
da nur eine unabhängige Künstlerschaft für ihr Thun
und Lassen verantwortlich gemacht werden kann und
nichts die schöpferische Thätigkeit, deren Erfolg ja
ohnehin von tausend Zufälligkeiten abhängig ist, mehr
hemmt, als bureaukratische Bevormundung und Nöti-
gung, mag sie noch so gut gemeint sein und den edel-
sten Beweggründen entspringen. H. A. LI ER.

OTTO ECKMANN-AUSSTELLUNG.

Eine Otto Eckmann-Ausstellung macht augen-
blicklich, vom Berliner Kunstgewerbe-Museum aus-
gehend, die Runde durch Deutschlands Museen, um
später sogar über den Kanal nach London zu gehen
und dort den Beherrschern der modernen dekorativen
Kunst zu zeigen, dass wir doch nicht immer in ihrem
Schlepptau zu gehen brauchen, um etwas wirklich
Neues, Eigenartiges, „Modernes" hervorzubringen.
Zur Zeit befindet sie sich im Leipziger Kunstgewerbe-
Museum. Sind es auch erst wenige Jahre her, dass
Eckmann den Pinsel fallen liess und in Deutschland
zum Pionier der wichtigsten und zukunftreichsten
aller bildenden Künste wurde, und kann daher auch
die Summe seines Wirkens noch nicht als ein End-
resultat angesehen werden, über das hinaus es kein
„Weiter" mehr giebt, so setzt doch die Mannigfaltig-
keit seines bisherigen originalen Schaffens in Erstaunen
und vermag schon dadurch auf den verschiedensten
Gebieten die fruchtbarsten Anregungen zu geben.
Eine direkte Nachahmung wäre hier freilich weniger
am Platze, da Eckmann's Kunst so individueller Natur
ist, dass diese dann nur zur Farce würde.

Leider fehlen gänzlich die früheren Erzeugnisse
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